Neuer Aufsichtsratschef für ThyssenKrupp: Aktionärschützer kritisieren Wahl Lehners

Der frühere Henkel-Chef Ulrich Lehner soll neuer Aufsichtsratsvorsitzender von ThyssenKrupp werden. Doch Aktionärsvertreter kritisieren die Wahl: Ein echter Neuanfang sei mit ihm nicht möglich.

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Manager Ulrich Lehner: "Ein Neuanfang sieht anders aus"

Düsseldorf - Aktionärsschützer haben die bevorstehende Wahl des ehemaligen Henkel-Chefs Ulrich Lehner zum neuen Aufsichtsratschef von ThyssenKrupp Chart zeigen moniert. "Wir hatten uns einen Kandidaten von außen gewünscht", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer. Nur ein Kandidat von außen hätte den Neuanfang unterstrichen, der im Vorstand des Konzerns bereits begonnenen habe.

Lehner soll am 1. April die Nachfolge von Gerhard Cromme antreten, der in der vergangenen Woche nach massiver Kritik seinen Rücktritt für Ende März angekündigt hatte. Er gibt auch seine Position als stellvertretender Vorsitzender der mächtigen Krupp-Stiftung auf, die 25,3 Prozent der Anteile an dem größten deutschen Stahlkonzern hält.

Zuvor hatte ThyssenKrupp bereits große Teile des Vorstands neu besetzt. Der Konzern kämpft mit Milliardenverlusten und ist Vorwürfen wegen Kartellabsprachen und Korruption ausgesetzt.

"Wir haben nichts gegen Herrn Lehner persönlich, aber ein personeller Neuanfang sieht anders aus", sagte Hechtfischer. Lehner gehört bereits sei 2008 dem Aufsichtsrat von ThyssenKrupp an. Er müsse wie bereits angekündigt das Thema einer guten Unternehmensführung zum Schwerpunkt seiner Arbeit machen, sagte Hechtfischer. "Da hakt es. Kartellverstöße darf es bei ThyssenKrupp nicht mehr geben."

Die Folgen des jüngsten Verdachts auf Preisabsprachen bei Lieferungen für die Automobilindustrie ließen sich noch gar nicht abschätzen. "Wer weiß, was da noch kommt." Hechtfischer unterstützte Überlegungen von Vorstandschef Heinrich Hiesinger, einen eigenen Vorstand mit dem Thema Compliance zu betrauen. "Das würde die Wichtigkeit unterstreichen."

Der Aktionärsschützer forderte Lehner auf, sich von anderen Aufsichtsratsmandaten zu trennen. Schon bei Cromme sei die Frage gewesen, ob er sich mit den Posten des Aufsichtsratschefs von ThyssenKrupp und Siemens Chart zeigen nicht übernehme. "ThyssenKrupp ist ein Full-Time-Job." Ob Lehner sämtliche übrigen Mandate aufgeben sollte, müsse dieser aber selbst entscheiden. Lehner ist unter anderem Chef des Aufsichtsrats der Deutschen Telekom Chart zeigen und Interimspräsident des Schweizer Pharmakonzerns Novartis Chart zeigen.

stk/Reuters

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1. Krupp - Thyssen
g-krummacher 14.03.2013
Das Problem ist seit Jahrzehnten die Struktur des Unternehmens und die Krupp-Historie und die Stiftung. Das Unternehmen Krupp war stets und ist auch im Verbund mit Thyssen ist seit jeher pyramidal aufgebaut, alles was als Wille von oben ( Stiftung und Berthold Beitz ) identifiziert worden ist oder wirkt und scheint, wird über alle Ebenen - Top-Down - fast kritiklos angewandt. Obrigkeitsgläubigkeit sind seit jeher die Folge - Innovation wird von Paladinen abgewürgt und gar nicht erst versucht. Statt die Unternehmen unter dem Regiment der Stiftung zusammenzuführen, müsste seit Jahren eine gewaltige Entflechtung, auch mit ausländischen Partnern, stattfinden : frisches Blut und neue Ideen – die Änderung der Unternehmenskultur ist dringend. Pharaonen, wie Berthold Beitz sollten nun wirklich abdanken ! Cromme – ein netter Kerl - hatte nie eine Chance, Lehner – deutlich distanzierter - müsste s e h r viel Mut und Entschlossenheit haben … good luck !
2. Continuance of bad governance.
an_interested_reader 14.03.2013
The fact that ThyssenKrupp's new chair is elected from the ranks of the company's Board of Bystanders who apparently did nothing but watch and wait as Chromme's Nero fiddled while the share price burned down and the debt mountain exploded is already a telling and disgraceful leading indicator. Instead of acting on the side of transparency and good governance, by instituting real reforms - namely sacking the Supervisory Board and severing The Foundation's wholly and demonstratably undeserved crypto-domination of the corporation (to the disadvantage of 75% of shareholders and employees alike) all parties get a replacement selected by Mr. Beitz (and not subjected to election by All shareholders prior to his entry into office. Think the Foundation has performed its role of overseeing the overseers and benignly influencing strategy, policy and corporate culture? It is telling that this unelected, unquestionable, defacto Star Chamber held firm to Chromme despite Elevator and Rail Scandals, corrupt and/or criminal behaviors and actions from the board down to the operating levels, arrogant ignorant and incompetent strategic investments inadequately vetted, monitored or corrected even as they ran off the rails and into the headlines, and then only after getting the breathing space of another year before the next general shareholders meeting, and only after yet another scandal burst onto the scene, did this graue starr chamber creak into action - but then flubbed it by discrediting the idea of making a clean break with the past by appointing a new chair out of the failed ranks of the current board. As long as this arrangement prevails, this ridiculous cycle, despite all pretty PR statements to the contrary, has the potential to keep on keeping on. Sad for ThyssenKrupp and its shareholders.
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