Einstieg bei Industriekonzern US-Investor will offenbar Thyssenkrupp-Chef Hiesinger absetzen

Über seinen Hedgefonds Elliott will US-Investor Paul Singer Anteile am Industriekonzern Thyssenkrupp erwerben. Er soll ein klares Ziel haben: die Absetzung des amtierenden Konzernchefs Heinrich Hiesinger.

Heinrich Hiesinger, Vorstandsvorsitzender von Thyssenkrupp
DPA

Heinrich Hiesinger, Vorstandsvorsitzender von Thyssenkrupp


Nach dem Gerangel mit seinem schwedischen Großaktionär Cevian über die künftige Strategie droht dem Industriekonzern Thyssenkrupp womöglich neuer Ärger: Nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg will sich nun auch US-Investor Paul Singer bei dem Essener Konzern einkaufen. Sein erklärtes Ziel sei es, Konzernchef Heinrich Hiesinger abzusetzen, hieß es aus informierten Kreisen.

In der Branche wird nun bereits darüber spekuliert, ob sich Cevian im Kampf gegen den Thyssenkrupp-Boss mächtige Weggefährten gesucht haben könnte. An der Börse ging es für die Thyssenkrupp Chart zeigen auf die Nachricht hin steil aufwärts. Die Aktie kletterte um 6,5 Prozent.

Singer kauft sich den Informationen zufolge über seinen Hedgefonds Elliott eine Minderheitsbeteiligung an dem Dax-Konzern. Schon in den kommenden Wochen könnte er die meldepflichtigen Stimmrechtsschwellen von 3 oder 5 Prozent erreichen. Sprecher von Thyssenkrupp und Elliott wollten die Informationen zunächst nicht kommentieren.

Investor: Zweifel an Fähigkeit von Hiesinger

Der US-Investor Singer ist bekannt dafür, sich aktiv in Firmenpolitik einzumischen, um so den Wert seiner Beteiligungen nach oben zu treiben. Dabei sucht er sich oftmals Konzerne heraus, die umgebaut oder übernommen werden. Hierzulande mischte er unter anderem beim Verkauf des deutschen Medikamentenherstellers Stada mit.

Die Kritik des Amerikaners an Thyssenkrupp-Chef Hiesinger richte sich gegen dessen Fähigkeit, die Wende im Konzern herbeizuführen, sagten die eingeweihten Personen.

Thyssenkrupp befindet sich derzeit im Umbruch: Hiesinger konzentriert sich auf die Zusammenführung des Stahlgeschäfts mit den europäischen Aktivitäten von Tata Steel. Der Vertrag soll noch im ersten Halbjahr unterschriftsreif sein. Mit der Trennung vom schwankungsanfälligen Stahlgeschäft will der Manager stärker auf Industriegütergeschäfte wie Aufzüge oder Komponenten für die Autoindustrie setzen. Nach Abschluss der Verhandlungen mit Tata will Hiesinger dafür eine neue Strategie vorlegen.

Großaktionär Cevian fordert Zerschlagung

Reibungslos verliefen die vergangenen Monate für den Manager jedoch nicht. Druck bekam Hiesinger wegen Tata von den Gewerkschaften, die fürchteten, die Fusion könne zulasten der deutschen Seite gehen. Und auch Großaktionär Cevian lässt nicht locker. Der schwedische Investor forderte wiederholt die Zerschlagung des komplex aufgebauten Dax-Konzerns, was Hiesinger jedoch ablehnt.

Den Schweden sind die sinkenden Umsätze ein Dorn im Auge und das Tempo zu langsam, mit dem der Manager das Unternehmen derzeit umbaut. Und auch die geplante Stahlfusion stößt bei dem Investor nicht auf ungeteilte Gegenliebe.

Laut Bloomberg hat kürzlich der von Cevian gestellte Aufsichtsrat Jens Tischendorf in einem Brief an gleichgesinnte Mitglieder des Gremiums gefordert, die tatsächlichen Vorteile der Fusion auszuloten. Als problematisch würden vor allem Privilegien gesehen, die das Tata-Werk im niederländischen Ijmuiden erhalten soll, ebenso würden mögliche Umweltrisiken im walisischen Werk in Port Talbot angeführt.

Bislang hat das Aufsichtsgremium den Deal mit Tata noch nicht abgesegnet. Außerdem haben die Kartell- und Wettbewerbsbehörden noch ein Wort zu sagen.

Ob mit dem Einstieg von Singer nun noch einmal Bewegung in die Sache kommt, wird unter Branchenexperten nicht ausgeschlossen. "Der Einstieg kommt zur Unzeit, und für das Management könnte es sicher unangenehm werden, wenn seine Pläne torpediert werden", sagte ein Analyst.

cop/dpa-AFX



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