Verschwundener Milliardär Bergretter suchen weiter nach Tengelmann-Chef

Seit Samstag wird Firmenchef Karl-Erivan Haub in den Schweizer Alpen nahe des Kleinen Matterhorns vermisst. Trotz des schlechten Wetters geben die Spezialisten die Hoffnung nicht auf.

Karl-Erivan Haub
DPA

Karl-Erivan Haub


Die Rettungskräfte suchen weiter nach Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub. "Wir haben Chancen mit Sicherheit innerhalb der ersten zwei, drei Tage. Wir haben aber auch jetzt noch eine geringe Chance, die muss man realistisch sehen", sagte der leitende Rettungsarzt, Axel Mann, bei einer Pressekonferenz in Zermatt. "Und darum sind wir auch alle noch voll auf der Rettungsseite engagiert."

Allerdings beeinträchtigten starker Wind und Schneefall den Einsatz der schweizerischen und italienischen Suchmannschaften. Ein Sprecher der Kantonspolizei sagte, bei der Wetterlage hätten die Hubschrauber der Suchtrupps Schwierigkeiten in der Luft. Erfahrene Retter seien zudem zu Fuß in dem Suchgebiet unterwegs, das sich jedoch über mehrere Tausend Hektar erstrecke.

Der Unternehmer war vor vier Tagen von einer Skitour am Klein Matterhorn in der Schweiz nicht zurückgekehrt. Er war bisherigen Erkenntnissen zufolge mit einer Seilbahn zum Klein Matterhorn gefahren. Die Bergstation liegt auf 3820 Metern. Von dort aus gibt es Abfahrten nach Zermatt und nach Cervinia in Italien. Dort verlor sich seine Spur.

Familie stellt unbegrenzte Mittel zur Verfügung

Der schweizerischen Zeitung "Blick" zufolge trainierte Haub für ein von der Schweizer Armee organisiertes Skirennen, das kommende Woche stattfinden soll. Die traditionsreiche sogenannte Patrouille des Glaciers ist eines der anspruchsvollsten Rennen im Skibergsteigen und findet alle zwei Jahre statt.

Adriano Favre, Chef der Bergrettung im Aostatal, sagte der italienischen Zeitung "Corriere della Sera", die Familie des Vermissten habe für die Suche unbegrenzte Mittel bereitgestellt. Aber unter den Wetterbedingungen sei dies nutzlos.

Nach Angaben der Kantonspolizei suchen Spezialisten seit Tagen nach dem vermissten Unternehmer. Es habe etliche Überflüge mit Hubschraubern in der Bergregion rund um das Matterhorn gegeben, Bergungsspezialisten hätten sich auch in Gletscherspalten abgeseilt, sagte ein Mitarbeiter der Polizeistation in Zermatt. "Das Gelände ist sehr schwierig, hochalpin und sehr zerklüftet", sagte er. Zudem habe es am Dienstag in dem Gebiet geschneit, was die Suche erschwert habe.

Gegen Ende der Woche sei mit einer Wetterbesserung zu rechnen, sagte Delfino Viglione von der Bergrettung im Aostatal. "Aber es ist klar, dass mit jeder Stunde, die verstreicht, sich unsere Chancen verringern, die Person lebend aufzufinden." Handyortung bisher erfolglos

Ein sicherer Zufluchtsort sei in einer solchen Höhe überlebenswichtig. Bei der Suche nach Haub würden auch technische Mittel zur Ortung von Mobiltelefonen eingesetzt. Aber wahrscheinlich sei der Handyakku des Vermissten inzwischen leer.

Der 58-Jährige ist einer der reichsten Deutschen. Das Vermögen der Unternehmerfamilie wurde zuletzt vom manager-magazin auf etwa 4,2 Milliarden Euro geschätzt.

Zu der Tengelmann-Unternehmensgruppe gehören die Baumarktkette Obi und der Textildiscounter Kik. Die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann verkaufte Karl-Erivan Haub im vergangenen Jahr an Edeka. Von 1969 bis 2000 war der Anfang vergangenen Monats verstorbene Erivan Haub Geschäftsführer der Tengelmann-Gruppe. Danach übertrug er die Geschäfte an seine Söhne.

brt/dpa/AFP

Mehr zum Thema


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.