Betrugsverdacht Offenbar neue Ermittlungen gegen Thomas Middelhoff

Vergangenes Jahr erst wurde der ehemalige Topmanager Thomas Middelhoff aus der Haft entlassen. Nun gibt es nach Medienberichten ein neues Verfahren gegen ihn. Vor seiner Insolvenz soll er Millionen beiseitegeschafft haben.

Thomas Middelhoff
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Thomas Middelhoff


Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat offenbar ein neues Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Spitzenmanager Thomas Middelhoff und gegen seinen Rechtsanwalt Hartmut Fromm eingeleitet. Das berichten der WDR und die "Süddeutsche Zeitung" und beziehen sich auf die Staatsanwaltschaft.

Middelhoff soll demnach vor seiner Privatinsolvenz 2015 Millionensummen an eine Firma überwiesen haben, die seiner Frau und seinen Kindern gehörte, und Gläubiger betrogen haben. Fromm soll ihn dabei unterstützt haben. Das habe die Staatsanwaltschaft auf Anfrage bestätigt, berichteten WDR und "Süddeutsche" am Dienstag. Die beiden Beschuldigten bestritten demnach die Vorwürfe. Der SPIEGEL hatte bereits 2015 ausführlich über den Fall berichtet.

Middelhoff, auch "Big T" genannt, zählte zu den deutschen Topmanagern, leitete zwischenzeitlich den Bertelsmann-Konzern und die Karstadt-Mutter Arcandor.

Im November 2014 wurde Middelhoff vom Landgericht Essen wegen Veruntreuung von Konzernvermögen und Steuerhinterziehung zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren verurteilt, die er 2016 antrat. 2017 kam er vorzeitig frei. Parallel zu seiner Haftstrafe musste er sich in weiteren Prozessen verantworten, unter anderem wegen seiner Rolle bei der Arcandor-Insolvenz. Dieser Prozess gegen ihn wurde jedoch vorzeitig eingestellt.

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Thomas Middelhoff: Aufstieg und Fall von Big T

Middelhoff habe dem Bericht zufolge keine Kenntnis von den neuen angeblichen Ermittlungen. Der Vorwurf des Bankrotts sei bereits abschließend durch die Staatsanwaltschaft Bochum geprüft und eingestellt worden, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bielefeld würden seines Erachtens zu demselben Ergebnis führen. Fromm gab ebenfalls an, keine Kenntnis von dem Verfahren zu haben.

Den Recherchen zufolge soll es in dem Fall jedoch neue Hinweise geben. Deshalb habe Middelhoffs Insolvenzverwalter, Thorsten Fuest, Klage beim Landgericht Bielefeld eingereicht. Grundlage der Klage sei ein Gutachten einer Wirtschaftskanzlei, die die Vermögenstransfers Middelhoffs zwischen 2011 und 2015 durchleuchtete.

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pierrotlalune 24.07.2018
1.
Letztendlich habe ich nur daraus gelesen, dass er verurteilt wurde und bereits nach knapp einem Jahr wieder entoassen wurde. JEDER DER DEN FUHRERSCHEIN ABGEBEN MUSSTE, WIRD SCHLIMMER BESTRAFT ALS EIN MILLIONENBETRUUGER ODER STEUERHINTERZIEHER. DOPPELJUSTIZ?
helgeharder 24.07.2018
2. Blödsinn.
Middelhoff wurde zu drei Jahren verurteilt. Von Mai 2016 bis November 2017 war er inhaftiert, außerdem ein knappes halbes Jahr in Untersuchungshaft. Macht 2 Jahre, die abgesessen wurde. Das sitzen alle anderen, die zu ähnlichem Strafmaß verurteilt werden, auch ab. Also nix Doppeljustiz oder sowas.
Nordbayer 24.07.2018
3. Welch eine Überraschung! Ein ...
... hochkrimineller Betrüger hat Millionen vor seine Privatinsolvenz auf die Seite geschafft! In der heutigen digitalen Welt ist es doch ein Klacks alle Geldströme eines Menschen in wenigen Stunden nachzuvollziehen. Wie kann es so lange dauern? In unsere Justiz und Polizei haben ich schon lange jedes Vertrauen verloren, gegen Reiche und Prominente wird geradezu fahrlässig ermittelt, eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Was ich immer ins Spiel bringen muss: Korruption, Korruption! Ich möchte nicht wissen wieviele Polizeibeamte und Richter vom den reichen Betrügern korrumpiert werden und es immer wieder zu geradezu lächerlichen Strafen kommt. Wie sagte einmal der ehemalige Waffenschieber Schreiber in einem Fernsehinterview aus dem Exil in Kanada: Wenn er über Korruption in Deutschland auspacken würde, würde die Republik wackeln. Dem ist nichts hinzuzufügen.
sven2016 24.07.2018
4.
Die Kritik richtete sich wohl gegen die eher mäßige Strafhöhe, gemessen am verursachten Schaden. Und die kann man verstehen. Wenn noch Insolvenztrickserei nachgewiesen werden kann, sollte er das komplett absitzen. Gewalttäter und Wirtschaftskriminelle sind im Quotient tatsächliches Strafmaß/Schaden häufig gegenüber kleinen Straftaten begünstigt. Das ist nicht als rechtens vermittelbar.
thousandguitars 24.07.2018
5. Knast!
Meine Eltern haben beide bei Kartadt/Hertie geabeitet. Der Typ hat sie beide in die Frührente und den Ruin getieben. Der gehört massiv bestraft! Selbst ein Schloss besitzen, aber die "Untergebenen" in's Elenend stürzen zu lassen. Das ist ist ganz große Kunst! Bitte- Macht ihn weg!
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