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Bündnis gegen Ausbeutung: Textilbranche lässt Minister Müller hängen

Entwicklungsminister Gerd Müller will gegen die Ausbeutung von Textilarbeitern im Ausland kämpfen. Das Echo auf seine Initiative ist in der Branche jedoch erschütternd gering. Selbst Greenpeace lehnt eine Mitarbeit ab.

Jeansproduktion in Indien: HDE nennt Ziele unrealistisch Zur Großansicht
DPA

Jeansproduktion in Indien: HDE nennt Ziele unrealistisch

Berlin - Trotz schwacher Resonanz aus der Industrie hat Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sein schon vor Monaten angekündigtes Bündnis gegen die Ausbeutung von Textilarbeitern im Ausland gegründet. Ziel der Initiative, der sich bisher 29 Firmen und Verbände angeschlossen haben, ist es, soziale und ökologische Mindeststandards in der Lieferkette durchzusetzen - vom Baumwollfeld bis zum fertigen Kleidungsstück.

"Geiz ist geil - das kann nicht der Weg sein, nicht für Verbraucher und auch nicht für den Handel", sagte Müller in Berlin. Wer nicht bereit sei, einen Euro mehr für seine Jeans zu bezahlen, trage Mitschuld am elenden Schicksal von Textilarbeitern in Staaten wie Bangladesch und Kambodscha. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, wies sowohl den Unternehmen als auch den Konsumenten eine soziale Verantwortung zu. "Geiz ist nicht geil, Geiz ist dumm", sagte er.

Mehr als die Hälfte der Firmen und Verbände, die Müller für seinen Pakt hatte gewinnen wollten, hatten es abgelehnt, sich dem Bündnis anzuschließen. Sie begründeten das damit, dass sie nicht jeden Produktionsschritt bei ihren Lieferanten und Subunternehmern im Ausland komplett überwachen könnten. Große Verbände wie der Handelsverband Deutschland (HDE) bezeichneten zentrale Punkte des Bündnisses als "unrealistisch".

Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace distanzierte sich von dem Bündnis, weil es kein generelles Verbot für den Einsatz giftiger Chemikalien beinhaltet. Zu den Firmen, die beigetreten sind, gehören etwa der Outdoorbekleidungs-Hersteller Vaude Sport und Hessnatur.

Hintergrund der Initiative Müllers sind eine Reihe schwerer Unglücke in der Textilindustrie in Ländern wie Pakistan und Bangladesch. Für Entsetzen hatte insbesondere der Einsturz des Rana-Plaza-Fabrikkomplexes in Bangladesch gesorgt, bei dem im April 2013 mehr als 1100 Menschen starben.

mik/dpa/AFP

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1. Na ja...
nixkapital 16.10.2014
...die Modeindustrie ist ein hoch-margiges Geschäft. Das Einführen von Standards, die dem universellen Recht des Schutzes der Gesundheit dienen würde oder Kinderarbeit verbietet, würde natürlich die Marge schrumpfen lassen. Nicht Geiz ist Geil sondern Kohle machen ist Geil. Zur Not auf dem Rücken von Kindern oder Erwachsenen, die keine Lobby haben. Als Verbraucher kann ich darauf achten, was ich kaufe, auch wenn ich - nachdem die europäische Textilindustrie in den 80/90iger nachhaltig vernichtet wurde - kaum noch auf ethisch einwandfreie Ware ausweichen kann. Der Hinweis der Industrie, man könne nicht die Standards der Lieferanten überwachen, ist ein Armutszeugnis. Man kann, wenn man will. In anderen Industrien, wie z.B. der Luftfahrtindustrie, sind regelmäßige Prüfungen (Audits) sogar verpflichtend vorgeschrieben.
2. Eigentlich ganz einfach
moe.dahool 16.10.2014
Aber auch nur "eigentlich". Der Konsument braucht lediglich den billigen Mist in den Regalen liegen bzw. an den Ständern hängen zu lassen. Wird er aber nie tun. Die Girlies wollen Ihre Klamotten in der gleichen Taktung wie ihre Unterwäsche wechseln, andere Menschen haben schlicht zu wenig Geld, die dritte Gruppe ist zu geizig. Ich kaufe schon seit vielen Jahren nur hochwertige und zeitlose Klamotten. Dann kostet ein Sakko halt mal 300 Euro, das sieht man aber auch. Ich habe bspw. ein blaues Cordsakko von Daks, das ist fünf Jahre alt und hat damals 500 Euro gekostet. Ich gehe damit zur Arbeit, mit dem Hund in den Wald oder packe auch mal bei meinen Jungs im Lager mit an, das Teil sieht noch heute einwandfrei aus. Zeitlose Mode hat ohnehin viel mehr Stil als wenn man jeden verdammten Trend mit macht. Genauso ist es mit Schuhen. Ein billiger, geklebter Business-Schuh für 100 Euro ist nach sechs Monaten platt, ein hochwertiger, rahmengenähter Schuh aus spanischer Produktion mag das dreifache kosten, hält aber ewig. Letztendlich ist die Entscheidung pro Hochwertig gar nicht sooo viel teurer. Und wer seinen Stil gefunden hat, muss keine Trends mehr mitmachen.
3. Dieser Vergleich hinkt
noalk 16.10.2014
Zitat von nixkapital...die Modeindustrie ist ein hoch-margiges Geschäft. Das Einführen von Standards, die dem universellen Recht des Schutzes der Gesundheit dienen würde oder Kinderarbeit verbietet, würde natürlich die Marge schrumpfen lassen. Nicht Geiz ist Geil sondern Kohle machen ist Geil. Zur Not auf dem Rücken von Kindern oder Erwachsenen, die keine Lobby haben. Als Verbraucher kann ich darauf achten, was ich kaufe, auch wenn ich - nachdem die europäische Textilindustrie in den 80/90iger nachhaltig vernichtet wurde - kaum noch auf ethisch einwandfreie Ware ausweichen kann. Der Hinweis der Industrie, man könne nicht die Standards der Lieferanten überwachen, ist ein Armutszeugnis. Man kann, wenn man will. In anderen Industrien, wie z.B. der Luftfahrtindustrie, sind regelmäßige Prüfungen (Audits) sogar verpflichtend vorgeschrieben.
... und zwar gleich auf zwei Beinen: 1. dienen die Audits ausschließlich der Produktsicherheit. 2. ist die Zahl der betroffenen Luftfahrtbetriebe sehr überschaubar. Zudem glaube ich nicht, dass sich die Mehrheit der Firmen, die sich Müllers "Bündnis" angeschlossen haben, dies aus überwiegend ethischen Gründen getan hat. Ich unterstelle denen schlichte Marketing-Motive.
4. Fragt sich...
hanseulenspygel 16.10.2014
wo das ganze Geld hängen bleibt : zwischen den Hungerlöhnern dort und den Billig- oder auch Luxusklamotten hier. Forbes-Liste anschauen der reichsten Milliardäre ! Sagt ihnen der Name Ortega oder Persson was ?
5. Ausbeutung bis zum bitteren Ende...
grommeck 16.10.2014
erst wenn die armen Massen aufbegehren und ihre Peiniger totschlagen ändert sich etwas. Unser System ist widerlich wie die, die es beherrschen - Konzerne, Politiker und die parasitären Anhängsel der s.g. Upperclass...Tanzen wir weiter um das goldene Kalb Wachstum, schauen wir weiter sinnlose Werbung bis zur restlosen Hirnerweichung, konsumieren wir weiter, weiter, weiter....denn - alles wächst ja ewig...
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