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Teurer EnBW-Deal: Landesbank-Studie zeigt, wie sich Mappus verzockte

Die Atom-Kehrtwende der Bundesregierung könnte für Baden-Württemberg teuer werden. Denn vor der Japan-Katastrophe hatte Ministerpräsident Mappus den Stromkonzern EnBW gekauft - die Milliarden könnten nun zum großen Teil futsch sein. Das belegt ausgerechnet eine Studie der landeseigenen LBBW.

Ministerpräsident Stefan Mappus: Geheimes Analystenpapier Zur Großansicht
REUTERS

Ministerpräsident Stefan Mappus: Geheimes Analystenpapier

Hamburg - In Sachen EnBW ist die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in der Regel diskret, ihre Analysten äußern sich kaum öffentlich zu dem Energieversorger. Denn das Land Baden-Württemberg ist bei dem Konzern eingestiegen - und zugleich Eigner der LBBW.

Doch in Wahlkampfzeiten sind Indiskretionen nicht selten - und so gelangte ein vertrauliches LBBW-Analystenpapier an die Öffentlichkeit. Für Stefan Mappus kommt es damit kurz vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg knüppeldick. Laut einer Forsa-Umfrage muss der CDU-Ministerpräsident um seine Wiederwahl bangen. Denn Grüne und SPD liegen mit zusammen 48 Prozent in der Umfrage deutlich vorne. Mappus könnte also dringend gute Nachrichten gebrauchen.

Doch das Gegenteil ist der Fall: Nur wenige Tage vor der Wahl am Sonntag kommt eine Studie zu den Aussichten des Energieversorgers EnBW ans Licht. Die "Stuttgarter Zeitung" berichtete zuerst darüber. Experten der Landesbank LBBW rechneten aus, dass ein rascher Atomausstieg in Deutschland den Konzern wirtschaftlich deutlich schwerer beschädigen würde als die Konkurrenz.

Die Studie ist deshalb so pikant für Mappus, weil er persönlich den Kauf eines 45-Prozent-Anteils an dem Konzern eingefädelt hat. Rund 4,7 Milliarden Euro zahlte Baden-Württemberg. Mappus hatte das Geschäft als sichere Anlage angepriesen - doch die LBBW-Studie fällt durchaus kritisch aus.

Die Analysten rechneten die Folgen der Japan-Katastrophe für den Konzern durch. Demnach droht schlimmstenfalls ein Abschlag von 30 Prozent auf die EnBW Chart zeigen-Aktie, wenn die Regierung die Laufzeitverlängerung für deutsche AKW kassiert, zugleich aber die Brennelementesteuer bleibt. Für die Anteile von E.on Chart zeigen und RWE Chart zeigen berechneten die Experten in diesem Fall nur einen Abschlag von 13 beziehungsweise 14 Prozent.

Sollte es zu diesem Szenario kommen, bedeute dies für den Anteil Baden-Württembergs an EnBW einen Wertverlust von mehr als 1,3 Milliarden Euro, berichtete die Zeitung. Allerdings halten die Analysten ein anderes Szenario für wahrscheinlicher, nämlich dass es bei den längeren Laufzeiten bleibt, die Sicherheitsanforderungen aber erhöht und ältere Meiler abgeschaltet werden. Dies dürfte sich dann für die Versorger "moderat negativ" auswirken, zitierte die Zeitung aus der Studie. Belastend seien unter anderem die Kosten für den Rückbau der Altanlagen. Bei E.on und RWE drohten in diesem Fall Abschläge von vier Prozent, bei EnBW von zwölf Prozent, hieß es demnach.

"Die Studie war nur für bestimmte Kunden gedacht"

Für Mappus kommen die Berechnungen der Analysten höchst ungelegen. Die Opposition verweist gerne auf die Risiken des EnBW-Deals. Denn verliert die EnBW-Aktie an Wert, schadet das dem Haushalt des Landes. Der geplante Wiederverkauf der Anteile könnte zum Verlustgeschäft werden.

Zudem musste das Land eine Bürgschaft über 5,9 Milliarden Euro leisten, um den EnBW-Deal zu finanzieren. Die Zinsen für Anleihen werden aus dem Anteil der EnBW-Dividende beglichen, den Baden-Württemberg erhält. Selbst wenn die EnBW-Dividende um mehr als 30 Prozent sinke, könne man die Zinsen daraus bedienen, antworte die Regierung kürzlich auf eine Anfrage der Grünen im Landtag. Mappus selbst hatte die Diskussion über den Wert der EnBW als "absoluten Quatsch" bezeichnet.

Das LBBW-Papier hätte gar nicht an die Öffentlichkeit kommen sollen. "Die Studie war nur für bestimmte Kunden gedacht", sagte ein Landesbank-Sprecher der "Financial Times Deutschland".

mmq

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insgesamt 82 Beiträge
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1. Vorauseilender Gehorsam der Justiz!
doc 123 24.03.2011
Zitat von sysopDie Atom-Kehrtwende der Bundesregierung könnte für Baden-Württemberg teuer werden. Denn vor der Japan-Katastrophe hatte Ministerpräsident Mappus den Stromkonzern EnBW gekauft - die Milliarden könnten nun zum großen Teil futsch sein. Das belegt ausgerechnet eine Studie der landeseigenen LBBW. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,752925,00.html
Derzeitig hat Mappus ja noch nichts zu befürchten, trotz ganz offensichtlicher Milliarden-Verluste in einem Deal in dem NUR ein Trauzeuge von Mappus sowie die Verkäufer (Franzosen) verdienen konnten und ganz bestimmt nicht das Land Baden-Württemberg. Persilscheine durch die Justiz im Eilverfahren: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.enbw-deal-es-droht-ein-boeses-erwachen.e186d0fa-34f4-4d57-8fb7-56b3dca4b06e.html Wie auch im Fall der Anzeige eines ehemaligen Vorsitzenden Richters am Landgericht zum Schlosspark-Untersuchungsausschuss http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.schlossgarten-kein-verfahren-gegen-mappus.4169ed45-c706-4fbf-a114-6b3611c45c2c.html Offensichtlich alles kein Problem, wenn der gute "Kumpel" Goll zufällig auch noch Justizminister ist. Man kann dabei nur auf den Wechsel in der Politik hoffen, damit nicht nur bei dieser Regierung sondern auch bei der Stuttgarter Staatsanwaltschaft aufgeräumt werden kann.
2. Mappus
mkalus 24.03.2011
Zitat von sysopDie Atom-Kehrtwende der Bundesregierung könnte für Baden-Württemberg teuer werden. Denn vor der Japan-Katastrophe hatte Ministerpräsident Mappus den Stromkonzern EnBW gekauft - die Milliarden könnten nun zum großen Teil futsch sein. Das belegt ausgerechnet eine Studie der landeseigenen LBBW. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,752925,00.html
Mappus muss ja wirklich nicht sonderlich beliebt sein wenn ihm sogar die Stuttgarter Zeitung ein Bein stellt. Das wird ja mal interessant werden.
3. wann lernen Journalisten Zahlen?
duk2500 24.03.2011
Bisher hat sich Mappus nicht verzockt sondern im Gegenteil, für das Land Baden-Württemberg einen Milliardengewinn eingefahren. Die Aktie stieg bei der Übernahme Anfang dezember schlagartig von 35 auf seitdem stabil 41 € und ist um diesen Wert seit Jahresbeginn nur leicht geschwankt. Normalerweise werden an der Börse Zukunftsrisiken im Kurs eingepreist. In diesem Fall gibt es offensichtlich keine. Kann es sein, daß nicht Herr Mappus sich verzockt sondern der Schreiber des Artikels sich vor lauter Wahlkampftaktik sich verrechnet hat? Ist das der gleiche sogenannte Wirtschaftsjournalist der dafür bekannt ist, auch mal Millionen und Millarden zu verwechseln? Wenn hingegen uns unbekannte Insiderinformationen vorliegen, empfehle ich ihm einen schnellen Leerverkauf einer größeren Zahl Aktien auf Termin, er muß dann nicht mehr über ihm ganz offensichtlich unverständliche Themen schreiben.
4. Pech
UnitedEurope 24.03.2011
Ob rationale Gründe oder nur Polemik , aber im Moment kommt alles zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt auf die CDUler zu. Mein Mitleid erregt das zwar nicht, aber ein schöner Treppenwitz der Geschichte, dass gerade die Atomkraft die CDU stürzt.
5. das sollte man wissen
tomymind, 24.03.2011
Interessant ist das Morgan Stanley, die Bank die den Deal einfädelte, im September 2010 von dem Einstieg in deutsche Energieunternehmen abrät. Der Bruder vom EDF-Chef, ist Chef von Morgan Stanley Frankreich. Verdient haben: EDF, Frankreich und Morgan Sanley. Verloren: Baden-Württemberg Und "unser" nichtgewählter MP Mappus hat einen ruhenden Arbeitsvertrag mit Siemens. Frage: Wer kriegt Aufträge von der ENBW und der Bahn?
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