Tesla sucht Vizechef Musk spricht über gesundheitliche Probleme

Tesla-Chef Elon Musk klagt in einem Interview über Schlafmangel, der Verwaltungsrat sucht offenbar einen Vize. Und dann ermittelt auch noch die US-Börsenaufsicht.

Elon Musk
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"Es war unerträglich", sagte Musk der "New York Times" über das vergangene Jahr. Die hoch gesteckten Produktionsziele für das neue Model 3 hätten ihn so sehr belastet, dass es "das schwierigste und schmerzhafteste Jahr" seiner Karriere gewesen sei.

Seinen Gesundheitszustand nannte Musk in dem Interview "nicht gerade toll". Er arbeite 120 Stunden die Woche und könne manchmal nur mit dem Schlafmittel Ambien Ruhe finden. "Es ist oft die Alternative: kein Schlaf oder Ambien." Außerdem habe er wegen des Stresses fast die Hochzeit seines Bruders verpasst und den eigenen Geburtstag komplett in der Fabrik verbracht.

Der Druck auf Musk soll so groß sein, dass der Verwaltungsrat des Elektroautoherstellers laut "New York Times" nun dringend einen Manager sucht, um den gesundheitlich angeschlagenen Firmenchef zu entlasten. Offenbar versucht Tesla schon seit Jahren, einen Geschäftsführer zu finden, der Musk im Tagesgeschäft unterstützt. Nach Angaben von Musk soll Tesla vor zwei Jahren die Facebook-Managerin Sheryl Sandberg als mögliche Kandidatin angefragt haben, eine der engsten Mitarbeiterinnen von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Sandberg habe sich aber entschieden, bei Facebook zu bleiben.

Musk selbst wiederum sagte im Interview, seines Wissens nach gebe es "derzeit keine aktive Suche" nach einer Nummer zwei. "Falls Sie jemanden kennen, der den Job besser macht als ich, sagen Sie Bescheid. Er kann ihn gern haben."

Auf den Bericht hin fiel der Kurs der Tesla-Aktien Chart zeigen am Montag um sechs Prozent.

Es dürfte noch schlimmer werden

Der Druck auf Musk dürfte sich erhöhen, seit die US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) sich in verschiedenen Angelegenheiten mit Tesla befasst. Zum einen geht die Behörde damit den Anschuldigungen eines ehemaligen Mitarbeiters nach, der dem Unternehmen vorwirft, seine eigenen Angestellten auszuspionieren. Zudem soll in einem Werk in Nevada ein mexikanisches Drogenkartell über Verbindungen zu Mitarbeitern Drogen wie Kokain und Crystal Meth verkaufen. Tesla sei informiert - habe aber bisher nichts unternommen, heißt es in den Vorwürfen, die der "New York Times" vorliegen.

Darüber hinaus untersucht die SEC, inwiefern Musk mit einem Tweet zur Finanzlage des Unternehmens Investoren getäuscht haben könnte - es ging hierbei um Musks Plan, das Unternehmen von der Börse zu nehmen. Insbesondere soll geklärt werden, ob Musk die Wahrheit sagte, indem er bekannt gab, die Finanzierung für das milliardenschwere Unterfangen sei gesichert.

Außerdem geriet Tesla wegen der anhaltenden Produktionsprobleme des Massenmarktmodells Model 3 ins Visier der Behörde. Musk hatte immer wieder ehrgeizige Ziele für die Produktion des ersten für den Massenmarkt gedachten Tesla-Autos ausgelobt - und musste sie wegen Problemen bei der Fertigung immer wieder verschieben. Tesla und seinen Managern könnte Ärger drohen, falls Investoren bei den Gründen für die Verzögerungen oder deren Ausmaß hinters Licht geführt wurden. Im vergangenen Jahr habe die SEC entsprechende Untersuchungen eingeleitet, berichtet das "Wall Street Journal". Die SEC wollte sich der Zeitung gegenüber nicht zu dem Fall äußern.

Bei all den Problemen kann es anscheinend kaum schnell genug gehen mit der Suche nach einem geeigneten Vizechef. Die Frage ist, wer sich in den Schleudersitz begeben möchte.

ire/dpa-AFXP/AP

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insgesamt 71 Beiträge
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Seite 1
paula_f 17.08.2018
1. es gibt nur einen der es lösen kann
Winfried Vahland - ist cool genug um Tesla unaufgeregt erfolgreicher zu machen. Er hat die damals verlustbringende Produktion von VW in China zum Goldesel gemacht bis heute. Alles was er angepackt hat wurde erfolgreich - oder er hat es gar nicht angepackt. Zudem könnte man ihn damit aus einer Verbindung mit Geely herauslocken.
aakez 17.08.2018
2. Ego
Elton Musk hat den Schuss nicht gehört - es geht nicht darum, jemanden zu finden der den Job besser macht als er selbst, sondern jemanden zu du, der EM im Tagesgeschäft und im Produktionsprozess entlastet. Aber sein Ego ist viel zu groß als dass er sich ernsthaft bemüht, Unterstützung ins Haus zu holen. Vielleicht würde ein weniger narzisstischer Chef aber die Stimmung in der Belegschaft heben und zumindest das Arbeitsklima verbessern. Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf her...
bakero 17.08.2018
3.
Das Problem Schlafmangel, unruhiger Schlaf und Einschlafstörungen ist tatsächlich für viele Menschen ein großes und belastendes Problem. Wenn die "Lösung" dann aber ein derart gefährliches Schlafmittel wie "Ambien" ist, wird das Problem erst richtig groß. Vielleicht, zumindest der Versuch wäre es wert gewesen, wäre ein natürliches Schlafmittel wie Cannabis (mit hohem CBD-Anteil!) die bessere Variante gewesen. In großen Teilen der USA ist dieser Versuch sogar vollkommen legal.
Referendumm 17.08.2018
4. So wird gezockt
"Der von Musks Tweet verursachte Kurssprung hat für Tesla nach Angaben der "NZZ" zudem einen angenehmen Nebeneffekt: Laut Analysten kann das Unternehmen nun Wandelanleihen mit einem Volumen von mehr als 2 Milliarden Dollar bedienen, da der Wandlungspreis durch die Kursrally überschritten wurde. Die Wandlungsoption auszuüben, wäre laut NZZ eine deutliche finanzielle Entlastung für den hoch verschuldeten Elektroautobauer." sehr guter Beitrag dazu und zum "geplanten" Delisting: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/autoindustrie/tesla-fragen-und-risiken-zum-boersenrueckzug-und-delisting-von-tesla-a-1222210.html Tja, dumm nur dass nun die SEC das Ganze untersucht. Dass die Egotrips eines E. Musk völlig kontraproduktiv sind, haben auch die Tesla-Investoren mehr als einmal festgestellt. Warum wird dieser Spinner nicht endlich abgesetzt und Profis übernehmen endlich den ganzen Quatsch? Vielleicht wird dann ja was draus. Und ob die Saudis da groß einsteigen wollen, ist auch fraglich. Wer verbrennt gerne massenhaft Geld - derzeit rund 5.000,- US$ / Sekunde bei Tesla? Hinzu kommt: Neben den etablierten Autofirmen gibt es zahlreiche Tesla-Konkurrenten wie Thunder Power, Byton, Faraday Future, Rimac, Fisker bzw. Karma Automotive und nun auch die Marke Gyon (Investor hinter der Neugründung ist der chinesische Elektroauto-Hersteller Sitech Electric Automobile). Und dann kommt auch noch Evelozcity, hinter der die Ex-Auto-Topmanager Stefan Krause, Ulrich Kranz (Ex-BMW i3) und Karl-Thomas Neumann (Ex-Opel-Chef) stecken. Na, dann viel Spaß Fa. Tesla in diesem bunten Reigen ...
flyyy 17.08.2018
5. Läuft doch alles
Das viele Geschreibsel um die vielen "Produktionsprobleme" ist doch lächerlich. Letztlich hat sich der Anlauf "nur" um 6 Monate verschoben. Tesla baut doch jetzt seine 5k/Woche Model 3 (laut Bloomberg-Tracker) und dazu 1k Model S und 1k Model X. Tesla baut damit die die meisten Elektroautos pro Woche weltweit und von dem Thron sollen sie erstmal wieder gestoßen werden. Wenn man sich die ersten Modelle von Jaguar, Mercedes und Audi und deren Produktionsmengen anschaut, dann wird es noch Jahre dauern, bis eine Konkurrenz zum Model 3 da ist, jedenfalls von den Deutschen. Von daher: Jede schlechte Nachricht zu Tesla kann man eigentlich nur dahingehend nutzen ein paar Tesla-Aktien zu kaufen bevor der Kurs noch weiter nach oben geht.
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