Konkurrenz der Fahrdienste Taxifahrer-Protest treibt Uber Kunden zu

Europaweit haben Taxifahrer aus Frust über den Internetdienst Uber gestreikt - doch offenbar nützt der Protest vor allem dem Gegner. Nach Angaben der Betreiber registrierte die App am Mittwoch bis zu elfmal mehr neue Kunden als an normalen Tagen.

Taxifahrer in Berlin: Europaweiter Protest am Mittwoch
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Taxifahrer in Berlin: Europaweiter Protest am Mittwoch


Berlin - Es war eine beeindruckende Aktion: Zehntausende Taxifahrer hatten in mehreren Städten in Europa, den USA und Südamerika mit Streiks und Protestfahrten gegen den Vormarsch von Uber und anderer Fahrdienste demonstriert, die auf Smartphone-Apps basieren. Allerdings sieht es so aus, als hätten die Blockaden das Gegenteil erreicht und den Gegnern neue Kunden zugetrieben.

Der Fahrdienst Uber hat nach eigenen Angaben von den Protesten der Taxifahrer gegen ihn und andere Internet-Angebote profitiert. "Wir arbeiten rund um die Uhr", sagte Europachef Pierre-Dimitri Gore-Coty dem Wirtschaftssender Bloomberg TV. Quer durch Europa habe es sechs- bis achtmal mehr neue Kunden als an gewöhnlichen Tagen gegeben, in Barcelona seien es sogar elfmal mehr gewesen.

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Taxi-Protest: "Sie wollen uns umbringen"
Die europäischen Taxifahrer sehen einen unfairen Wettbewerb, weil die Konkurrenz aus dem Internet die strikten Regeln und zum Teil hohen Lizenzkosten für das Taxigewerbe umgehe. Fahrdienste wie Uber betreiben keine eigenen Wagen, sondern treten nur als Vermittler zwischen Fahrern und Fahrgästen auf.

Uber machte allerdings eine Versöhnungsgeste: Zum Start der Proteste wurde die Plattform überraschend auch für offizielle Londoner Taxifahrer geöffnet, die besonders gut organisiert sind und mit rund 10.000 Black Cabs das Regierungsviertel um den Trafalgar Square lahmlegten. Uber will sie unter anderem mit einer Gebühr von fünf Prozent locken.

Die Taxifahrer in Deutschland kritisieren an Firmen wie Wundercar und Uber vor allem die Vermittlung von privaten Autos. Private Fahrer seien oft nicht für die Beförderung versichert, absolvierten keine regelmäßigen Gesundheitschecks, ihre Ausbildung und der technische Zustand des Autos würden nicht geprüft.

Uber wies das zurück. Man biete eine zusätzliche Möglichkeit zur Fortbewegung an, sagte Patrick Studener, der für die Expansion des Dienstes in Europa zuständig ist. Auch die Uber-Fahrer müssten verschiedene Überprüfungen durchlaufen, bevor sie für die App zugelassen werden. Führerschein, Versicherung und polizeiliches Führungszeugnis würden geprüft. Das Unternehmen vermittelt in Berlin, München und Frankfurt am Main auch Chauffeure mit schwarzen Mietwagen.

nck/dpa



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überlegdochmal. 12.06.2014
1. meine Worte
habs gestern gesagt Streik ist die beste Werbung für den Gegner
ichsagwas 12.06.2014
2. Wettbewerb im Internet
Prinzipiell begrüße ich die Konkurrenz, die den etrablierten Taxiunternehmen ensteht. Allerdings frage ich mich, wie es mit der Konkurrenz im Internet aussieht. Da gibt es gar keine Regulierung mehr, auch kaum noch regionalisierte Konzepte. Wer zuerst da ist, wer genug Geld in den Auftritt und in die Werbung pumpt - der gewinnt. Was bei den kleineren Läden in der Innenstadt passiert, das läuft auch im Internet ab. Am Anfang sinds vielleicht noch 20 Unternehmen, nach ein paar Jahren bleiben 2-3 große übrig. Und im schlimmsten Fall sind das dann globale Konzerne. Was an Wertschöpfung geschieht, das fließt in die Hände ganz weniger ab. Eine sehr gefährliche Entwicklung, die früher oder später einen revolutionären Zustand, oder Anarchie hervorrufen wird.
tg923 12.06.2014
3. Ist sowieso nicht zu verhindern....
denn ich kann wann und wo immer ich hinfahren will dies tun. Auch kann ich mitnehmen wen ich will. Ob der mir dann später was dafür gibt....kann eh keiner kontrollieren. So...ihre Ausbildung und der technische Stand werden nicht überprüft...wenn das so ist, müssten theoretisch sofort alle Autos stillgelegt werden. Blosse Scheinargumente der Taxilobby, die ihre mehr als unverschämten Preise, hoffentlich zu Recht, in Gefahr sieht.
emjey79 12.06.2014
4. Selbst Schuld
Wenn ich einem Taxifahrer den Weg vom Flughafen Schönefeld nach Steglitz erklären muss, macht der etwas falsch. Wenn man dann noch die Preise, oftmals dreckige taxen und bei den Fahrern nur schlechte Deutschtkenntnisse dazu nimmt, wundert es nicht, dass Alternativen gesucht und angenommen werden. Konkurrenz belebt das Geschäft, vielleicht sieht man ja ein, dass Service helfen kann sich von anderen abzusetzen, schön wärs.
spon-facebook-1266154113 12.06.2014
5. Interessant
"absolvierten keine regelmäßigen Gesundheitschecks, ihre Ausbildung und der technische Zustand des Autos würden nicht geprüft..." Also was ich bin gefühlte 1000000 mal Taxi gefahren! 80% der Fahrer sind verdammt unfreundlich, teilweise dreist, fahren beabsichtigt längere Strecken (wenn man sich auskennt, merkt man das sofort) und beim Gesundheitsstand bin ich mir da auch nicht sicher! Zu manchen Wagen mit denen die da rumkurven muss ich auch nichts sagen. Im großen und Ganzen muss sich da keiner wundern das die Leute sich was besseres suchen!
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