Teure Kreditversicherungen Pleiteangst bringt Banken in Bedrängnis

Die Gefahr einer neuen Bankenkrise wächst: Kreditausfallversicherungen für europäische Institute sind teurer als nach dem Crash des US-Geldhauses Lehman Brothers. Finanzminister Schäuble und seine Kollegen aus der Euro-Zone wollen nun konkrete Schritte vereinbaren, um neues Unheil abzuwenden.

Banken-Skyline in Frankfurt: Wachsende Angst vor einem neuen Crash
DPA

Banken-Skyline in Frankfurt: Wachsende Angst vor einem neuen Crash


Hamburg - Europas Banken geraten immer stärker in den Strudel der EU-Schuldenkrise: Laut einem Bericht der britischen "Financial Times" sind die Preise für Kreditausfallversicherungen im europäischen Bankensektor bedenklich gestiegen. Der entsprechende Index iTraxx, der die Pleiterisiken von Kredithäusern in der Euro-Zone abbildet, ist demnach im September auf ein Rekordhoch gestiegen. Er lag weit über dem Niveau nach dem Crash der US-Investmentbank Lehman Brothers.

Mit Kreditausfallversicherungen (CDS) sichern sich Geldgeber gegen mögliche Pleiten des Kreditnehmers ab. Je höher das Bankrottrisiko eingeschätzt wird, desto teurer ist die Versicherung. Gleichzeitig schüren steigende CDS-Preise neue Ängste um die Kreditwürdigkeit der betroffenen Unternehmen - was zu einem erneuten Preisanstieg führen kann. Spekulanten können sich diesen Mechanismus zunutze machen: Wächst die Pleiteangst, können sie CDS-Papiere zu immer höheren Preisen verkaufen.

Im europäischen Bankensektor ist die Angst inzwischen groß, dass Institute erhebliche Probleme bekommen. Immer neue Negativnachrichten trieben den iTraxx am Dienstag zeitweise auf 650 Basispunkte. Nach der Lehman-Pleite war der Index maximal auf knapp 400 Basispunkte gestiegen. Mit jedem Basispunkt steigt der Preis für die Versicherung eines Zehn-Millionen-Euro-Kredits um 1000 Euro.

Hintergrund: Anleger sorgen sich, dass den Banken durch die Schuldenkrisen in EU-Ländern wie Griechenland, Portugal und Italien Milliardenausfälle entstehen. Im Falle einer griechischen Staatspleite, für die EU-Minister bereits Planspiele anstellen, wären die Verluste für Europas Institute gewaltig.

Schäuble warnt vor Bankenkrise

Zuletzt war die französisch-belgische Bank Dexia in Turbulenzen geraten; ihr werden Liquiditätsprobleme nachgesagt. Die Bank hat französischen Gebietskörperschaften hohe Darlehen gewährt und rund 95 Milliarden Euro in risikoreiche Wertpapiere investiert. Nachdem die Rating-Agentur Moody's Dexia mit einer Herabstufung gedroht hatte, brach der Börsenkurs des Instituts am Dienstag zeitweise um 40 Prozent ein. Die belgische Regierung will nun eine sogenannte Bad Bank schaffen, in der Dexia problematische Kredite so lange parken kann, bis das Institut wieder flüssig ist oder sich die Lage an den Märkten bessert.

Selbst den deutschen Branchenprimus, die Deutsche Bank, treffen die Turbulenzen an den Kapitalmärkten immer härter. Vorstandschef Josef Ackermann räumte am Dienstag ein, den angepeilten Rekordgewinn nicht zu erreichen; sogar Stellen sollen gestrichen werden. Die Börse reagierte schockiert, die Aktie sackte ab.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) warnte am Dienstag vor einer europäischen Bankenkrise. Die große Sorge sei, dass die "beunruhigenden Entwicklungen an den Finanzmärkten in einer Bankenkrise eskalieren" würden, sagte der CDU-Politiker nach dem Treffen der Euro-Finanzminister in Luxemburg. Die Minister hätten daher intensiv über die Lage im Bankensektor diskutiert. Schäuble sagte, es sei vereinbart worden, dass alle Finanzminister beim kommenden Treffen über die Verfassung ihrer Banken und ihre Schritte zur Abwendung einer Krise berichten sollen. Es gelte zu vermeiden, dass die Krise sich über den Bankensektor noch weiter ausweite.

EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte in einem Interview mit der "Financial Times", die EU-Finanzminister dächten über einen "koordinierten" Plan zur Rekapitalisierung der Banken nach. "Die Kapitalausstattung der europäischen Banken muss verbessert werden", sagte Rehn. Damit könne die anhaltende Unsicherheit reduziert werden.

Das sollte ein wesentlicher Teil der umfassenden EU-Strategie sein, um Vertrauen wieder herzustellen und die Krise zu überwinden. Unter Berufung auf EU-Kreise schreibt das Blatt, dass die Finanzminister bei ihrer Tagung am Dienstag eingesehen hätten, dass sie bisher nicht genug getan hätten, um die Finanzmärkte davon zu überzeugen, dass die europäischen Banken der Schuldenkrise standhalten können.

Die Hoffnung auf neue Bankenhilfen gab dem Dax am Mittwoch Auftrieb. Er legte in den ersten Handelsminuten deutlich zu.

ssu/AFP/dpa



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insgesamt 239 Beiträge
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Seite 1
farview 05.10.2011
1. .
Immer wenn man diesen Satz liest: "Finanzminister Schäuble verspricht Maßnahmen in der gesamten Euro-Zone" kann man sich ausmalen, was das für den deutschen Bürger im Allgemeinen und Steuerzahler im Speziellen bedeutet......
wilde Socke 05.10.2011
2. Money-Boarding
Vielleicht ein Razzia in diversen Banken? Ein Lager für Banker und andere Wirtschaftkriminelle, wo sie eine Weile weggesperrt bleiben und keinen Schaden mehr anrichten können, ähnlich Guantanomo? Das wäre schön. Gerne mit "Money-Boarding": 1-Cent-Stücke in den Hals schütten, den sie nicht voll kriegen können.
Hipster 05.10.2011
3. lol
Zitat von sysopDie Gefahr einer neuen Bankenkrise wächst: Kreditausfallversicherungen für europäische Institute sind mittlerweile teurer als nach dem Crash des US-Geldhauses Lehman Brothers.*Finanzminister Schäuble verspricht Maßnahmen in der gesamten Euro-Zone, um*neues Unheil*abzuwenden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,789944,00.html
... und die Aktienkurse kümmern sich zum Glück nicht darum, was SPON schreibt :-)
Maynemeinung 05.10.2011
4. Treffsicher die falsche Überschrift
Erste Notierung der Deutschen Bank heute morgen: plus 5,44%
Hook_ 05.10.2011
5. ...
"Märkte nehmen Europas Banken in die Zange" Märkte nehmen Europas Demokratie in die Zange?
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