Wegen Mindestlohn Taxiunternehmer kündigt vorsorglich seinen 65 Fahrern

8,50 Stundenlohn für jeden Fahrer? Ein niedersächsischer Taxiunternehmer sieht durch den Mindestlohn offenbar seine berufliche Existenz bedroht - und kündigte seinen 65 Mitarbeitern vorsorglich. Ähnliche Fälle könnten folgen.

Taxifahrer in Berlin: Bald steht jedem angestellten Fahrer 8,50 Euro Mindestlohn zu
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Taxifahrer in Berlin: Bald steht jedem angestellten Fahrer 8,50 Euro Mindestlohn zu


Hannover/Hamburg - Nicht nur die Fahrdienst-App Uber macht der Taxibranche zu schaffen. Zum Jahreswechsel muss angestellten Taxifahrern zudem der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde bezahlt werden. Bislang liegt der durchschnittliche Stundenlohn der knapp 15.000 angestellten Fahrer zwischen 5,50 Euro und 6,50 Euro - und damit deutlich darunter, teilt der Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN).

Die Kostenerhöhung durch den Mindestlohn wollte ein Taxiunternehmer aus Hannover offenbar nicht mittragen: Vorsorglich kündigte er seinen 65 Fahrern. Der Fall beschäftigte am Dienstag das Amtsgericht Hannover. Ein Ergebnis brachte der Verhandlungstag allerdings nicht. Es wurde zunächst keine einvernehmliche Lösung gefunden, so dass beide Seiten sich im November erneut vor dem Arbeitsgericht treffen.

Das Unternehmen habe nicht nachweisen können, dass es tatsächlich seinen Betrieb einstellen will, sagte ein GVN-Sprecher. So konnte es keine Kündigungen von Räumlichkeiten und Leasingverträgen nachweisen. Es habe vielmehr die Möglichkeit eines Weiterbetriebs nach einem neuen Modell zur Sprache gebracht.

Nach GVN-Angaben gibt es in Niedersachsen ähnliche Fälle. "Welches Ausmaß das annehmen wird, wissen wir noch nicht", sagte ein Sprecher. Allerdings ständen in Niedersachsen in der Taxibranche 5000 bis 7000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. In vielen Städten Deutschlands hätten die Taxiunternehmer ebenfalls reagiert: Um die Mehrkosten aufzufangen, beantragten sie laut GVN eine Erhöhung der Fahrpreise um bis zu 25 Prozent.

vks/dpa

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insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
mistergarak 23.09.2014
1. Will die 65 Taxis jetzt selber fahren?
Reine Panik oder Show! Ich könnte ja noch verstehen wenn er seine Flotte verkleinert und die älteren Fahrzeuge verkauft. Aber so ist die ganze Geschichte doch eher albern.
nick999 23.09.2014
2. ist doch einfach
Taxen benötigen Lizenzen. Ein Taxiunternehmer, der seine Lizenzen nicht benutzt, verliert sie. Den Rest regelt der Markt.
cola79 23.09.2014
3. Mehr davon
Das sollte Schule machen! Bei den exorbitanten Preisen für Taxifahrten möchte ich nicht in einem Taxi fahren, in dem der Fahrer für weniger, als den Mindestlohn fährt. Kann ein Unternehmen den Mindestlohn nicht zahlen, hat es auch nichts im Markt verloren. Ein Fahrer, der gepflegt ist und fließend Deutsch spricht, ist 8,50€ wert-alle anderen eben nicht und die sollten auch nicht fahren.
chagall1985 23.09.2014
4. Was für ein Hohn
Den Mindestlohn müssen alle Taxiunternehmen bezahlen. Der zu erwartende Aufpreis sind keine 10%. Was sich natürlich anbietet ist die festangestellten Fahrer zu kündigen und als selbstständige weiter zu benutzen..... Das ist auch mit Sicherheit der eigentliche Grund der Kündigung. Mit dem Mindestlohn und seinen Konsequenzen müssen auch die Bemühungen erhöht werden solche Scheinselbstständigkeiten zu unterbinden. Sonst wird das mit Sicherheit der größte Trend 2015....
Lankoron 23.09.2014
5. Reiner Populismus.
Wieviel kosten denn die Fahrer an sozialen Aufstockungsleistungen uns alle, und mit wieviel Wochenstunden werden die Fahrer ausgebeutet? Bei allein 65 Fahrern dürfte es der Zentrale nicht allzu schlecht gehen.
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