Führungskrise Investor Elliott drängt auf Chefwechsel bei Thyssenkrupp

Nach den Abgängen von Vorstands- und Aufsichtsratschef will der US-Hedgefonds Elliott rasch eine neue Führung bei Thyssenkrupp durchsetzen. Der künftige Chef solle von außen kommen.

Thyssenkrupp-Konzernsitz
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Thyssenkrupp-Konzernsitz


Der US-Investor Elliott will den Chefposten bei Thyssenkrupp rasch neu besetzen. Der Hedgefonds begrüße die Ernennung des Finanzchefs Guido Kerkhoff zum Interims-Vorstandsvorsitzenden, "da dies dem Konzern vor der Ernennung eines neuen Vorstandsvorsitzenden eine gewisse Stabilität verleiht", teilte der Anteilseigner in einem Brief an die Mitglieder des Aufsichtsrats mit.

Allerdings müsse diese Interimszeit kurzgehalten werden. "Die Aktionäre erwarten eine unvoreingenommene Suche nach einem neuen externen Vorstandsvorsitzenden", heißt es in dem Brief des US-Hedgefonds weiter.

Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger hatte jüngst das Unternehmen verlassen. Wenige Tage später folgte ihm auch Aufsichtsratschef Ulrich Lehner. Damit ist es erneut ausländischen Investoren gelungen, die Spitze eines deutschen Unternehmens abzusetzen. Der US-Hedgefonds Elliott, hinter dem der Investor Paul Singer steht, und der ebenfalls aktive Finanzinvestor Cevian fordern von dem Unternehmen eine höhere Rendite. Sie setzten das Management mit der Forderung nach einem schnelleren Konzernumbau extrem unter Druck.

Interimschef Kerkhoff gegen Zerschlagung

Kerkhoff trat dagegen Befürchtungen entgegen, der Industriekonzern könnte bei der geplanten Neuausrichtung zerschlagen werden. In einer internen Mitarbeitermitteilung am Mittwoch, die der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" vorliegt, schrieb Kerkhoff, der Thyssenkrupp-Vorstand habe vom Aufsichtsrat ein klares Mandat bekommen, "den bisherigen Weg bis auf Weiteres fortzusetzen - mit allen Geschäften. Unter einem Dach".

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Paul Singer und Thyssenkrupp: Ein Investor, der den Streit sucht

Zuvor hatte unter anderem der Betriebsrat vor einer Zerschlagung des Unternehmens gewarnt. Druck hatte vor allem der schwedische Finanzinvestor Cevian aufgebaut, dem die Umbaubemühungen von Thyssenkrupp nicht weit genug gingen.

Kerkhoff zeigte sich laut der "WAZ" zuversichtlich, Ergebnisverbesserungen vorweisen zu können. "Auch uns als Vorstand ist bewusst, dass wir unsere Rendite steigern müssen, um das Vertrauen des Kapitalmarkts in unser Unternehmen zu stärken - und wir wissen, dass wir das schaffen können", teilte Kerkhoff in dem Schreiben an die Mitarbeiter mit. "Kurzfristige Renditemaximierung auf Kosten der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens ist nicht unser Ziel."

Ex-Aufsichtsratschef Lehner hatte zu seinem Rücktritt erklärt, seine Entscheidung solle dazu beitragen, "das notwendige Bewusstsein bei allen Beteiligten zu schaffen, dass eine Zerschlagung des Unternehmens und der damit verbundene Verlust von vielen Arbeitsplätzen keine Option darstellt - weder im Sinne des Stifters noch im Sinne unseres Landes". Alfried Krupp, bis Ende der Sechzigerjahre Alleininhaber von Krupp, hatte sein Vermögen nicht an die Familie, sondern an die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung vererbt. Deren Ziel: die Einheit des Unternehmens erhalten.

brt/Reuters/dpa

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purple 19.07.2018
1. Heuschrecken
Man sollte sich wirklich langsam überlegen, wie man gegen diese frühkapitalistischen Auspresser vorgehen kann. Im GG steht, daß Eigentum verpflichtet. Das Ziel eines Unternehmens muss eine gerechte Aufteilung des Gewinns zwischen Besitzern und Angestellten sein. Leider hat ja Herr Schröder die Soziale Markwirtschaft in Deutschland abgeschafft - wobei angefangen hat damit schon Herr Kohl. Es wird Zeit für eine Wiedereinführung von Schutzgesetzen, das solchen Heuschrecken wie hier wieder am Werk gestoppt werden können.
hhlSteuerzahler 19.07.2018
2.
Tja, so ist das mit den US-Hedgefonds. Sie wollen nur hohe Rendite sehen, das Unternehmen selbst ist denen völlig egal. Erinnere an das Drama von CeWe Color.
osis1980 19.07.2018
3.
Wie bei Mannesmann. Der Anfang vom Ende.
MiniDragon 19.07.2018
4. Nachvollziehbare Forderung
Wenn man sich mithilfe von Googel mal etwas genauer anschaut, welcher Truppe von mehr oder weniger prominenten aber durchweg fachfremden Laiendarstellern in den verschiedenen Führungsgremien derzeit die Verantwortung für das Überleben des Konzerns anvertraut wurde .....
Observator 19.07.2018
5. Wo ist die sichere Zukunft zu Hause?
Während es hierzulande(und in allen anderen "westlichen Demokratien") offensichtlich möglich ist, dass brutale Finanzhaie mit sage und schreiben nur 3 % Beteiligungsanteil eine etablierte Weltfirma wie Thyssen-Krupp aufs Kreuz legen können entwickelt China derweilen mit strategischen Konzepten, deren Zeithorizonte im Bereich von 30..... 50 Jahre angesiedelt sind, systematisch seine Industrie hinein auch in den Hight-Tech -Bereich. An diesem brutalen Faktum wird ziemlich klar und deutlich, wem die Zukunft gehört. Die sichere Zukunft ist demzufolge weder in den USA noch in Europa zu Hause!
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