Elektroautobauer Tesla fährt Riesenverlust ein - und wird gefeiert

Der Autobauer Tesla hat im dritten Quartal mehr als dreimal so hohe Verluste eingefahren wie vor einem Jahr, doch die Anleger stört das nicht: Die Aktie legte nach zuletzt deutlichen Verlusten um fast neun Prozent zu.

Tesla-Chef Musk: Große Verluste hier, große Gewinne dort
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Tesla-Chef Musk: Große Verluste hier, große Gewinne dort


Der Elektroautobauer Tesla ist weiter in die roten Zahlen abgerutscht - trotzdem reagierten Anleger geradezu euphorisch. Im dritten Quartal stieg der Verlust verglichen mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum von 75 auf 230 Millionen Dollar, wie das Unternehmen mitteilte.

Hohe Kosten für die Marktpremiere des Model X im September und die Entwicklung des für den Massenmarkt geplanten "Model 3" rissen tiefe Löcher in die Bilanz. Der Umsatz stieg indes um zehn Prozent auf 937 Millionen Dollar. Obwohl die Ergebnisse unter den Erwartungen der meisten Analysten lagen, legte die Aktie nachbörslich um fast neun Prozent zu. In den vergangenen drei Monaten war der Kurs allerdings um 22 Prozent gefallen.

"Es wird niemand mehr ein Auto ohne Autopilot kaufen"

Grund für die Euphorie der Anleger dürfte der stabile Geschäftsausblick sein. Tesla geht davon aus, im vierten Quartal zwischen 17.000 und 19.000 Fahrzeuge an Kunden zu liefern. Die Auslieferungen legten im abgelaufenen Quartal um fast 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal zu. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres hat die Firma 33.140 Wagen auf die Straße gebracht. Als neues Jahresziel gab Tesla 50.000 bis 52.000 aus.

Der schillernde Vorstandschef Elon Musk stellte zudem Jason Wheeler als neuen Finanzchef vor, der die vergangenen 13 Jahre für Google arbeitete. Wheeler ersetzt Deepak Ahuja, dessen Rückzugspläne Tesla im Juni bekannt gemacht hatte. Tesla kündigte zudem an, das "Model 3" - das erste Modell des Unternehmens, das für die breitere Bevölkerung erschwinglich sein soll - Ende März 2016 zu präsentieren. Darüber hinaus wurden keine konkreten Angaben zum Zeitplan bis zur Marktpremiere gemacht.

In einem Interview mit dem SPIEGEL hatte Musk Ende 2014 prophezeit, dass in drei Jahren fahrerlose Autos über unsere Straßen rollen werden. "In Zukunft wird niemand mehr ein Auto ohne Autopilot kaufen wollen. Das wird sehr schnell ganz normal werden."


Anmerkung: In einer früheren Version dieser Meldung hieß es, der Verlust bei Tesla sei "um 210 Millionen gestiegen". Er stieg aber auf 230 Millionen Dollar. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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insgesamt 173 Beiträge
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BellSouth 04.11.2015
1. Veritas
Wer allen ernstes glaubt mit einem Elektroauto die Welt verbessern zu können indem er Strom "tankt" welche aus Braunkohle gewonnen wurde, der ist ein Narr! Es sollte sich jeder mal fragen warum die Politik dieses Thema wenn überhaupt nur halbherzig unterstützt; denn wodurch wollen unsere Steuervergeuder-Politiker die fehlenden Einnahmen aus der Mineralölsteuer kompensieren? Und diese Einnahmen sind extrem, sodas sie jede aber auch jede Instandhaltung und weitere Ausbauten von Infrastrukturen infrage stellen! Deshalb ist und wird TESLA nur eine Eintagsfliege sein und wenn sie nochsoviele Träumer von Google etc. einkaufen. Der VW-Skandal wird eins sehr positiv bewirken, dass jetzt ALLE aber auch ALLE inkl. POLITIK sich über das Thema sauber Alternativantriebe Gedanken machen müssen! Dieses machen uns zur Zeit leider nur Honda und TOYOTA vor!
dave_t 04.11.2015
2. Irrationale Aktionäre
Die Euphorie um Tesla ist schwer nachvollziehbar. Sicher baut die Firma faszinierende Sportwagen - aber heute und in absehbarer Zeit sind das Spielzeuge für die oberen 1% die sich damit ein angeblich ökologisch sinnvolles Sportauto gönnen können, und dafür über Systemmängel wie mindestens halbstündige Tankstops (Tesla-Euphemismus hier ist "Supercharge") hinwegsehen. Das Problem der Massenmobilität wird durch Tesla nicht gelöst. Stattdessen werden marktgängige Features wie lane assist und adaptive Geschwindigkeitsregelung als "Autopilot" hochgejazzt und von euphorisierten und geradezu sektengleich gehirngewaschenen Aktionären begeistert abgefeiert. Nochmal: Als Technologieträger ist Tesla faszinierend. Als Automobilhersteller ist es ein erfolgreicher Nischenanbieter, wie meinetwegen Ferrari. Aber als Aktie droht Tesla zur South Sea Company der Elektromobilität zu werden.
f.gallo 04.11.2015
3. Es wird Zeit für Straftzoll...
Jeder Tesla müsste von der EU mit 4400€ Strafzoll belegt werden, das ist genau die Summe die Tesla an jeden Auto Verlust macht. kassieren sie heftig Förderung in den USA. Das Land das den Anderen immer Subventionsbetrug vorwirft...
2cv 04.11.2015
4. Achtung - EV Fahren billigst möglich!
Bei aller Euphorie für Tesla - wer heute billig EV (Electric Vehicle), und zwar vollelektrisch, kein Plug-In Hybrid fahren will, sollte mal schleunigst zu Peugeot und Citroën schauen - Peugeot Ion und Citroen C-Zero wurden 8.000 Euro günstiger und stehen mit 17.850 Euro in der Preisliste der Hersteller! Günstiger kann man nicht elektrisch fahren....
Kulifumpen 04.11.2015
5.
Zitat von BellSouthWer allen ernstes glaubt mit einem Elektroauto die Welt verbessern zu können indem er Strom "tankt" welche aus Braunkohle gewonnen wurde, der ist ein Narr! Es sollte sich jeder mal fragen warum die Politik dieses Thema wenn überhaupt nur halbherzig unterstützt; denn wodurch wollen unsere Steuervergeuder-Politiker die fehlenden Einnahmen aus der Mineralölsteuer kompensieren? Und diese Einnahmen sind extrem, sodas sie jede aber auch jede Instandhaltung und weitere Ausbauten von Infrastrukturen infrage stellen! Deshalb ist und wird TESLA nur eine Eintagsfliege sein und wenn sie nochsoviele Träumer von Google etc. einkaufen. Der VW-Skandal wird eins sehr positiv bewirken, dass jetzt ALLE aber auch ALLE inkl. POLITIK sich über das Thema sauber Alternativantriebe Gedanken machen müssen! Dieses machen uns zur Zeit leider nur Honda und TOYOTA vor!
Wenn man Ihrer Logik folgt, müsste es ja weltweit eine Mineralölsteuer geben oder meinen Sie etwa, dass die Deutschen Lobbyisten so viel Einfluss haben den weltweiten Elektronikfahrzeugmarkt zu kontrollieren? So lange man mit Benzin+Diesel so viel Geld verdienen kann, wieso sollte man dann Elektrofahrzeuge hofieren? Die Mineralölsteuer ist da nur ein kleiner Aspekt in einem Land das keinen interessiert außer uns selbst.
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