Tarifstreit bei der Bahn: Warnstreik-Beginn verzögert sich

Den Bahnfahrern in Deutschland steht ein ungewisser Wochenbeginn bevor: Die Lokführer-Gewerkschaft GDL hat für Montag Warnstreiks angekündigt. Wann und wo gestreikt wird, ist allerdings noch offen - der Berufsverkehr dürfte aber vorerst nicht von den Arbeitsniederlegungen betroffen sein.

GDL-Warnstreiks (Archivfoto): "Sehr wirksame Aktion" Zur Großansicht
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GDL-Warnstreiks (Archivfoto): "Sehr wirksame Aktion"

Berlin - "Wir werden rechtzeitig den konkreten Termin und die Region bekanntgeben", sagte die Sprecherin der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Gerda Seibert, am Sonntagabend. GDL-Chef Claus Weselsky hatte am Samstag versichert, über die Warnstreiks werde die Öffentlichkeit jeweils zwölf Stunden vor Beginn unterrichtet. Auch auf der Homepage der GDL heißt es, sie werde "Streikdatum mit Uhrzeit und Ausdehnung rechtzeitig bekannt geben". Ein Warnstreik im Berufsverkehr am Montagmorgen scheint damit wenig wahrscheinlich.

In der "Bild am Sonntag" hatte Weselsky angekündigt, der erste Arbeitskampf werde nicht länger als drei Stunden dauern. Es werde "aber eine sehr wirksame Aktion sein". Zugleich hatte er mit einer Ausweitung des Arbeitskampfes gedroht. "Solange wir kein verhandlungsfähiges Angebot bekommen, werden wir die Arbeitskämpfe steigern - bis zum flächendeckenden Streik."

Die Bahn bereitet sich mit verschiedenen Maßnahmen auf die Arbeitsniederlegungen vor:

  • Es wurde eine Hotline eingerichtet. Unter der Nummer 08000/996633 können sich Kunden kostenlos über die Auswirkungen der Streiks informieren.
  • In einer Mitteilung kündigte die Bahn an, dass Kunden, die aufgrund von streikbedingten Zugausfällen, Verspätungen oder Anschlussproblemen ihre Reise nicht antreten können, ihre Fahrkarten erstattet bekommen.
  • Von Montag an werden laut einer Bahn-Sprecherin mehrere hundert zusätzliche Mitarbeiter bundesweit auf Bahnhöfen und in Betriebszentralen eingesetzt.

Die GDL will einen Branchentarifvertrag für die 26.000 Lokführer bei allen Bahnunternehmen im Nah-, Fern- und Güterverkehr. Nach eigener Auskunft sind drei Viertel aller Lokführer in der GDL organisiert.

Der Personalvorstand der Deutschen Bahn, Ulrich Weber, hatte der GDL im Interview mit SPIEGEL ONLINE vorgeworfen, sie wolle mit den Warnstreiks bei der Bahn nur mehr Aufmerksamkeit erreichen. Das sei " willkürlich, unsachlich und wenig seriös".

Die mit der GDL konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG warnte das Unternehmen davor, den GDL-Forderungen nachzugeben. "Wenn die Arbeitgeber der GDL einen besseren Abschluss als mit uns zugestehen, wird das weitreichende Konsequenzen haben", sagte der Vorsitzende der größten Bahngewerkschaft, Alexander Kirchner, dem "Tagesspiegel am Sonntag". Dann werde man Nachverhandlungen fordern und gleiche Bedingungen verlangen.

ulz/dapd/dpa

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1. Streikbeginn
Growling Mad Scientist 20.02.2011
Also es soll einen wirksamen Warnstreik für 3 Stunden geben, der 12 Stunden vorher angekündigt wird, aber am Montag statt finden soll. Da könnte ich wetten, dass heute Nacht um 4 Uhr die Streikwarnung von 16-19 Uhr für Montagabend rausgeht. Damit sitzen dann die Pendler auf dem Heimweg fest... und alle die festhängen können dann Überstunden einlegen bevor sie morgen in der Eiseskälte auf dem Bahnhof sitzen... So wird das BIP gesteigert. Und alles für's Wirtschaftswachstum! Nachtigall ick hör Dir trapsen!
2. Nervnasen
lezel 21.02.2011
Ich glaube nicht, daß die Lokführer sich damit einen großen Gefallen tun. Einige werden ein bißchen mehr verdienen und einige nichts mehr, wenn zu viele Fahrgäste sich nach Alternativen umsehen. Ich finde das schade. Bahnfahren ist eine wunderbare Sache, aber Streiks verderben einem den Spaß.
3. Falsches Thema
vk64 21.02.2011
Zitat von sysopDen Bahnfahrern in Deutschland steht ein ungewisser Wochenbeginn bevor: Die Lokführer-Gewerkschaft GDL hat für Montag Warnstreiks angekündigt. Wann und wo gestreikt wird, ist allerdings noch offen - der Berufsverkehr dürfte aber vorerst nicht von den Arbeitsniederlegungen betroffen sein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,746689,00.html
Ein Thread zu diesem Artikel wäre sicher sinnvoller gewesen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,746572,00.html
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Die drei Bahngewerkschaften
Transnet
Die größte Gewerkschaft hat derzeit rund 230.000 Mitglieder aus allen Bereichen der Deutschen Bahn sowie von privaten Bahn- und Busgesellschaften. Sie wurde 1896 als Eisenbahnergewerkschaft gegründet und gehört zum Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Nach dem Zweiten Weltkrieg hieß sie zunächst Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands (GdED). Im Jahr 2000 nannte sie sich in Transnet um, was für Transport, Service und Netze steht. Für Dezember 2010 ist eine Fusion mit der GDBA zur Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) geplant.
Verkehrsgewerkschaft GDBA
Die 1948 gegründete Gewerkschaft Deutscher Bundesbahnbeamter und Anwärter hat rund 40.000 Mitglieder aus allen Sparten von Bahn bis Bus. Sie gehört dem Deutschen Beamtenbund dbb an. Im Dezember 2010 soll die GDBA mit der Transet zur EVG zusammengeschlossen werden.
Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GdL)
Die 1867 als Verein Deutscher Lokomotivführer gegründete GDL hat 34.000 Mitglieder. In ihr sind nach Gewerkschaftsangaben rund 75 Prozent der Lokführer bei der Deutschen Bahn und ein Drittel der Zugbegleiter organisiert. Die GDL gehört wie die GDBA dem Beamtenbund an.

Deutsche Bahn
Der Konzern
dpa
Mit einem Umsatz von 39,3 Milliarden Euro und weltweit 285.000 Mitarbeitern ist die Deutsche Bahn einer der größten Konzerne des Landes. 2012 machte die Bahn einen Gewinn von 1,5 Milliarden Euro. Jedes Jahr transportiert die Bahn weltweit fast zwei Milliarden Reisende im Fern- und Nahverkehr.
Die Geschäftsfelder
Die Deutsche Bahn bietet neben dem Personenverkehr auch andere Transport- und Logistikdienstleistungen (DB Schenker) an. Gut ein Drittel des Umsatzes erzielt das Unternehmen mit dem Fern- und Nahverkehr und dem Betrieb von Bussen im Stadtverkehr. Der Bereich DB Schenker, in dem unter anderem der Schiengüterverkehr gebündelt ist, trägt rund die Hälfte zum Gesamtumsatz bei.
Der Chef
REUTERS
Rüdiger Grube ist seit Mai 2009 Chef der Deutschen Bahn. Der Top-Manager hat sich von der Hauptschule über eine Berufsausbildung und ein Studium bis an die Spitze des Logistikkonzerns hochgearbeitet. Vor seinem Wechsel zum Staatsunternehmen war er im Vorstand des Autobauers Daimler für die Konzernentwicklung zuständig. Davor arbeitete Grube mehrere Jahre bei der Daimler-Benz Aerospace (DASA), die später im Luft- und Raumfahrtkonzern EADS aufging.