Fusionspläne ThyssenKrupp schmiedet neuen Stahlkonzern mit Tata

Nach langen Verhandlungen haben ThyssenKrupp und der indische Konzern Tata zusammengefunden: In Europa wollen sie ihre Kräfte zum dann zweitgrößten Stahlhersteller bündeln. Die Pläne bedrohen Tausende Jobs.

Stahlarbeiter von ThyssenKrupp in Duisburg
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Stahlarbeiter von ThyssenKrupp in Duisburg


Eineinhalb Jahre verhandelten ThyssenKrupp und der indische Konzern Tata, um ihre Stahlsparten zu bündeln. Nun bringen die Unternehmen eine Fusion auf den Weg. Die Konkurrenten haben sich auf einen Zusammenschluss ihrer europäischen Stahlgeschäfte geeinigt und eine Absichtserklärung für eine Gemeinschaftsfirma unterzeichnet. Das gaben beide Unternehmen bekannt, die je die Hälfte an dem neuen Joint-Venture halten wollen.

Gemeinsam wollen die Konzerne ein neues Stahlschwergewicht schmieden. Die neue Firma wäre der zweitgrößte europäische Stahlkonzern nach ArcelorMittal. "Ziel ist es, einen führenden europäischen Flachstahlanbieter zu schaffen", so die Konzerne. Der Sitz des neuen Unternehmens soll in den Niederlanden liegen.

"Mit dem geplanten Joint Venture geben wir den europäischen Stahlaktivitäten von ThyssenKrupp und Tata eine nachhaltige Zukunftsperspektive", sagte ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger. "Wir haben mit Tata einen Partner gefunden, der strategisch und kulturell sehr gut zu uns passt."

Das Unternehmen mit dem Namen ThyssenKrupp Tata Steel soll rund 48.000 Mitarbeiter beschäftigen. Es komme auf einen Pro-forma-Umsatz von 15 Milliarden Euro.

Thyssen und Tata versprechen sich Synergieeffekte von 400 bis 600 Millionen Euro. Durch den Bund der zwei Konzerne könnten bis zu 4000 Jobs wegfallen - an die 2000 Jobs in der Verwaltung und möglicherweise 2000 weitere Stellen in der Produktion. Die Lasten sollen beide Partner etwa zu gleichen Teilen tragen.

Die Verhandlungen wollen Thyssen und Tata bis Anfang 2018 abschließen, die gesamte Transaktion soll bis Ende 2018 nach Zustimmung der Kontrollbehörden komplett über die Bühne gebracht werden.

Am Freitag wollen die Stahlkocher von ThyssenKrupp in Bochum gegen die Pläne demonstrieren. Die IG Metall erwartet mehrere Tausend Teilnehmer. Die IG Metall und die Betriebsräte hatten am Dienstag eine Zustimmung zu einer Fusion nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen. Sie fordern allerdings unter anderem Garantien für die Sicherung der Arbeitsplätze und der Standorte der Stahlsparte. Diese beschäftigt rund 27.000 Mitarbeiter.

"Wir wollen Sicherheit mit Blick auf die Risiken. Wir fordern Garantien für die Beschäftigten. Wenn das nicht passiert, dann wird das nichts", warnte Detlef Wetzel, IG Metall-Vertreter im Kontrollgremium von ThyssenKrupp Steel Europe. Eine Absichtserklärung könne er ohne Zustimmung des Aufsichtsrats unterzeichnen. "Herrn Hiesinger muss aber klar sein, dass er am Ende für die Umsetzung einer Fusion die Zustimmung des Aufsichtsrates braucht."

kig/Reuters/dpa



insgesamt 35 Beiträge
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hugotheKing 20.09.2017
1. Der Krieg, der nie gewonnen werden konnte...
Genauso wie in vielen anderen Branchen konnte ThyssenKrupp diesen Krieg nie gewinnen. Einst verkaufte Thyssen sein Stahlwerk nach China. Die Chinesen montierten die Teile in Deutschland ab und bauten 1:1 in China wieder auf. Dort konnten sie zu einem Bruchteil des Preises hier produzieren. Das Überangebot und die Standortvorteile in China (Subvention, niedrigere Produktionskosten) gaben dann den Rest auf der Preisseite. Auf der Innovationsseite hat ThyssenKrupp nicht viel gemacht. Zwar hört man viel aus dem Fahrstuhlgeschäft, aber im Stahlgeschäft kommen die Innovationen z.B. aus Südkorea. Der südkoreanische Stahlhersteller Posco meldete vor Jahren neue Stahlherstellungsverfahren FINEX, das nicht nur Kostenvorteile, sondern auch Vorteile hinsichtlich Umweltbelastung verspricht. Dem Unternehmen gelang die Herstellung von sog. Gigastahl - damit ist eine neuartige Stahlsorte gemeint, die hohe Zugfestigkeit besitzt und trotzdem sehr leicht ist. Posco stieg parallel auch in Herstellung von Elektrodenrohmaterial für die Batterieherstellung ein. Kein Wunder, dass das Unternehmen zu dem innovativsten Stahlhersteller der Welt zählt. Deutschland als Hochlohnland hat eigentlich nur einen Ausweg aus dieser Sandwichlage herauszukommen. Er heißt Innovation. Innovation gibt es nicht zum Nullpreis. Dazu gehört viel Mut und Investition in die Zukunft. Das hat bei ThyssenKrupp leider gefehlt. Die Fusion mit Tata wird das generelle Problem nicht beheben.
Lutrina 20.09.2017
2. Aus für Duisburg?
Ich prognostiziere mal das Ende der Hochöfen 1 und 9 in Duisburg unmittelbar nach Auslaufen der Arbeitsplatzgarantien Anfang der 20er Jahre. nach dem Ende der Groblechproduktion wird man ohnehin Überkapazitäten haben. Zumindest die Grünen werden jubeln, wird ja böses CO2 eingespart. Chinesen werden das wohl auch mit Wohlwollen betrachten.
kjeldahl 20.09.2017
3. Vor der Wahl - und keiner merkt die Bedeutung...
... Dieser Nachricht. Nachempfunden das Management von Thyssen Krupp Unsummen vernichtet hat und dafür - wie immer - nicht wirklich zur Rechenschaft gezogen wurde, dürfen die Stahlarbeiter einmal mehr die Zeche zahlen. Technologie wird wieder in Ausland verhökert, Duisburg darf noch ein paar mehr Arbeitslose durchfüttern... Aber Hauptsache unseren "Eliten" geht es gut. Wenn ich da an die aktuelle CDU Merkel Reklame denke. .. Wird mir schlecht. Von ihr wird sicher nichts kommen um das zu verhindern. Unsere Zukunft in D ist mies. Aber "Deutschland geht es gut..." ja klar.
Lutrina 20.09.2017
4.
Zitat von hugotheKingGenauso wie in vielen anderen Branchen konnte ThyssenKrupp diesen Krieg nie gewinnen. Einst verkaufte Thyssen sein Stahlwerk nach China. Die Chinesen montierten die Teile in Deutschland ab und bauten 1:1 in China wieder auf. Dort konnten sie zu einem Bruchteil des Preises hier produzieren. Das Überangebot und die Standortvorteile in China (Subvention, niedrigere Produktionskosten) gaben dann den Rest auf der Preisseite. Auf der Innovationsseite hat ThyssenKrupp nicht viel gemacht. Zwar hört man viel aus dem Fahrstuhlgeschäft, aber im Stahlgeschäft kommen die Innovationen z.B. aus Südkorea. Der südkoreanische Stahlhersteller Posco meldete vor Jahren neue Stahlherstellungsverfahren FINEX, das nicht nur Kostenvorteile, sondern auch Vorteile hinsichtlich Umweltbelastung verspricht. Dem Unternehmen gelang die Herstellung von sog. Gigastahl - damit ist eine neuartige Stahlsorte gemeint, die hohe Zugfestigkeit besitzt und trotzdem sehr leicht ist. Posco stieg parallel auch in Herstellung von Elektrodenrohmaterial für die Batterieherstellung ein. Kein Wunder, dass das Unternehmen zu dem innovativsten Stahlhersteller der Welt zählt. Deutschland als Hochlohnland hat eigentlich nur einen Ausweg aus dieser Sandwichlage herauszukommen. Er heißt Innovation. Innovation gibt es nicht zum Nullpreis. Dazu gehört viel Mut und Investition in die Zukunft. Das hat bei ThyssenKrupp leider gefehlt. Die Fusion mit Tata wird das generelle Problem nicht beheben.
Das verkaufte Stahlwerk war nicht von Thyssen, sondern von Krupp. Die Chinesen haben übrigens etliche Teile nicht nach China verschifft da veraltet. Nur die Kokerei ist komplett nach China gegangen. Forschung und Innovationen kosten leider Geld, daher bei BWLern nicht beliebt. Wozu soll man auch in Forschung investieren wenn man mit dem Geld lieber bunte Werbebroschüren drucken könnte? In Gelfrisuren,PowerPoint, Anzug und Sonnnebrille ist das Geld ohnehin besser angelegt.
vomDeich 20.09.2017
5. Trauerspiel und Steuerflucht
Interessant, dein Deutscher Stahlhersteller - ein Konzern - bündelt die Stahlsparte und "Der Sitz des neuen Unternehmens soll in den Niederlanden liegen".....nach meiner Kenntnis ergeben sich dadurch erhebliche Steuereinsparungen......wie immer, den Rest übernimmt dann eben hier das/unser Sozialsystem, wir haben aber auch ganz tolle Manager...
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