München - ThyssenKrupp stellt sich bei seiner Jahresbilanz laut einem Bericht auf hohe Verluste durch Stahlwerke in Brasilien und den USA ein. Das Management des Konzerns rechne intern damit, beim geplanten Verkauf der Anlagen im schlimmsten Fall bis zu elf Milliarden Euro zu verlieren, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ").
Demnach spielt die Konzernzentrale verschiedene Szenarien durch, wonach der Verkauf lediglich Erlöse zwischen einer und vier Milliarden Euro bringt. ThyssenKrupp hatte für die beiden erst 2010 in Betrieb genommenen Werke laut der Zeitung zunächst noch sieben Milliarden Euro eingeplant. Gekostet haben die Werke nach jüngsten Angaben rund zwölf Milliarden Euro. Ein Unternehmenssprecher wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.
Das Desaster um die beiden Stahlwerke könnte der Zeitung zufolge auch noch ein Nachspiel für ehemalige Vorstände haben. Demnach bekam der aktuelle Aufsichtsrat einen Bericht vorgelegt, der schwere Vorwürfe gegen Ex-Manager enthält: Ihre Antworten auf Nachfragen der Kontrolleure zu den Stahlwerken hätten sich im Nachhinein als "zu optimistisch, unvollständig und teilweise falsch herausgestellt", zitierte die "SZ" aus dem Bericht.
ThyssenKrupp-Vorstandschef Heinrich Hiesinger will den Konzern stärker zu einem Technologieunternehmen umbauen. Dabei behindern ihn die fast sechs Milliarden Euro Schulden, die vor allem durch den Bau der Stahlwerke in Übersee entstanden sind. Die Bilanz für das Geschäftsjahr 2011/2012 will das Unternehmen am 11. Dezember vorlegen.
mmq/dpa-AFX
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