Umstrittener Aufsichtsratschef Cromme verlässt ThyssenKrupp

Überraschender Rücktritt bei ThyssenKrupp: Aufsichtsratschef Gerhard Cromme gibt seinen Posten ab. Der umstrittene Kontrolleur erklärte, er wolle einen "personellen Neuanfang ermöglichen".

Gerhard Cromme: Scheidet komplett aus dem ThyssenKrupp-Aufsichtsrat aus
DPA

Gerhard Cromme: Scheidet komplett aus dem ThyssenKrupp-Aufsichtsrat aus


Düsseldorf - Nach Milliardenverlusten, Kartellverstößen und Personalquerelen bei ThyssenKrupp legt Aufsichtsratschef Gerhard Cromme sein Amt nieder. Er werde den Posten zum 31. März abgeben und den Aufsichtsrat ganz verlassen, teilte ThyssenKrupp am Freitag in Essen mit. Auch seinen Posten als stellvertretender Kuratoriumsvorsitzender der Krupp-Stiftung wird der 70-jährige Cromme demnach aufgeben. Cromme erklärte, er wolle einen "personellen Neuanfang ermöglichen".

Die Entscheidung kommt überraschend: Zwar hatte Cromme zuletzt auf der Hauptversammlung des Konzerns im Januar Fehler eingeräumt, einen Willen zum Rücktritt jedoch nicht erkennen lassen. Er war bereits 2001 an die Spitze des Kontrollgremiums gerückt und hat den Konzern mit der Fusion von Thyssenund Krupp erst erschaffen.

Zugleich wird Cromme von vielen Aktionären für das milliardenschwere Stahlwerksdebakel in Brasilien und den USA - das die Existenz des Konzerns gefährdet -, ebenso verantwortlich gemacht wie für die Kartell- und Korruptionsskandale, die den Ruf ramponiert haben.

Büßen mussten dafür aber zunächst andere. Gleich drei Vorstände hatte der Konzern Anfang Dezember gefeuert: Olaf Berlien, Edwin Eichler, sowie Jürgen Claassen. Cromme persönlich soll den dreien ihren Rauswurf mitgeteilt haben.

Er selbst war zunächst im Amt geblieben - und es schien, als würde der Aufsichtsratschef alle Kritik an sich abperlen lassen. Als "größte Teflonpfanne der Republik" schmähte ihn deshalb ein Aktionär zuletzt auf der Hauptversammlung.

Cromme war auch deshalb lange so stark, weil der Vorsitzende der Krupp-Stiftung, Berthold Beitz, sich stets hinter ihn gestellt hatte. Die Stiftung ist der Hauptaktionär des Konzerns. Cromme war auch als Nachfolger von Beitz im Gespräch gewesen.

yes/dpa/Reuters

insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
der_namenslose 08.03.2013
1.
Zitat von sysopDPAÜberraschender Rücktritt bei ThyssenKrupp: Aufsichtsratschef Gerhard Cromme gibt seinen Posten ab. Der umstrittene Kontrolleur erklärte, er wolle einen "personellen Neuanfang ermöglichen". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/thyssenkrupp-cromme-tritt-als-aufsichtsratschef-zurueck-a-887662.html
Wie sagt man so schön: Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. In dem Fall jemand, der das Sinken durch jahrelanges knabbern an den Planken mit verursacht hat.
damp2012 08.03.2013
2. Es ist auch an der Zeit...
... zumal schon längst im Rentenalter!
lippewerner 08.03.2013
3. warum
Es bleibt aber immer noch die Frage: "Warum erst jetzt der Rücktritt?
burgundy2 08.03.2013
4.
Zitat von lippewernerEs bleibt aber immer noch die Frage: "Warum erst jetzt der Rücktritt?
Ganz einfach, weil ein Idealist wie Herr Cromme, ganz im Gegensatz zum Normalmensch sich bis an sein Lebensende für das Grosse, Ganze, Höhere aufopfern möchte. Ich kann nachvollziehen, wie sehr ihn der Abschied - wenn auch sicherlich ganz weich gebettet - schmerzt. Vielleicht so sehr, dass man ihn bald an anderer Stelle sich wieder aufopfern sieht.
helmut.alt 08.03.2013
5. optional
Allerhöchste Zeit für diesen Rücktritt. Der Mann hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt.
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