Klage der US-Börsenaufsicht Tesla-Aktie stürzt um elf Prozent ab

Elon Musk rauchte vor Kameras einen Joint, schimpfte einen Rettungstaucher "pädophil" - und twittert sich um Kopf und Kragen. Nun wird der Tesla-Chef ein Fall für die Börsenaufsicht - mit drastischen Folgen.

Tesla Model 3
REUTERS

Tesla Model 3


Erneut schlechte Nachrichten für Elon Musk: Wegen der Klage der US-Börsenaufsicht SEC gegen den Gründer und Chef des Elektroautoherstellers Tesla ist der Aktienkurs des Unternehmens abgestürzt. An der Börse in New York gab der Tesla-Kurs zu Handelsbeginn um mehr als elf Prozent nach und notierte bei 272,64 Dollar (rund 235 Euro). Die SEC hatte Musk am Donnerstag wegen seines Tweets über einen möglichen Rückzug von der Börse verklagt.

Die Börsenaufsicht warf Musk vor, Anleger in die Irre geführt zu haben, und drängt auf eine Entmachtung des Unternehmenschefs. Musk wies die Vorwürfe zurück. Der Aktienkurs war bereits kurz nach Bekanntwerden der SEC-Klage stark gesunken.

Musk hatte am 7. August in einer Serie von Tweets angekündigt, er erwäge, Tesla zum Preis von 420 Dollar pro Aktie von der Börse zu nehmen. "Finanzierung gesichert", fügte er hinzu. An den Aktienmärkten sorgte die unkonventionelle Ankündigung für Unruhe; die Tesla-Aktie legte damals um fast elf Prozent zu, woraufhin die New Yorker Börse den Handel mit den Papieren zeitweise aussetzte.

Elon Musk
REUTERS

Elon Musk

Ende August machte Musk dann einen Rückzieher: Hatte er zuvor noch argumentiert, dass die Unabhängigkeit des Unternehmens von der Gunst der Börsenanleger gut für Tesla sei, kündigte er in einem Blog-Eintrag an, der Verbleib an der Börse sei doch der "bessere Weg für Tesla". (Testen Sie hier ihr Wissen im Elon-Musk-Quiz)

Musk hielt zwar bis zuletzt an seiner Behauptung fest, dass "mehr als genug" Finanzmittel vorhanden gewesen wären, um Tesla von der Börse zu nehmen. Eine Antwort darauf, wo das Geld hätte herkommen sollen, blieb aber aus. Es habe nur informelle Gespräche mit dem staatlichen Investitionsfonds von Saudi-Arabien gegeben, betonte die SEC in der Klage.

Marihuana, Streit mit britischem Taucher, Probleme bei Tesla

Auch abgesehen vom Chaos um die Privatisierungspläne von Tesla hatte sich Musk zuletzt vom größten Hoffnungsträger zur größten Belastung seiner Firma entwickelt. Erst räumte er in einem emotionalen Zeitungsinterview gesundheitliche Probleme und Schlafmittelkonsum ein, dann rauchte er auch noch vor laufender Kamera einen Joint.

Marihuana spielte der SEC zufolge auch eine Rolle bei der Festlegung auf einen Kaufkurs von 420 Dollar. Musk sei davon ausgegangen, dass der saudi-arabische Fonds einen Aufpreis von 20 Prozent zahlen würde, und sei auf 419 Dollar gekommen. Dann habe er auf 420 Dollar aufgerundet - weil die Zahl in der amerikanischen Popkultur ein Synonym für regelmäßigen Marihuanakonsum sei und er gedacht habe, dass seine Freundin dies lustig finden würde.

Zum merkwürdigen Verhalten Musks gehört auch eine Fehde mit einem britischen Taucher. Dieser hatte im Juli bei der dramatischen Rettung eines thailändischen Fußballteams mitgeholfen, das tagelang in einer überschwemmten Höhle eingeschlossen war. Musk hatte ihn als Pädophilen beschimpft und brockte sich damit eine Verleumdungsklage ein.

Zu allem Überfluss läuft es bei Tesla selbst alles andere als rund: In den vergangenen Monaten verließen viele Topmanager das Unternehmen, und die Produktionsziele beim neuen günstigeren Model 3 wurden erst Monate später erreicht.

bam/AFP

insgesamt 27 Beiträge
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hansa_vor 28.09.2018
1. Schade das dieses
Forum in 3..2..1... von Gläubigen erobert werden wird, welche feststellen werden dass Herr Musk keine Fehler gemacht hat und SPON nur Tesla-bashing betreibt. Ich hoffe die SEC verhängt ein ordentliches Bußgeld und setzt durch das Musk nicht mehr CEO eines börsennotierten Unternehmens sein darf. Dann könnte wenigstens SpaceX erfolgreich werden.
GustavN 28.09.2018
2.
Wer die Anklageschrift im Original lesen will: https://sc.cnbcfm.com/applications/cnbc.com/resources/editorialfiles/2018/09/27/musrkaurg.pdf Wenn auch nur die Hälfte davon stimmt, wäre es schon schlimm genug. Aber vielleicht ist es ja auch positiv: Mit einem geeigneten Nachfolger als CEI, dem es nicht nur um die Selbstdarstellung geht, ist Tesla meiner Meinung nach noch zu retten.
sischwiesisch 28.09.2018
3. Zu Beitrag 1 hansa_vor
Nun, diese sitzen jetzt daheim und bereiten ihre Youtube-Filme vor und werden ihn mit der gleichen Leidenschaft bedingungslos verteidigen wie sie auch vor ein paar Wochen zu einem Gutteil genau erklärten, warum Tesla von der Börse genommen werden muss und wie das funktionieren wird. Und warum in ein paar Jahre alle Dinosaurier verschwunden sein werden. Auch wenn nichts davon eintrat oder eintreten wird. Das ist mittlerweile ja egal. Nichts kann stärker sein als glauben.
optimumg 28.09.2018
4. Tesla Bashing
Klar ist das Bashing. Es wurde kein Joint geraucht. (Das Interview zeigt einen sehr ausgeglichenen Musk und war ganz nebenbei höchst Interessant) Der Rettungstaucher ist kein Taucher. (Der Brite lebt in der Region und ist Hobby-Höhlenforscher. Er kannte die Höhle weil er diese trockenen Fußes erkundet hat) Das Model3 läuft rund. (Dieses Quartal sollten 50-55k vom Band laufen. Im Moment sollen es 51k sein) Eine Rundung um 0,2% sei erlaubt.
vanselow 28.09.2018
5. Tesla bashing
Die Ölindustrie, die meisten Autokonzerne möchten Tesla in die Knie zwingen. Für die Ölindustrie ist das Elektroauto das Ende. Viele Autokonzerne haben die Entwicklung beim Elektroauto verschlafen. Tesla ist fast unaufholbar enteilt. Tesla überschwemmt derzeit mit seinem Tesla Model 3 den US-Automarkt. Jetzt gibt es gar nicht mehr genug Autotransporter, um all die neuen Tesla Model 3 zu den Kunden zu bringen. Es gibt derzeit Probleme bei den massenhaften Auslieferungen. Daimler, BMW, Audi usw. brechen die Umsätze in USA um bis zu 50 Prozent ein. Tesla bereitet sich gerade auf den Start der Auslieferung in Europa vor. Dort wird sicher das Gleiche passieren. Tesla dominiert in den USA den Automarkt in der Mittelklasse. Das sind ganz schlechte Nachrichten für die Ölindustrie aber auch für viele Autokonzerne weltweit. Diese Firmen spielen derzeit ihre ganze Macht aus, um Tesla zu stoppen. Ohne den Visionär Elon Musk wäre Tesla nichts mehr. Jetzt will man ihm gerichtlich verbieten lassen, Tesla weiter zu führen. Auch hier der Spiegel berichtet nicht korrekt. Es geht um genau einen Tweet und nicht um eine Serie von Tweets. In diesem Tweet hatte Elon Musk mitgeteilt, er würde darüber nachdenken, Tesla von der Börse zu nehmen. Darüber nachdenken .... Diese Nachricht führte dazu, dass die Tesla-Aktie innerhalb weniger Stunden um 11 Prozent stieg. Heute, nach dieser Nachricht ist die Tesla-Aktie um 11 Prozent gefallen. So what? Das eben der Aktienmarkt: rauf und runter. Oder wird jemand die SEC verklagen, wenn die Klage gegen Elon Musk scheitert, weil die Tesla-Aktie heute um 11 Prozent abgesackt ist? Aber selbst wenn Tesla scheitern sollte: es gibt schon viele neue Firmen in China, die das Erfolgsrezept von Tesla kopiert haben. Dann werden einfach diese Firmen in die Lücke springen. Das wird der Ölindustrie nichts mehr nützen und es wird der deutschen Autoindustrie nichts mehr nützen. Die deutsche Autoindustrie hat keine Akkuzellen und ist von Lieferungen aus Asien abhängig. Es ist also ein Leichtes jetzt, die deutschen und europäischen Firmen gegen die Wand laufen zu lassen. Man muss denen nur den Hahn bei den Akkuzellen zudrehen, sobald der Elektroautoboom wirklich einsetzt.
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