Thorsten Heins: Deutscher Manager soll Blackberry retten

Ein Deutscher rückt überraschend an die Spitze des Blackberry-Herstellers Research in Motion. Der ehemalige Siemens-Manager Thorsten Heins soll das Unternehmen aus der Krise führen. RIM hatte zuletzt Marktanteile an Apple und Android verloren.

Research in Motion: Hoffnungsträger made in Germany Fotos
REUTERS

Waterloo - Der Blackberry-Bauer Research in Motion (RIM) wechselt sein Top-Personal aus. Der bisher fürs Tagesgeschäft zuständige Thorsten Heins löst mit sofortiger Wirkung das zuletzt viel kritisierte Führungsduo Mike Lazaridis und Jim Balsillie ab, wie das Unternehmen am Sonntag am Sitz im kanadischen Waterloo mitteilte.

Damit endet eine Ära: Lazaridis und Balsillie hatten nicht nur RIM groß gemacht, sie hatten auch maßgeblichen Anteil daran, dass das Smartphone als solches populär geworden ist. Die E-Mail-Maschine Blackberry wurde zum Statussymbol der Manager weltweit. Mit dem Siegeszug des iPhone von Apple Chart zeigen und der Android-Smartphones geriet RIM jedoch in die Krise.

Die Marktanteile schrumpfen vor allem in den USA seit längerem, damit geriet auch der Aktienkurs unter Druck. Einflussreiche RIM-Aktionäre fordern deshalb seit Monaten Konsequenzen in der Führungsetage. In den USA ist der Anteil des Unternehmens am Smartphone-Markt von 44 Prozent im Jahr 2009 auf nur noch zehn Prozent gesunken. In die Schlagzeilen geriet RIM zuletzt mit einem Netzwerkausfall, der in Europa bis zu drei Tage dauerte.

"Den Stab an eine neue Führung übergeben"

Für das vergangene Quartal, das am 26. November endete, wies RIM einen Gewinnrückgang von 71 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 265 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) aus. Der Umsatz fiel um sechs Prozent auf 5,2 Milliarden Dollar (circa vier Milliarden Euro).

Jetzt soll ein Deutscher den Hersteller wieder zum Erfolg führen. "Wir haben aus den Herausforderungen gelernt", sagte Heins. Der 54-Jährige hat sein Handwerk in der früheren Kommunikationssparte von Siemens gelernt, bevor er 2007 zu RIM wechselte. Die Ernennung von Heins weckte bei Branchenexperten jedoch umgehend Zweifel, ob RIM die Wende schaffen kann. Sie hatten auf ein neues Gesicht von außerhalb des Konzerns gehofft. "Ich bin mir nicht sicher, ob ein Ingenieur als neuer Chef wirklich die zentralen Probleme von RIM angehen kann", sagte etwa Analyst Michael Urlocker von GMP Securities.

Lazaridis und Balsillie hatten seit rund zwei Jahrzehnten sowohl den Posten des Konzernchefs als auch den des Direktoriumsvorsitzenden gemeinsam ausgeübt. Auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz im Hauptsitz des Unternehmens erklärten sie: "In jeder erfolgreichen Firma müssen die Gründer irgendwann erkennen, dass die Zeit gekommen ist, den Stab an eine neue Führung zu übergeben, dieser Moment ist nun gekommen."

Lazaridis zieht sich nun auf den Posten des stellvertretenden Verwaltungsratschefs zurück. Balsillie, der später zu RIM dazugestoßen war, wird einfaches Mitglied des Kontrollgremiums.

suc/dpa/Reuters/dapd

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1.
buenosdiers 23.01.2012
Zitat von sysopEin Deutscher rückt überraschend an die Spitze des Blackberry-Herstellers Research in Motion. Der ehemalige Siemens-Manager Thorsten Heins soll das Unternehmen aus der Krise führen. RIM hatte zuletzt Marktanteile an Apple und Android verloren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,810693,00.html
Lustig, ich hab gerade gestern noch gerätselt, ob RIM vielleicht pleite ist. Mein Bold 9900 schaltet sich ca. alle drei Tage völlig unerwartet ab, es ist brandneu (Januar 2012) und die Internetforen (sogar die auf der Blackberry Seite) sind offenbar seit Jahren voll von diesem Problem bei allen möglichen Blackberry Produkten. Auch bei T Mobile wurde ich gewarnt, dass das passieren kann, ich hab das Ding trotzdem geekauft, weil T Mobile auch sagte, dass das nur bei den alten so war. Haha, reingefallen, stimmt leider nicht. Keiner von Blackberry reagiert in diesen Foren und sagt, was man machen kann um das Problem zu beheben. Blackberry erscheint wie ein führerloses Schiff, das so langsam auseinanderfällt.
2. Das wird nix.
Joerg grimm 23.01.2012
Alles viel zu spaet. Blackberry wird noch 2 Jahre rumduempeln dann sind sie weg vom Fenster. Email auf dem Telefon ist nichts ganz neues mehr, und Ein Pad das nur ins Internet geht wenn man's mit dem 'Berry verdongelt ist halt nicht ganz so heiss. Und wer es schafft den Trend zum Touchscreen komplett zu ignorieren, bei dem ist nicht nur das Top-Management fehlerhaft. Ich habe ganze Firmen die Dinger kartonweise wegschmeissen sehen. Eine woche spaeter hatten alle iPhone. Warum wohl?
3. Thorsten Heins
warlock2 23.01.2012
In seltenen Fällen lernen ja Manager aus ihren Fehlern!
4. Das Ende
bvdlinde 23.01.2012
Rim hat den Anschluss verpasst. Das einstige, positive Image hat sich gewandelt. heute entschuldigen sich die Manager eher dafuer, dass sei einen Blackberry haben (und kein anderes, cooles Phone).
5. Fragwürdige Rettung
artnouveau 23.01.2012
Zitat von sysopEin Deutscher rückt überraschend an die Spitze des Blackberry-Herstellers Research in Motion. Der ehemalige Siemens-Manager Thorsten Heins soll das Unternehmen aus der Krise führen. RIM hatte zuletzt Marktanteile an Apple und Android verloren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,810693,00.html
Löhne runter und die eigene Gage hoch?
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