Elektroauto-Pionier Wie Elon Musk Tesla von der Börse nehmen könnte

Elon Musk bringt die Finanzwelt in Wallung: Der Tesla-Chef will den E-Auto-Konzern von den Aktionären zurückkaufen. Kann der Plan funktionieren?

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Mit einem einzigen kurzen Tweet schockierte Elon Musk am Dienstag die Wall Street: "Erwäge Tesla für 420 Dollar zu privatisieren", schrieb der Vorstandschef des US-Elektroautoherstellers an seine 22,3 Millionen Twitter-Follower. "Finanzierung gesichert."

Aber Privatisieren? Wie geht das überhaupt? Und welche Folgen hätte solch ein Schritt für den Konzern? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Welche Vorteile hätte eine Privatisierung?

Glaubt man Elon Musk, hat er mit Tesla kein geringeres Ziel, als den automobilen Antrieb zu revolutionieren und die Menschheit zu retten. Kurzfristige Gewinninteressen der Investoren an der Wall Street stören Musk bei dieser Mission immer wieder. Schon oft sackte der Tesla-Aktienkurs deutlich ab, wenn das Unternehmen wieder mal ein Produktionsziel verpasste. Das nervt Musk seit Jahren kolossal.

"Mit einem Rückzug von der Börse könnte sich Musk Ruhe kaufen. Er müsste sich nicht mehr länger von den Investoren verprügeln lassen", sagt Hendrik Leber, Chef der Frankfurter Fondsgesellschaft Acatis.

Bei einer Privatisierung wäre es mit dem Druck der renditehungrigen Wall-Street-Investoren mit einem Schlag vorbei. Musk könnte mit seinem Unternehmen im Verborgenen machen, was er will. Als privat geführtes Unternehmen müsste Tesla etwa keine Quartalszahlen, keine Produktionsangaben und keine Vergütungszahlen von Führungskräften mehr preisgeben.

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Musk wäre dann allein seinen privat investierenden Anteilseignern verpflichtet, die einen langen Atem mitbringen und das unerschütterliche Vertrauen haben, dass der Tesla-Chef irgendwann seine Vision realisieren kann.

Auch könnte Musk auf diesem Weg Attacken von Spekulanten entgehen, die immer wieder auf einen Kursverfall von Tesla wetten und damit das Unternehmen weiter unter Druck setzen.

Insider vermuten, dass Musk deshalb auch den Tweet mit dem Privatisierungsvorschlag absetzte: Er wollte offenbar Spekulanten vertreiben. Denn nach der Nachricht stieg der Kurs der Tesla-Aktie kräftig an. Mit der Folge, dass viele Zocker, die auf einen fallenden Kurs gesetzt hatten, Millionen von Dollar verloren.

Wie könnte Musks Plan funktionieren?

Firmengründer Musk selbst hält immer noch rund 20 Prozent an Tesla, die übrigen Anteile sind zum Großteil im Besitz von institutionellen Fondsgesellschaften wie T. Rowe Price, Baillie Gifford und Vanguard, der Rest verteilt sich auf Privatpersonen.

* darunter T. Rowe Price, Baillie Gifford, Vanguard

Um Tesla von der Börse zu nehmen, müsste Musk all diesen Aktionären ihre Aktien abkaufen - dann wäre er alleiniger Eigner seines Imperiums. Musk selbst schlug in seinem Tweet einen Preis von 420 Dollar je Aktie vor. Bei diesem Preis müsste Musk laut Finanzkreisen insgesamt einen Betrag von 60 bis 70 Milliarden Dollar aufbringen, um Tesla von der Börse zu nehmen. "Das wäre eine gigantische Summe, die er niemals allein stemmen könnte", sagt Daniel Kröger, Fondsmanager bei Ehrke & Lübberstedt AG.

Der Tesla-Chef müsste also externe Geldgeber organisieren, die ihn bei der Finanzierung dieses Mega-Buyouts unterstützen und im Gegenzug dafür Anteile erhalten würden. Experten halten es aber für ausgeschlossen, dass amerikanische Banken oder Fondsgesellschaften Kredite an Musk vergeben, um die Übernahme zu finanzieren. "Keine Wall-Street-Bank wird so viel Geld für solch eine waghalsige Unternehmung bereitstellen", sagt Kröger.

Elon Musk
REUTERS

Elon Musk

Denn bis heute verbrennt Tesla mehr Geld, als es einnimmt.

Doch es gibt Hoffnung für Musk: Gerade erst stieg offenbar Saudi-Arabiens Staatsfonds PIF mit einer milliardenschweren Beteiligung ein. "Das wäre ein finanzstarker Partner, der solch eine Übernahme locker stemmen könnte", sagt Leber. Für die Saudis, die dank ihrer Öleinnahmen auf Billionen von Dollar sitzen, könnte ein langfristiger Einstieg im großen Stil bei Tesla Sinn machen. "Die Saudis suchen nach geeigneten Anlagemöglichkeiten, um sich für die Zeit nach dem Ölzeitalter aufzustellen. Ein langfristiges Engagement bei Tesla wäre für sie strategisch enorm bedeutend", sagt Leber. Und im Gegensatz zu amerikanischen Fondsgesellschaften sind sie kaum kurzfristigen Renditezielen unterworfen. "Die haben einen extrem langen Atem", sagt Leber.

Doch selbst wenn Musk einen starken Partner finden sollte, müsste er erst einmal seinen jetzigen Aktionären den Verkauf ihrer Anteile schmackhaft machen. Solange sie sein Angebot ablehnen, bleibt Tesla an der Börse.

Der Frankfurter Fondsmanager Leber, der für seine Kunden rund eine Viertelmillion Euro in Tesla investiert hat, würde das Angebot sofort annehmen: "Die Aktie ist keine 420 Dollar wert." In einem anderen Fonds, den er verwaltet, wettet er gegen die Tesla-Aktie.

Gibt es Beispiele für gelungene Privatisierungen?

Musk wäre mit seinem kühnen Plan nicht der erste Manager, der sich sein Unternehmen zurückkauft. Bereits im Jahr 2013 kaufte Michael Dell in einer spektakulären Aktion den von ihm in den Achtzigerjahren gegründeten PC-Hersteller Dell gemeinsam mit der Risikokapitalfirma Silver Lake zurück und nahm das Unternehmen von der Börse.

Der Plan ging auf: Dell, der sich ähnlich wie Musk nie wirklich mit der Anspruchshaltung seiner Aktionäre anfreunden konnte, übernahm das Ruder und baute den muffigen PC-Hersteller zu einem wachstumsstarken IT-Konzern um. Jüngst kündigte Dell die Rückkehr an die Börse an, um frisches Geld einzusammeln. Dieses Mal wird Michael Dell aber Mehrheitsaktionär bleiben und damit die Kontrolle über sein Unternehmen behalten.

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Der Fall Dell ist aber nur bedingt mit Tesla vergleichbar. Einerseits betrug das damalige Übernahmevolumen nur 25 Milliarden Dollar, andererseits war Dell im Gegensatz zu Tesla jahrelang ein hochprofitables Unternehmen. Michael Dell hatte es also viel einfacher, Investoren von seinem Privatisierungsplan zu überzeugen.



insgesamt 64 Beiträge
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Seite 1
zeichenkette 08.08.2018
1. Mal eine Bitte
Wäre es zuviel verlangt, in solchen Artikeln zumindest mal auf die Quelle zu verlinken, so dass man auch einfach erst mal lesen kann, was Musk tatsächlich gesagt hat, bevor man sich stattdessen die Meinung eines Artikelautors zu eigen machen soll? In diesem Fall wäre das https://www.tesla.com/blog/taking-tesla-private Dort steht nämlich auch, dass Musk eben nicht einfach alle Aktien zurückkaufen will. Das ist nur das Angebot für die, die rauswollen. Die anderen Anteilseigner (auch die Tesla-Mitarbeiter, die alle Aktien haben) können dann mit ihrem Geld als private Investoren dabeibleiben, so wie bei SpaceX. Verkaufen (und kaufen) können sie dann immer noch halbjährlich, aber der Druck von vierteljährlichen Erfolgsmeldungen und die tobende Spekulation mit Aktien auf dem öffentlichen Markt wäre damit weg und Tesla könnte langfristig arbeiten anstatt immer nur den Aktienmob ruhig zu stellen. Man kann sich ja gerne darüber streiten, wie das gehen soll und ob das sinnvoll ist, aber vorher sollte man ruhig mal nachlesen, wie Musk sich das vorstellt und warum.
Andreas Kah 08.08.2018
2. Tesla ist längst pleite
Wer Autos bauen will, sollte viel von Technik verstehen. Und nicht "die Welt retten wollen". Denn das geht mit Sicherheit schief. Knackpunkt der Elektromobilität ist einzig und allein die Batterie. Hier wird bereits seit 120 Jahren nach neuen Möglichkeiten gesucht. Mag sein, dass Tesla Wind in die weitere Suche geblasen hat, doch als Hersteller lebt die Firma von ihrem Image. Und der Show, die ein Elon Musk bietet, um so zu tun, als wäre sein Ding ähnlich sexy wie all der Internet-App-Krampf, mit dem sonst die Kohle geschaufelt wird. Tesla stellt aber Hardware her, das merkt bloß kaum einer. Dafür muss man dann wohl tatsächlich die Welt retten wollen ...
hnoi 08.08.2018
3. Wenn man ...
den ersten Artikel, der gleich unter diesem angezeigt wird, gelesen hätte, dann hätte man sogar den Original-Tweet gelesen: Am considering taking Tesla private at $420. Funding secured.
christianu 08.08.2018
4. Elon Musk wird scheitern
Die Verdienste um die Elektromobilität sind unbestritten groß, aber er ist nicht in der Lage, die Ideen industriell umzusetzen. Die Liefertreue ist weit verfehlt und die Qualität völlig unzureichend. Um diese Umstände zu kaschieren, wird in schöner Regelmäßigkeit ein neues Wunderwerk angekündigt, ohne Kenntnis der Geschäfte. Banken müssten ihm zum Rückzug von der Börse hohe zweistellige Milliardensummen leihen. Dafür sehe ich keinerlei Grundlage.
Robert Fridolin 08.08.2018
5. Quartalsberichte
Müssen nach Securities Exchange Act Sec. 12 bei einem Aktienwert >10 Mio $ und mehr als 2000 Teilhabern nicht dennoch quartalsweise Finanzinformationen im Form 10-Q veröffentlich werden?
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