Telekom König Drosselkoms Abgang

Draußen protestieren Netzaktivisten gegen Internet-Drosselung, drinnen nerven Fondsmanager und renitente Rentner. Zum letzten Mal spricht René Obermann als Vorstandsvorsitzender bei einer Telekom-Hauptversammlung. Zu all den Krisen des Konzerns sagt er: "Wir haben uns vor nichts weggeduckt."

Von , Köln

DPA

"Ich war heute Morgen noch bei der Bank", sagt der Rentner. "Ich will meine Telekom-Aktien endlich verkloppen."

"Kommt Ihr Wechsel einer Kapitulation gleich, Herr Obermann?", fragt der Banker.

"Mit der Drosselung haben Sie alle gegen sich aufgebracht", schimpft ein Aktionärsschützer.

René Obermann sagt, bei der Telekom sei eigentlich immer Krise gewesen: Journalisten wurden bespitzelt, die Radrennfahrer dopten, es gab Streiks und heftige Tarifkonflikte, im Ausland ließen sich Amtsträger schmieren. "Wir haben uns vor nichts weggeduckt", so der Vorstandsvorsitzende, und es klingt ein bisschen wie: Wir haben nichts ausgelassen. Bald hat er es überstanden. Ende des Jahres wechselt Obermann zu dem niederländischen Kabelnetzbetreiber Ziggo. Der für einen Dax-Vorstand ungewöhnliche, weil anscheinend freiwillige Abgang wirkt ein bisschen wie eine Flucht.

Nie der klassische Konzernkarrierist

Obermann war nie der klassische Konzernkarrierist. Als seine Kommilitonen im Wirtschaftsstudium davon träumten, schon bald in ein renommiertes Unternehmen einsteigen zu können, möglichst als Vorstandsassistent, gründete Obermann seine eigene Firma. Er verkaufte Telefone, Kopierer und Anrufbeantworter, mit großem Erfolg. Erst mit 35 Jahren stieg der gebürtige Niederrheiner in den Bonner Großkonzern ein.

Seine Mission in Magenta war es, aus dem ehemaligen Staatsmonopolisten ein schickes und vor allem zukunftsfähiges Kommunikationsunternehmen zu machen. Obermann galt als durchsetzungsstarker Visionär, als ungeduldiger Macher, als robuster Typ, der früher schon als Eishockeyspieler gleichermaßen einstecken wie austeilen konnte. Wenn nicht er, wer dann könnte aus Fernmeldeobersekretären Teamleader machen, die Kaffeerunden mit Keksen durch Videokonferenzen ersetzen? Obermann selbst sagt heute, leicht resigniert, der Wandel sei "eine Generationenaufgabe".

Hinzu kam zuletzt das "Drosselkom"-Debakel. Obermanns Ankündigung, einer kleinen Gruppe von Internet-Intensivnutzern zusätzliche Kosten aufzuerlegen, sorgte für gewaltige Proteststürme der Netzgemeinde. Manche fürchten sogar um die Freiheit des Webs. "Die Alternative wäre", sagt Obermann am Donnerstagmorgen in der Kölner Lanxess-Arena, "dass das Netz für alle langsamer oder für alle teurer wird. Ich finde das nicht in Ordnung."

Die ewige Unzufriedenheit der Aktionäre

Überhaupt sei es schlichtweg "absurd", von der Telekom zu erwarten, dass sie ihr Netz immer weiter ausbaue, stetig investiere und zugleich die Preise für ihre Produkte reduziere. "Das funktioniert nicht", so Obermann. Deshalb sei es notwenig gewesen, diese unpopuläre Debatte anzustoßen, auch wenn sie vielen als "Frevel" erscheine. Vielleicht wollte der scheidende Konzernchef vor allem seinen Nachfolger und Freund Timotheus Höttges vor dem Shitstorm bewahren, der nun über den Konzern hereingebrochen ist. Wieder einmal.

Denn da ist ja noch die ewige Unzufriedenheit der Aktionäre. Nicht nur aufgebrachte Rentner in Anglerwesten schimpfen auf der Hauptversammlung über die Telekom-Papiere, auch der Union-Investment-Fondsmanager Ingo Speich kritisiert Obermann: "Sie wollten eigentlich Wert für die Aktionäre schaffen, doch daraus ist nichts geworden. Während der Dax seit Ihrem Amtsantritt um 30 Prozent gestiegen ist, ist die Telekom-Aktie um 30 Prozent gefallen." Vor allem der Einstieg beim griechischen Staatskonzern OTE sei ein Desaster gewesen.

Obermann hingegen versucht, Zuversicht zu verbreiten: In den USA sei der Konzern durch die Fusion seiner schwächelnden Mobilfunktochter T-Mobile USA mit dem Rivalen MetroPCS "einen Riesenschritt weitergekommen". In Deutschland sei der Konzern im Festnetz Marktführer und liege auch beim Mobilfunk vorn. Nach Jahren schrumpfender Umsätze richte sich die Telekom wieder auf Wachstum aus, so der Vorstandschef. Dank geplanter Investitionen von fast 30 Milliarden Euro solle der Konzern ab 2014 wieder wachsen.

Am Ende erlaubt sich René Obermann, der unter einem Panzer aus Fassung stetig zu vibrieren scheint vor Gestaltungswillen, noch "ein persönliches Wort". Er habe sich 15 Jahre lang "mit aller Kraft" für die Modernisierung des Unternehmens eingesetzt und es besser, freundlicher, moderner, größer machen wollen. Nun sei es an den Aktionären, "meine Arbeit zu bewerten".

Obermann bekommt höflichen Applaus aus den nur spärlich besetzten Reihen.

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Seite 1
dr3w 16.05.2013
1. Netznerutralität ist es, nicht Drosselung
weswegen die Leute protestieren. Wenn durch die Bank gedrosselt wird wechselt man eben zu einem anderen Anbieter. Werden eigene Medien von der Drosselung ausgenommen, resultiert eine Gleichschaltung des Medienkonsums der Kunden. Das entstehende Preis- und Meinungsmonopol ist das eigentliche Problem.
kdshp 16.05.2013
2. Fondsmanager
Zitat von sysopDPADraußen protestieren Netzaktivisten gegen Internet-Drosselung, drinnen nerven Fondsmanager und renitente Rentner. Zum letzten Mal spricht René Obermann als Vorstandsvorsitzender bei einer Telekom-Hauptversammlung. Zu all den Krisen des Konzerns sagt er: "Wir haben uns vor nichts weggeduckt." http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/telekom-rene-obermanns-auftritt-auf-der-hauptversammlung-a-900283.html
ES geht doch nicht um eine drosselung sondern um eine preis erhöhung!
hman2 16.05.2013
3. Huch
---Zitat--- Seine Mission in Magenta war es, aus dem ehemaligen Staatsmonopolisten ein schickes und vor allem zukunftsfähiges Kommunikationsunternehmen zu machen. ---Zitatende--- Ehemaliger Staatsmonopolist? Die Telekom hat heute noch das de-fakto-Monopol auf die letzte Meile, das sie mit Vectoring, entgegen jeder Vernunft, noch ein paar weitere Jahre auslutschen will, wärend rund um uns fast nur noch Glasfaser gelegt wird. Schon in Siebzigern hat es die Telekom aka Bundespost verbockt. Heute lachen uns die Koreaner aus, wenn wir ihnen erzählen, dass unsere "Breitband"-Internetanschlüsse immer noch nach Mega- und nicht nach Gigabit gemessen werden. Wenn wir denen von der Drosselung erzählen, können die sich sicher nicht mehr halten vor Lachen... Und ein Staatsunternehmen ist die Telekom noch immer, mit 33% ist und bleibt der Staat der größte Anteilseigner.
stefansaa 16.05.2013
4.
Zitat von dr3wweswegen die Leute protestieren. Wenn durch die Bank gedrosselt wird wechselt man eben zu einem anderen Anbieter. Werden eigene Medien von der Drosselung ausgenommen, resultiert eine Gleichschaltung des Medienkonsums der Kunden. Das entstehende Preis- und Meinungsmonopol ist das eigentliche Problem.
Was hat die Drosselung mit der Netzneutralität zu tun? Das ist grober Unfug... Selbst wenn die Telekom ihr eigenes Angebot in den Vordergrund rückt, betrifft das in keinster Weise die Netzneutralität. Ich weiß nicht wer diesen populistischen Blödsinn in die Welt gesetzt hat. Selbst die Drosselung in der aktuellen Variante stellt für den 08/15 Internetnutzer kein Problem dar. Wir schauen fast jeden Tag Serien via Stream, Spielen viel, Surfen etc. und sind zu zweit und verbrauchen bei einer 16mbit Leitung ca. 30GB. 75 wären mit Drosselung möglich. Von daher sehe ich da kein Problem. Wenn das ganze nicht kommt, auch gut. Ansonsten: Sturm im Wasserglas...
danido 16.05.2013
5. Unglaublich
...dass Obermann sagt: bei der Telekom sei eigentlich immer Krise gewesen und dann alle negativen Vorkommnisse der Telekom aus der Vergangenheit aufzählt. Ist *das* die Aufgabe eines Vorstandsvorsitzenden, vielleicht eine neue Art der Werbung?
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