Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Tengelmann-Edeka-Deal vor dem Aus: Ende des Durchmarsches

Ein Kommentar von

Tengelmann-Geschäftsführer Haub: Zweifel am postulierten Gemeinwohlinteresse Zur Großansicht
DPA

Tengelmann-Geschäftsführer Haub: Zweifel am postulierten Gemeinwohlinteresse

Die Monopolkommission hat sich gegen die Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka ausgesprochen. Zu Recht: Der Verkauf würde weder Verbrauchern noch Mitarbeitern noch Lieferanten dienen. Und schon gar nicht dem Allgemeinwohl.

Manchmal verstecken sich Gemeinheiten in unspektakulären Worten, in Randbemerkungen, in harmlos daherkommenden Halbsätzen. Deshalb merkt man erst beim zweiten oder dritten Lesen, wie vernichtend das Gutachten ist, das die Monopolkommission heute vorgelegt hat. Das Beratergremium der Bundesregierung sollte prüfen, ob Besitzer Karl-Erivan Haub die Kaiser's-Tengelmann-Supermärkte mithilfe einer Sondergenehmigung an Deutschlands größten Lebensmittelhändler Edeka verkaufen darf.

Das Ergebnis ist eindeutig: Nein, darf er nicht. Auch nicht unter Auflagen.

Das ist eine Ohrfeige für Haub und Edeka-Chef Markus Mosa. Beide waren in den vergangenen Monaten durch die Lande gezogen und hatten siegessicher erklärt, die Erlaubnis von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) quasi schon in der Tasche zu haben. Trotz des schlecht formulierten Antrags, trotz argumentativer Schwächen. Und trotz erheblicher Zweifel an dem stets postulierten Gemeinwohlinteresse. Beide Unternehmen schienen schlicht darauf zu setzen, genügend Einfluss in Berlin zu haben, um inhaltliche Argumente aushebeln zu können.

Schamlos wurde da etwa vor einem drohenden Arbeitsplatzabbau gewarnt, vor einem "zweiten Fall Schlecker" - dabei waren Entlassungen und Werksschließungen längst im Kaufvertrag vereinbart. Sehr fein formuliert die Monopolkommission deshalb in ihrem Beschluss, "die von den Antragstellern vorgetragene Arbeitsplatzsicherung" sei "nicht mit hinreichender Sicherheit" erwiesen. An anderer Stelle schreiben die Kartellrechtler gar von einer "behaupteten Sicherung" von rund 5700 Vollzeitstellen. Ein gewisses Misstrauen in die Glaubwürdigkeit der vorgetragenen Argumente scheint da durch.

Chuzpe und Selbstüberschätzung

Gleiches gilt für den Rest der Argumentation: Im Antrag seien "weitere Gemeinwohlvorteile" vorgetragen worden, die aber "entweder als solche nicht anzuerkennen sind oder deren Vorliegen nicht erwiesen ist". Was eine sehr höfliche Art ist, auszudrücken, dass der Verkauf den Interessen von Haub und Edeka dient - Mitarbeiter, Hersteller und Konsumenten und nicht zuletzt die Allgemeinheit davon aber nicht profitieren.

Im Gegenteil: Durch den Verkauf hätten die Mitarbeiter um ihre Jobs bangen müssen, und um ihre betriebliche Mitbestimmung, denn Edeka hält wenig von ihr. Hersteller hätten wegen der größeren Marktmacht der Edeka noch mehr unter dem Preisdiktat der Hamburger Händler zu leiden gehabt.

Und die Verbraucher? Die werden auch weiterhin ausreichend Supermärkte finden, in denen sie ihre Lebensmittel kaufen können - und vielleicht sogar eine größere Vielfalt an Produkten und Preisen vorfinden. Dann nämlich, wenn Haub seine Supermärkte nicht wie geplant im Ganzen verkaufen kann. Sondern seine Filialen verschiedenen, kleinen Mitbewerbern anbieten muss.

Mag sein, dass Herr Haub und Edeka weiter darauf hoffen, dass sich Wirtschaftsminister Gabriel einfach über das Votum der Monopolkommission hinwegsetzt und ihnen den Verkauf erlaubt. Wahrscheinlich ist das nicht. Denn auch bei Gabriel dürfte das Vertrauen in Aussagen und Argumentation der Beteiligten geschwunden sein.

Vielleicht kommt auch eine gewisse Fassungslosigkeit dazu ob der Chuzpe und Selbstüberschätzung der beiden Händler. Deren geplanter Durchmarsch, so viel ist auf jeden Fall klar, dürfte jetzt zu Ende sein.

Zur Autorin
Manfred Witt
Susanne Amann ist stellvertretende Ressortleiterin im Wirtschaftsressort des SPIEGEL.

E-Mail: Susanne_Amann@spiegel.de

Mehr Artikel von Susanne Amann

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Und nun wird eben jeder zweite Tengelmann zugemacht
WernerT 03.08.2015
Der Rest ist nicht überlebensfähig und geht in die Insolvenz aus der Edeka (Metro, Lidl) sich die Sahnestücke raussucht. Da greift dann kein Kartellrecht
2. Es läuft wie immer in Deutschland.
go-west 03.08.2015
Am Ende kommt dann ein ausländischer Investor zum Zuge mit den zu genüge bekannten Folgen.
3. Richtig so
lini71 03.08.2015
Ein "Ausländer" wird sich nicht due Finger verbrennen wollen. Der deutsche LEH ist denen viel zu gefährlich und teuer. Der letzte, der das versucht war WalMart und der hat das teuer bezahlt Kaiser's kann jetzt stückweise verkauft werden, zB an Rewe und Markant und die EDEKA wird nicht noch mächtiger ..
4. Es läuft wie immer in England
opi_1 03.08.2015
Dann komt ALDI und macht die bisher da gewesenen platt. So geit dat numol.
5. Da kollidieren zwei politische Ziele
chwe 03.08.2015
einerseits will man Deutschland deindustrialisieren und ist generell gegen Grosskonzerne, andererseits soll auch dem deutschen Buerger insbesondere der Mittelschicht maximaler Schaden zugefuegt werden. Erlaubt man die Fusion steigen vermutlich die Preise und das belastet die Buerger -> Ziel erreicht Erlaubt man die Fusion nicht entsteht kein neuer Konzern der eventuell auch noch Gewinne macht. Ich denke die SPD entscheidet im Zweifel gegen die Buerger und fuer die Konzerne.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: