Tech-Übernahme: Ebay verkauft Skype-Mehrheit an Finanzinvestoren

Ebay trennt sich von Skype: Die Mehrheit an dem Telefonie-Dienst gehört künftig einem Konsortium um das US-Unternehmen Silver Lake. Das Online-Auktionshaus kassiert dafür rund 1,9 Milliarden Dollar in bar.

Skype-Nutzer: Milliardenschwerer Online-Dienst Zur Großansicht
dpa

Skype-Nutzer: Milliardenschwerer Online-Dienst

New York - Der Internettelefonie-Dienst Skype ist an eine Investoren-Gruppe verkauft worden. Der Konzern Ebay gab die Mehrheit von 65 Prozent für rund 1,9 Milliarden Dollar in bar ab, wie die Unternehmen am Dienstag mitteilten. Die restlichen 35 Prozent an dem Dienst behält Ebay. Insgesamt wird Skype bei dem Geschäft mit 2,75 Milliarden US-Dollar bewertet.

Dem Online-Auktionshaus zufolge soll der Verkauf im vierten Quartal dieses Jahres abgeschlossen sein. Zu den Käufern gehört die von dem Internet-Pionier und Netscape-Gründer Marc Andreessen gegründete Risikokapital-Firma Andreessen Horowitz. Auch die britische Investmentgesellschaft Index Ventures ist beteiligt, angeführt wird das Konsortium vom US-Unternehmen Silver Lake.

Der Deal war bereits zuvor von der "New York Times" berichtet worden. Ebay will sich seit geraumer Zeit von Skype trennen. Das Online-Auktionshaus hatte Schwierigkeiten, die Telefontochter in den Gesamtkonzern zu integrieren. Eine Idee von Ebay bei der Skype-Übernahme war, den Dienst für die Kommunikation zwischen Kunden des Auktionshauses einzusetzen, doch der Plan wurde nie verwirklicht.

Im April strebte Ebay einen Skype-Börsengang in der ersten Hälfte des Jahres 2010 an, verwarf die Idee aber wieder, da ihm die Bewertung des Telefonie-Dienstes von gut zwei Milliarden Dollar zu niedrig erschien.

Profitables Telefonie-Geschäft

Insidern zufolge soll Ebay kürzlich auch mit Google über einen Verkauf verhandelt haben. Der Suchmaschinenriese habe von dem Geschäft aber wieder Abstand genommen. Ein Grund für den Rückzug sei gewesen, dass Google gefürchtet habe, durch den Skype-Kauf potentielle Kunden für sein Smartphone-Betriebssystem Android zu vergrätzen. Viele Hersteller von Oberklasse-Handys wehren sich vehement gegen den Gebrauch von Skype auf ihren Mobiltelefonen, da der Dienst in unmittelbarer Konkurrenz zu regulären Telefondiensten steht.

Das Auktionshaus hatte Skype 2005 zu einem Preis von mehr als 2,6 Milliarden Dollar gekauft. Teil des Deals war damals auch die Auszahlung der beiden Web-Unternehmer Niklas Zennström und Janus Friis, die Skype 2003 gegründet hatten. Nach dem Kauf durch Ebay stiegt die Zahl der Skype-Kunden von 53 Millionen auf gut 480 Millionen.

Skype ermöglicht es seinen Nutzern, kostenlos über das Internet zu telefonieren - auch Videokonferenzen und der Austausch von Kurznachrichten sind möglich. Zudem kann man mit Skype in vielen Ländern für wenig Geld Festnetzanschlüsse und Mobiltelefone anrufen. Der Dienst ist profitabel: Im zweiten Quartal wuchs der Unternehmenserlös um 25 Prozent auf 170 Millionen Dollar.

Seit einigen Monaten verfolgt Skype zudem eine aggressive Expansionsstrategie. Das Unternehmen will sich als allumfassende Telekommunikations-Plattform aufstellen und verstärkt Geld mit Zusatzdiensten verdienen. Kern des Projekts "Skype Everythere" ("Skype überall") ist, dass Nutzer über verschiedenste Geräte - ob Telefon, Computer, Fernseher oder Autoradio - auf den Dienst zugreifen können. Mit ersten "Überall"- Angeboten ist für das kommende Jahr zu rechnen. Eigene Geräte will Skype dabei eher nicht entwickeln, sondern sich weiter auf die Software konzentrieren.

ssu/AFP/AP/dpa

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