Teure Lebensmittel: Wie Anleger auf die steigende Inflation reagieren

Von manager-magazin.de-Redakteur Christoph Rottwilm

Die steigende Inflation kostet Sparer bares Geld, denn der durch Notenbanken gedrückte Realzins fällt weiter. Wer Rendite sucht, muss das Risiko steigern.

Hamburg - Butter plus 30 Prozent, Kartoffeln plus 44 Prozent, Strom plus 12 Prozent: Die Preissteigerungen in vielen Bereichen des täglichen Lebens dürften zahlreichen Menschen bereits Sorgen bereiten. Die amtliche Bestätigung kam in dieser Woche vom Statistischen Bundesamt, das die Inflationsrate für den Juli auf 1,9 Prozent taxierte. So stark war die Geldentwertung in diesem Jahr bislang noch nicht.

Für Geldanleger hat die Inflationsrate eine besondere Signalwirkung. Denn wer wissen will, welche Rendite seine Investments wirklich bringen, muss aus der nominalen Wertentwicklung die Geldentwertung herausrechnen.

Das Ergebnis fällt im aktuellen Niedrigzinsumfeld ernüchternd aus: Viele festverzinsliche Anlageangebote - seien es Festgeld, Tagesgeld oder bundesdeutsche Staatsanleihen - bringen momentan eine Verzinsung unterhalb der Inflationsrate. Dieser sogenannte negative Realzins führt dazu, dass das Vermögen der Anleger de facto schrumpft - trotz eines positiven Zinssatzes.

Damit nicht genug. Auch auf andere Bereiche der Vermögensbildung und Vorsorge wirkt sich das Zinstief aus. Lebensversicherer beispielsweise haben Mühe, das versprochene Leistungsniveau für ihre Kunden zu halten. So kommt es häufiger vor, dass Policen gekündigt werden, weil die Versicherten anderswo bessere Renditechancen vermuten. Zudem geraten Experten zufolge auch Betriebsrenten unter Druck.

Schleichende Enteignung kostet Milliarden

Die Postbank Chart zeigen hat errechnet, dass das Vermögen, das die Deutschen bei Banken und Sparkassen angelegt haben, durch die schleichende Enteignung via Niedrigzinsen allein im laufenden Jahr 14 Milliarden Euro an Wert verliert. Im kommenden Jahr, so das Institut, könnten sogar 21 Milliarden Euro verloren gehen.

Die Krux: Ein Ende dieser Entwicklung ist kaum abzusehen. Auslöser des Zinstiefs sind die Zentralbanken, die rund um den Globus die Leitzinsen niedrig halten und die Märkte zudem mit massenhaft Liquidität fluten. Gleichzeitig drohen die Notenbanken mit dieser Vorgehensweise die Inflation zusätzlich anzutreiben.

Zwar gab es in den USA bereits Anzeichen, dass die ultralockere Geldpolitik der dortigen Notenbank Fed allmählich zurückgefahren werden könnte. In Europa sitzt jedoch die Europäische Zentralbank (EZB) am Ruder, und deren Präsident Mario Draghi machte bislang bei jeder Gelegenheit klar, dass an ein Ende der Niedrigzinspolitik derzeit nicht zu denken sei.

Auch die jüngsten Konjunkturdaten dürften daran nicht viel ändern. In dieser Woche kam die Meldung, dass die Euro-Zone nach anderthalb Jahren erstmals die Rezession hinter sich gelassen hat. Zugpferde dafür waren jedoch vor allem Deutschland und Frankreich. Die wirtschaftlichen Probleme im Süden des Kontinents dagegen, in Griechenland, Italien, Spanien und Portugal, wiegen nach wie vor schwer.

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