Supermarktkette Tesco wehrt sich mit Milliardenkauf gegen Aldi und Lidl

Der britische Branchenführer stemmt sich gegen die erfolgreiche deutsche Konkurrenz: Tesco kauft für 4,3 Milliarden Euro den wichtigsten Großhändler für Lebensmittel im Vereinigten Königreich.

Tesco-Markt in London
DPA

Tesco-Markt in London


Seit Jahren setzen Aldi und Lidl die etablierten Supermarktketten in Großbritannien unter Druck. Nun rüstet sich der größte britische Einzelhändler Tesco Chart zeigen mit einem Zukauf gegen die deutschen Discounter. Für umgerechnet 4,3 Milliarden Euro (3,7 Milliarden Pfund) übernimmt Tesco den Großhändler Booker, wie beide Firmen mitteilten. Der Zukauf soll zwei Ziele erfüllen. Erstens will Tesco sein Wachstum erhöhen, zweitens soll durch gemeinsamen Einkauf und Vertrieb Geld gespart werden.

Bookers Geschäftsmodell zielt auf Caterer, Restaurants und kleinere Gewerbe. Das Geschäft wuchs zuletzt stärker als der klassische Verkauf von Lebensmitteln in Supermärkten - ein Segment, in dem Tesco mit 28 Prozent Marktanteil der größte Wettbewerber im Vereinigten Königreich ist. Die Konkurrenz der deutschen Discounter nagt jedoch an diesem Status.

Mit einer Neuausrichtung wollte der seit 2014 amtierende Tesco-Chef Dave Lewis den Marktführer wieder stärken. Das könnte sich ausgezahlt haben: Ein florierendes Weihnachtsgeschäft beschert Tesco wohl das erste Gewinnplus seit fünf Jahren.

Der Zukauf stellt auch eine Kehrtwende bei der Unternehmensstrategie dar. Um das Hauptgeschäft mit Lebensmitteln in Großbritannien wieder anzukurbeln, verkaufte Lewis für mehrere Milliarden das Geschäft in Südkorea und der Türkei sowie die Restaurantkette Giraffe.

Steigende Einkaufspreise infolge des sinkenden Pfund-Kurses erhöhen seit dem Brexit-Referendum den Druck auf die Supermarktketten in Großbritannien. Im vergangenen Jahr lieferte sich Tesco einen öffentlich ausgetragenen Machtkampf mit dem Lebensmittelhersteller Unilever Chart zeigen. Der wollte wegen des gesunkenen Pfundkurses für Waren bis zu zehn Prozent mehr Geld verlangen.

Tesco räumte daraufhin Unilever-Produkte wie den beliebten Brotaufstrich Marmite aus den Regalen. Der Streit wurde beigelegt, doch das Problem könnte im laufenden Jahr erst noch Fahrt aufnehmen, wenn das Land den Austritt aus der EU offiziell beantragt.

fdi/Reuters/dpa

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Duggi 27.01.2017
1. Wieviel Phantasie braucht man wirklich,
um sich auszumalen, wie "Markt" aussieht, wenn die Konzentration in Handel, Industrie und Dienstleistung ihren Endpunkt erreicht hat. Die liberale Marktwirtschaft zerstört sich selbst und endet in einem Machtmonopol.
frenchie3 27.01.2017
2. @1 Nicht ganz verkehrt
aber zur Zeit funktionieren die Kartellbehörden noch. Zumindest so lange wie Minister mit irgendwelchen Erlaubnissen die Flossen rauslassen
tonic53 27.01.2017
3. das Problem nimmt dann fahrt auf ...
...wenn England aus der EU ausgetreten ist. nicht wenn der Antrag gestellt wird.
napoleonwilson 27.01.2017
4. Ein Hoch auf die Marktwirtschaft.
In England wächst der Markt. Was wenn austreten doch die richtige Lösung ist ? Fakt ist : Niemand weiss was passieren wird. Alle sogenannten Experten malen Horrorscenarien an die Wand. Aber guckt man genauer, entpuppt sich alles als Vermutung. Für Deutschland wäre der Eu Austritt eine gute Option. Am allermeisten profitieren doch die Pleite Länder in der EU. Die starken Länder allimentieren die schwachen. Aber damit sollte nun Schluss sein. Deutschland war vor der EU Top und wird es auch ohne EU wieder sein. Deregulierung ohne wenn und aber.
derÖtze 27.02.2017
5. @napoleonwilson sieht es umgedreht
Ich denke nicht das die Pleiteländer am meisten profitieren. Im Gegenteil, durch die Pleiteländer wird der Eurokurs unten gehalten, was die Exportquote der reichen Länder nach oben treibt. Tritt Deutschland aus der Eurozone aus, kriegt die DM n Kurs, der dem Exportweltmeister die Preise verhagelt. Folglich wird weniger verkauft, weniger Arbeitsplätze, ... Die Leute, die einen Schuldenschnitt nicht akzeptieren, weil sie dadurch selber viel Geld verlieren würden, sitzen ebenfalls alle in den Nichtpleiteländern. Ich denke nicht, daß ein Deutschland mit den 80Mio Einwohner gegen die Machtblöcke China (>1,3Mrd Ew) oder USA (0,03Mrd Ew) gegenhalten kann. Eine EU mit 0,6Mrd Ew vielleicht schon. Aber Sie haben Recht, nichts genaues weiß man. Ich hätte Griechenland mal als Versuchsballon pleite gehen lassen um zu gucken, welcher der Experten denn nun Recht hat. Wenigstens ist der Versuchsballon Brexit losgegangen, wenn auch durch Druck der Bürger, mal gucken was passiert.
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