ThyssenKrupp: Geschasste Manager bekommen Millionenabfindungen

Nach ihrem unrühmlichen Abgang bei ThyssenKrupp können die drei geschassten Vorstände laut "Handelsblatt" mit Abfindungen in Millionenhöhe rechnen. Zugleich steigt der Druck auf Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. Kollegen drängen auf seinen Rücktritt.

ThyssenKrupp-Chefaufseher Cromme: Rückhalt im Aufsichtsrat schwindet Zur Großansicht
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ThyssenKrupp-Chefaufseher Cromme: Rückhalt im Aufsichtsrat schwindet

Düsseldorf - Die Trennung von drei Vorständen kostet den hochverschuldeten Stahlkonzern ThyssenKrupp viel Geld. Technikvorstand Olaf Berlien, Compliance-Vorstand Jürgen Claassen und Stahlchef Edwin Eichler werden zusammen zwischen elf und zwölf Millionen Euro Abfindung kassieren, berichtet das "Handelsblatt". Claassen, der erst seit vergangenem Jahr im Vorstand saß, bekommt demnach etwa 3,2 Millionen Euro Abfindung. Seine beiden Kollegen Berlien und Eichler können mit jeweils rund vier Millionen Euro rechnen.

Laut der Zeitung kommt der Konzern aber noch glimpflich davon. Denn erst vor kurzem seien die Verträge mit Berlien und Eichler verlängert und dabei geändert worden. Sonst hätten die Zahlungen bei knapp 20 Millionen Euro gelegen, berichtete das "Handelsblatt". Seit 2009 werden bei ThyssenKrupp die Abfindungen auf zwei Jahresvergütungen begrenzt. Ein ThyssenKrupp-Sprecher wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.

Die drei Manager sollen den Konzern bereits zum Jahresende verlassen. In ihren Zuständigkeitsbereich fallen milliardenschwere Fehlentscheidungen oder Vorwürfe über unsaubere Geschäftspraktiken.

Spekulationen über Wegloben Crommes

Nach dem angekündigten Umbau im Vorstand werden im Aufsichtsrat des Konzerns einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge inzwischen Stimmen laut, die auch einen Rückzug von Aufsichtsratschef Gerhard Cromme fordern. Einige Aufsichtsräte der Kapitalseite drängten ihn dazu, Platz für eine Person zu machen, die nicht von der Vergangenheit belastet sei, berichtet die Zeitung. Cromme ist seit 2001 Chef des Kontrollgremiums.

"Bei ThyssenKrupp muss es einen Neuanfang geben", zitierte die Zeitung ein Mitglied des Aufsichtsrates. Eine Ablösung Crommes biete die Chance für den notwendigen Neuanfang. Offenbar wollen ihm Kollegen sogar einen Abgang bereiten, bei dem Cromme sein Gesicht wahren könnte. Erwogen wird demnach, dass der Manager Chef der mächtigen Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung wird. Als größter Einzelaktionär von ThyssenKrupp Chart zeigen gibt die Stiftung den Ton bei dem Unternehmen an.

Voraussetzung wäre aber, dass der 99 Jahre alte Berthold Beitz seinen Chefposten bei der Stiftung räumt. "Wenn Beitz den Konzern retten will, muss er diesen Schritt tun", zitiert die "SZ" aus dem Aufsichtsrat.

mik/dpa-AFX

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insgesamt 35 Beiträge
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1. Für Fehlleistungen........
curti 07.12.2012
Zitat von sysopAPNach ihrem unrühmlichen Abgang bei ThyssenKrupp können die drei geschassten Vorstände laut "Handelsblatt" mit Abfindungen in Millionenhöhe rechnen. Zugleich steigt der Druck auf Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. Kollegen drängen auf seinen Rücktritt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/thyssenkrupp-geschasste-manager-bekommen-millionen-a-871514.html
....auch noch fürstlich abgefunden werden - typischen Markenzeichen der "Eliten" in diesem Land!
2. vielleicht...
peterbond0815 07.12.2012
...sollte man sich erstmal darüber einig werden, ob der Wechsel in die Stiftung nun ein "Wegloben" unter Wahrung des Gesichts oder doch eher die "Krönung seines Lebenswerks" wäre, wie erst gestern hier unter dem Titel "Crommes kalter Coup" zum Besten gegeben.
3. Denen bleibt Hartz IV erspart.
prince62 07.12.2012
Zitat von sysopAPNach ihrem unrühmlichen Abgang bei ThyssenKrupp können die drei geschassten Vorstände laut "Handelsblatt" mit Abfindungen in Millionenhöhe rechnen. Zugleich steigt der Druck auf Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. Kollegen drängen auf seinen Rücktritt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/thyssenkrupp-geschasste-manager-bekommen-millionen-a-871514.html
JEtzt kann ich wieder ruhig schlafen, denn die 3 Herren müssen sich nicht bei der Arbeitsagentur anstellen, was in NRW ja bei der Masse der Hartz IV-ler ja auch ganz schön dauern kann. Ob die 3 Herren überhaupt noch vermittelbar gewesen wären und als was?
4. Tja, das hat man früher
adam68161 07.12.2012
unter der Decke gehalten....Auch bei Siemens hat Cromme bisher keine rühmliche Figur abgegeben. Löscher ist glasklar eine Fehlbesetzung!
5. .
frubi 07.12.2012
Zitat von curti....auch noch fürstlich abgefunden werden - typischen Markenzeichen der "Eliten" in diesem Land!
Es wäre schön wenn sich die Dax-Unternehmen in Deutschland auf freiwillige Obergrenzen für solche Abfindungen einigen würden denn der normale Bürger versteht so etwas schon lange nicht mehr. Es ist auch eigentlich unverantwortlich gegenüber den Aktienbesitzern, wenn für Fehlleistungen verantwortliche Manager auch noch mit Goldbarren beworfen werden, wenn diese das Unternehmen verlassen müssen.
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