Teures Netzwerk: Investoren fürchten Facebook-Blase

Der Hype um Facebook wird langsam unheimlich: Laut einem Agenturbericht will eine große Aktionärsgruppe ihre Anteile an dem sozialen Netzwerk jetzt abstoßen, das Unternehmen könnte überbewertet sein. Die Aufregung weckt Erinnerungen an den Dotcom-Crash zur Jahrtausendwende.

Angesagte Tech-Firmen: Was zieht wirklich? Fotos
AFP

New York - Der Wert von Facebook wird auf 50 bis 80 Milliarden Dollar taxiert - aber ist die Einschätzung gerechtfertigt? Offenbar gibt es erste Zweifel. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, werden einige Anteilseigner nervös. Ihre Sorge: Das Unternehmen könnte überbewertet sein. Eine Gruppe von Aktionären wolle Dividendenpapiere des weltweit größten Online-Netzwerkes schleunigst loswerden, schreibt die Agentur.

Das Aktienpaket, um das es gehe, sei gewaltig, berichtet Reuters unter Berufung auf fünf Insider. Die Investoren verlangten dafür rund eine Milliarde Dollar. Der Wert des US-Unternehmens würde demnach auf mehr als 70 Milliarden Dollar geschätzt. Die verkaufswilligen Eigner und Mitarbeiter hätten ihre Preisvorstellung bereits gesenkt. Zuvor hätten sie versucht, Aktien zu einem Kurs loszuschlagen, der das Unternehmen mit 90 Milliarden Dollar bewerten würde - es wäre damit höher dotiert als die Mediengiganten News Corp. Chart zeigen und Time Warner Chart zeigen zusammen.

Facebook wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Die Verkaufspläne deuten jedoch darauf hin, dass Investoren vorsichtiger werden. Dass sie sich sorgen, das Wachstum könnte nicht mit der rasch steigenden Marktbewertung schritthalten.

Internetfirmen werden derzeit extrem hoch bewertet - egal ob sie an der Börse notiert sind oder nicht. Das Rabattnetzwerk Groupon etwa wird auf 5,3 Milliarden Dollar geschätzt, der Kurznachrichtendienst Twitter auf zehn Milliarden. Auch vor Deutschland macht der Rausch nicht halt. Anfang der Woche ließen sich Finanzinvestoren die Mehrheit an der Hamburger Online-Spiele-Firma Bigpoint 350 Millionen Dollar kosten.

Angst vor neuer Dotcom-Blase

Der neue Hype in der IT-Branche erinnert an die Zeit des Dotcom-Booms in den späten neunziger Jahren. Damals endete die Immer-mehr-und-immer-größer-Wette im Desaster. Schätzungen zufolge hat der Crash vom 10. März 2000 die Welt fünf Billionen Dollar gekostet - so viel Aktienkapital und Unternehmenswerte sollen in den folgenden eineinhalb Jahren verbrannt worden sein.

Jetzt steigt die Furcht vor einer Neuauflage des Absturzes. Besonders hoch ist derzeit die Bewertung von Facebook. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres verdiente das Unternehmen 355 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 1,2 Milliarden. Der geschätzte Firmenwert, der vor allem eine Wette auf die Wachstumschancen von Facebook ist, liegt schon jetzt um ein Vielfaches höher.

Zu Jahresbeginn hatten die US-Großbank Goldman Sachs und die russische Internetbeteiligungsgruppe Digital Sky Technologies eine halbe Milliarde Dollar in Facebook investiert. Durch das Investment wurde das Unternehmen von Mark Zuckerberg mit 50 Milliarden Dollar bewertet. Kürzlich war der Firmenwert dann auf 80 Milliarden taxiert worden - ein rasanter Anstieg, dem einige Marktbeobachter offenbar nicht mehr so recht trauen.

Inzwischen sind einige Investoren jedenfalls skeptisch. So berichtete Tim Draper, ein bekannter Wagniskapitalgeber, der Agentur Reuters, er habe unlängst versucht, Facebook-Anteile zu kaufen - den Plan dann aber wieder verworfen, da der Kaufpreis unattraktiv hoch gewesen sei. Ein anderer Investor fürchtet, auf seinen Facebook-Anteilen sitzenzubleiben: "Ich mag nichts besitzen, das ich nicht verkaufen kann."

ssu

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insgesamt 60 Beiträge
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1. --
roland.439 28.04.2011
Mit einem Umsatzmultiple von 30 bis 50 ist Facebook faktisch klar überbewertet. Die bewertung zielt klar auf das Wachstum ab, und da muss man sich ja fragen, wie lange das noch so weitergehen kann. Die Zahl der Internetnutzer weltweit wird zwischen 1 und 2 Mrd. Menschen angegeben. Da ist Facebook mit seinen 500 Mio. Nutzern wahrscheinlich bereits sehr nah an dem überhaupt realisierbaren Marktanteil. Da zudem die Hauptmärkte Asien, Nordamerika und Europa bereits erschlossen sind, wird also kein allzu großes Wachstum mehr zu erwarten sein. Meine Erwartung ist, dass Facebook sich erst einmal leicht über dem heutigen Niveau einpendeln wird und dann mit der Weltbevölkerung mitwächst. Trotzdem wird es nicht zu einem platzen ala dotcom kommen. Facebook ist anders als die damaligen Unternehmen in der Lage Geld zu verdienen und benötigt Kredite "nur" um das rasante Wachstum zu vorzufinanzieren. Wenn das einmal ausbleibt wird es auf eigenen Beinen stehen können.
2. x
R Panning 28.04.2011
Zitat von sysopDer Hype um Facebook wird langsam unheimlich: Laut einem Agenturbericht will eine große Aktionärsgruppe ihre Anteile an dem sozialen Netzwerk jetzt abstoßen, das Unternehmen*könnte*überbewertet sein. Die Aufregung weckt Erinnerungen an den Dotcom-Crash zur Jahrtausendwende. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,759479,00.html
"könnte" ??? Natürlich sind die überbewertet, so schnell wie die Bewertung nach oben geschossen ist. Easy come easy go.
3. So fing es 2000 auch an ...
Paul-Merlin 28.04.2011
Zitat von sysopDer Hype um Facebook wird langsam unheimlich: Laut einem Agenturbericht will eine große Aktionärsgruppe ihre Anteile an dem sozialen Netzwerk jetzt abstoßen, das Unternehmen*könnte*überbewertet sein. Die Aufregung weckt Erinnerungen an den Dotcom-Crash zur Jahrtausendwende. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,759479,00.html
zunächst einzelne kritische Stimmen, dann nahezu von heute auf Morgen der Dammbruch. Sicher wird Facebook nicht pleite gehen, dass unterscheidet sie von vielen Dotcom-Unternehmen damals. Für die Anleger sieht es aber anders aus. Der Fantasiepreis wird in sich zusammenstürzen. Verluste von 90 % sind wahrscheinlich - analog wie damals bei der Telekom.
4. Hahaha!
Ästhet 28.04.2011
Facebook und eine Blase? Warum, ist doch nur doppelt soviel Wert wie eine kleine Klitsche namens BASF :D Oh mann, also wer das nicht weiß dem ist doch wohl nicht zu helfen. Grüße von einem Wirtschaftswissenschaftler.
5. Keine Dotcom-Blase
Kulturoptimist 28.04.2011
Facebook ist zwar im Internet eine wichtige, aber nicht die einzige Werbeplattform. Wenn die Blase platzt, selbst wenn alle Anleger heute die Aktien verkaufen, es hängen nur wenige Zuliefererfirmen an dem Unternehmen. Geht Facebook, kommt ein anderes soziales Netzwerk und tritt an dessen Stelle. Aus.
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Soziale Netzwerke
Facebook
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Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach eigenen Angaben hat Facebook 845 Millionen aktive Mitglieder weltweit (Dezember 2011). Mehr zu Facebook auf der Themenseite.
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Google+ ist der Versuch, den sozialen Funktionen von Facebook und Twitter etwas entgegenzusetzen. Das soziale Netzwerk wurde im Juni 2011 gestartet und hat nach Firmenangaben rund 170 Millionen Nutzer (April 2012). Der Funktionsumfang ist rein aus Nutzersicht vergleichbar mit Facebook, Schnittstellen für externe Entwickler sind allerdings eingeschränkt. Google animiert seine Nutzer, das Netzwerk als zentralen Hub für seine Dienste zu nutzen. Mehr zu Google+ auf der Themenseite.
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Der auf kurze Textnachrichten spezilalisierte Dienst Twitter wurde im Juli 2006 gegründet. Populär wurde der Dienst als Verteilnetzwerk für Links, Fotos und Videos. Twitter zählt nach eigenen Angaben mehr als 140 Millionen Nutzer (März 2012). Mehr zu Twitter auf der Themenseite.
Xing
Xing (früher OpenBC) wurde 2003 von Lars Hinrichs gegründet. Nach eigenen Angaben hat Xing über 11,7 Millionen Mitglieder (Stand: Dezember 2011), etwa acht Prozent haben einen kostenpflichtigen Premium Account. Bei Xing geht es vor allem um berufliche Kontaktaufnahme. Mehr zu Xing auf der Themenseite...
StudiVZ
Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess in StudiVZ, später finanzierten es vor allem die Gebrüder Samwer - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und der Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007 übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net nach eigenen Angaben rund 17,4 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2011). Mehr zu StudiVZ auf der Themenseite...
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Im Mai 2005 gegründet, hat das Netzwerk Lokalisten nach eigenen Angaben (Stand Juli 2010) inzwischen 3,6 Millionen Nutzer. Mehr zu Lokalisten bei Wikipedia...
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Das 1996 in Regensburg gegründete Unternehmen Spin betreibt ein eigenes soziales Netzwerk, aber auch integrierte Unter-Communitys mit regionalem Fokus, die mit Partnern vor Ort (Lokalradios vor allem) betrieben werden. Nach eigenen Angaben (Stand Februar 2011) hat Spin.de eine Million aktive Mitglieder. Mehr zu Spin.de bei Wikipedia...
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Wer-kennt-wen wurde von den beiden Studenten Fabian Jager und Patrick Ohler gegründet. Seit Februar 2009 gehört das Netzwerk vollständig RTL Interactiv, die Gründer schieden Ende August 2010 aus. Das Netzwerk hat laut Betreiber über 9,5 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2012). Mehr zu Wer-kennt-wen bei Wikipedia...
MySpace
MySpace war 2006 das populärste soziale Netzwerk in den USA. Ein Jahr zuvor war es von Rupert Murdochs News Corporation gekauft worden. Bekannt wurde es durch die Möglichkeit, Musik einzubinden. Künstler und Bands nutzten die Plattform als Marketingplattform. Zeitweise hatte MySpace mehr als 220 Millionen Nutzer, nach Berechnungen von Google rund 30 Millionen Nutzer (Dezember 2011). Mehr zu MySpace auf der Themenseite...