Nach Flugzeugunglück Unister-Mitgründer trauert um abgestürzten Chef

Mit Unister-Chef Thomas Wagner ist einer der schillerndsten deutschen Internetunternehmer tödlich verunglückt. Sein Mitgründer Daniel Kirchhoff, mit dem er zuletzt zerstritten war, zeigt sich betroffen.

Thomas Wagner
DPA

Thomas Wagner


Nach dem Tod des Leipziger Internetunternehmers Thomas Wagner bei einem Flugzeugabsturz hat Unister-Mitgründer Daniel Kirchhof öffentlich seine Anteilnahme ausgedrückt. "Ich trauere zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Unister", teilte Kirchhof am Freitag mit. Wagner habe ein neues Wirtschaftssegment geschaffen und Großes aufgebaut.

Wagner war der Chef des Internetunternehmens Unister, das Portale wie fluege.de und ab-in-den-urlaub.de betreibt. Der 38-Jährige war am Donnerstag bei dem Absturz eines Kleinflugzeugs auf dem Weg von Venedig nach Leipzig in der Nähe der slowenischen Stadt Ajdovscina ums Leben gekommen. Mit Wagner starben der Pilot und zwei weitere Insassen.

Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, wurde an der Absturzstelle eine überraschende Menge Bargeld gefunden, angeblich zwischen einer und vier Millionen Euro. Dem Bericht zufolge sollen sie aus einem Geldkoffer stammen, den Wagner mit sich führte.

Wagner hatte Unister 2002 in Leipzig gegründet, als er noch Student war. Kirchhof wurde Miteigentümer. Zwölf Jahre lang teilten sich die Zwei das Chefbüro in der Leipziger Zentrale. Doch zuletzt hatten sie sich heftig zerstritten und sich gegenseitig Vorwürfe gemacht (eine ausführliche Analyse lesen Sie hier).

Umstrittenes Unternehmen

Zu Unister gehören auch die Online-Börse Auto.de, das Nachrichtenportal News.de sowie Shopping.de oder Partnersuche.de. Nach Unternehmensangaben besuchen monatlich mehr als zehn Millionen Internetnutzer die Webseiten. Unister hat nach eigenen Angaben rund 1200 Mitarbeiter.

Unister stand in der Vergangenheit häufig in der Kritik und sah sich auch rechtlichen Vorwürfen ausgesetzt. 2012 kam es zu einer Razzia. Wagner kam kurzzeitig in Untersuchungshaft, wurde aber gegen Kaution wieder entlassen.

Zuletzt wurde Anklage gegen Wagner wegen des unerlaubten Vertriebs von Versicherungen erhoben. Zum Prozess kam es bislang nicht. Das Landgericht Leipzig prüft die Anklage.

Zudem wird in einer weiteren Sache gegen Unister ermittelt. Dabei geht es um das sogenannte "Runterbuchen". Bei dieser Praxis soll Kunden ein höherer Preis in Rechnung gestellt werden, als das Onlineportal an den Veranstalter zahlt.

In einem Schreiben von Wagners Anwalt wird die Justiz für den schlechten Zustand des Konzerns verantwortlich gemacht. Wagner fürchtete offenbar, dass Investoren aufgrund der Ermittlungen abspringen könnten. Im Fall eines Prozesses hätte Wagner eine mögliche Freiheitsstrafe gedroht.

Unister erklärte, das Unternehmen werde die Nachfolge Wagners "sehr zeitnah" regeln und kommunizieren. Die Geschäftsleitung habe bereits in einer ersten Krisensitzung die Weichen für die Zukunft des Konzerns gestellt. "Wir können Thomas Wagner nicht kompensieren, aber wir werden sein Erbe bestmöglich im Sinne unseres Gründers fortführen", erklärte Konzernsprecher Dirk Rogl. "Unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen von Thomas Wagner."

stk/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.