Teurer Crash Börsenpanik vernichtet 2,5 Billionen Dollar

An den weltweiten Aktienmärkten herrscht Panik: Die Börsenkurse brechen ein, Experten warnen vor einer neuen Rezession. Die Verluste für Anleger betragen mittlerweile bereits 2,5 Billionen Dollar. 

Händler an der New York Stock Exchange: Panikartige Verkäufe an den Aktienmärkten
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Händler an der New York Stock Exchange: Panikartige Verkäufe an den Aktienmärkten


Frankfurt am Main - Der Kursrutsch an den internationalen Aktienmärkten macht Anleger weltweit um mehrere Billionen Dollar ärmer: Der Börsenwert aller im MSCI World Index gelisteten Unternehmen verringerte sich in der laufenden Woche um 2,5 Billionen Dollar. Das entspricht in etwa der Wirtschaftsleistung Frankreichs.

Im MSCI-Index spiegelt sich die Entwicklung der wichtigsten Unternehmen weltweit. Der Index fiel am Freitag auf ein Acht-Monats-Tief von 1189,09 Punkten und notierte damit knapp neun Prozent unter seinem Vorwochenschluss.

Die im S&P 500 gelisteten US-Unternehmen büßten im gleichen Zeitraum mehr als 840 Milliarden Dollar, der Börsenwert des MSCI Europe verringerte sich um gut 817 Milliarden Dollar. Dies entspricht in etwa der zusammengerechneten Wirtschaftsleistung der Schweiz und Dänemarks.

Der Crash, bei dem am Donnerstag der Dow Jones so schnell abgestürzt war wie zuletzt auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008, setzt sich auch am Freitag fort. Weltweit brachen die Börsenkurse ein: In Tokio verlor der Nikkei 3,7 Prozent. Die Börse in Hongkong fiel sogar um 4,7 Prozent, die Aktien in Shanghai notierten 1,7 Prozent im Minus. Der Markt in Sydney verbuchte ein Minus von 4,0 Prozent, die Börse in Seoul von 3,7 Prozent.

Der Dax Chart zeigen startete am Freitag mit hohen Verlusten, stabilisierte sich bis zum Mittag wieder ein wenig. Die Märkte sind extrem nervös. Bis zur Mittagszeit gab der Leitindex um 2,87 Prozent auf 6231 Punkte nach. Zu den größten Verlierern zählte die Allianz Chart zeigen. Der Versicherer hatte schwächere Zahlen vorgelegt als von Analysten erwartet. Die Aktie verlor zeitweise 4,5 Prozent. Aktuelle Entwicklungen an den Märkten finden Sie im Liveticker.

"Seit gestern Nachmittag ist die Panik messbar. Ob der Boden bereits erreicht ist, wird sich in den nächsten Stunden zeigen", sagte Marktanalyst Christoph Schmidt vom Vermögensverwalter N.M.F. AG. Der am Nachmittag anstehende US-Arbeitsmarktbericht könnte für neue Abwärtsimpulse sorgen, befürchten einige Marktteilnehmer.

"Das Risiko hat zugenommen"

Nach Ansicht des Kieler Instituts für Weltwirtschaft steuert die globale Wirtschaft auf düstere Zeiten zu. "Im Moment haben wir noch keine Rezession, aber das Risiko hat zugenommen und mit der Schuldenkrise zu tun", sagte der Chefvolkswirt des IfW, Joachim Scheide. "Die Märkte erwarten klare Signale, dass die Haushalte konsolidiert werden."

Die Schuldenkrise sei bisher "überhaupt nicht gelöst", weder in der Euro-Zone, noch in den USA. Deshalb sei die Angst an den Märkten groß, dass es zu einem langfristigen Zinsanstieg komme. "Die Märkte lassen sich jetzt nicht mehr durch schöne Worte beruhigen", betonte Scheide. Es gebe zwar kein Patentrezept zur Lösung der Krise. Vor allem aber müssten die USA einen genauen Plan vorlegen, wie sie langfristig ihren Schuldenberg abbauen wollen.

Die Kurse an der New Yorker Börse waren am Donnerstag auf den niedrigsten Stand seit der Finanzkrise im Jahr 2008 gesunken. Die Stimmung an den Finanzmärkten erinnerte mitunter an die Panik im September und Oktober vor drei Jahren. Der Goldpreis erreichte kurzzeitig einen Rekordwert, während der Ölpreis noch deutlicher fiel als die Werte der Aktien.

Der Dow-Jones-Index der 30 führenden Industriewerte fiel um 512,76 Punkte oder 4,3 Prozent und schloss bei 11.383,68 Zählern. Nach Punkten war dies der neuntgrößte Verlust seit dem Jahr 1900. Die in diesem Jahr erzielten Gewinne waren damit wieder verloren. So hatte der Dow-Jones-Index in den vergangenen zwei Wochen mehr als 1.300 Punkte oder 10,5 Prozent verloren. "Wir sind weiterhin den Sorgen über die Weltwirtschaft ausgesetzt", sagte der Investment-Chefstratege von PNC Financial, Bill Stone.

cte/Reuters/dapd/dpa



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insgesamt 302 Beiträge
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Umbriel 05.08.2011
1. Und wenns nach oben geht
Dann "erzeugt" der Boom 5 Billionen Dollar? Dann ist doch alles gut.
MarkusW77 05.08.2011
2. so wirds gemacht:
Ach kommt Leute, nächste Woche wieder einsteigen, ende des Jahres ist das Spielgeld wieder soviel Wert wie letzte Woche. Who cares? Die einzige Lösung ist eine gerechter Verteilung und die läuft nur über eine höhere Besteuerung der Vermögen und Vermögenden hinaus, so daß nicht mehr soviel Geld gehortet werden kann. Einkommensteuer ab 100.000 € auf 90-95% (Freibetrag auf 20000€ anheben), Kapitaletragssteuer auf 75 % ( bei gleichzeitiger möglichkeit für Investitionsgüter Steuerfrei anzusparen (Rücklagenbildung)) und alles wird gut. Da traut sich nur keiner mehr ran. Jetzt kann man noch langweilig über die genannten Beträge streiten, ob willkürlich aus der Luft gegriffen oder wo die herkommen- bitteschön, setzt eine Expertenkommission ein die für teuer Geld dann auf 94678€ die Einkommensgrenze festlegt und den Prozentsatz auf 78,65% Kapitalertragssteuer, aber die Grundlogik bleibt die gleiche.
eigen 05.08.2011
3. Werte?
---Zitat--- Börsenpanik vernichtet 2,5 Billionen Dollar ---Zitatende--- Heiße Luft ist ganz schön teuer.
willi2007 05.08.2011
4. Kein realer Verlust
Nur wer zum Verkauf unter den Erstehungskosten gezwungen war, hat de facto einen Verlust erlitten. Die meisten haben noch mit einem Gewinn verkauft. Diese Verkäufer sind auf das schnelle Geld aus und wollen nicht bin zum nächsten Höhenflug der Aktien warten. Auf eine Baisse folgt ja bekanntlich eine Hausse. Ob die derzeit geltenden Aktienpreise ihren tatsächlichen Wert widerspiegeln kann ich nicht beurteilen. Mir scheinen sie immer noch zu hoch. Zu viel Spekulation zu wenig Substanz.
Greed 05.08.2011
5. 2,5 Billionen
Vernichtet wurde doch garnichts. Dem ganzen virtuellem Geld steht doch kein Gegenwert gegenüber.
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