Unglück in China Toyota stoppt Produktion in Tianjin

12.000 Menschen arbeiten für Toyota in Tianjin, zum Zeitpunkt der Katastrophe in der Hafenstadt hatten die Angestellten Betriebsferien. Nun hat der Autobauer die Produktion dort stillgelegt. Auch Panasonic lässt die Arbeit ruhen.

Toyota-Standort in Tianjin (Archivbild): 12.000 Mitarbeiter
REUTERS

Toyota-Standort in Tianjin (Archivbild): 12.000 Mitarbeiter


Eigentlich sollten die Toyota-Mitarbeiter in der chinesischen Hafenstadt Tianjin an diesem Montag nach den Betriebsferien ihre Arbeit wieder aufnehmen. Doch nach den verheerenden Explosionen stehen die Fertigungsbänder erst einmal still: Bis Mittwoch hat das Unternehmen seine Produktion in Tianjin gestoppt. Der Autobauer begründete diese Entscheidung mit Evakuierungen in der Umgebung.

Toyota unterhält in Tianjin zwei Fertigungsstraßen und produziert dort jährlich 440.000 Fahrzeuge, also etwa die Hälfte seiner in China gebauten Autos. Auch eine weitere Fertigungsstraße rund 70 Kilometer von Tianjin entfernt sei für mindestens drei Tage stillgelegt worden, da sie auf Teile aus der Hafenstadt angewiesen sei, teilte Toyota mit.

Viele der 12.000 Toyota-Mitarbeiter wohnen in der Nähe des Unglücksortes - zum Teil in Wohnungen des Autobauers. 50 Angestellte wurden laut Toyota durch das Unglück verletzt. Bei den Explosionen in dem Gefahrgutlager mit hochgiftigen Chemikalien waren insgesamt mindestens 114 Menschen getötet und mehr als 700 Menschen verletzt worden. Bei erneuten Explosionen waren am Sonntag wieder Feuer ausgebrochen.

In dem betroffenen Industriegebiet der Millionenstadt im Osten Chinas befinden sich eine Reihe von Autofabriken, Ölraffinerien und andere Produktionsstätten. Bei vielen Konzernen waren die genauen Auswirkungen der Katastrophe von vergangener Woche noch nicht klar.

Toyotas Konkurrent Mitsubishi Motors teilte mit, etwa 600 Fahrzeuge seien zum Zeitpunkt der Explosionen in dem Industriegebiet abgestellt gewesen. Das Ausmaß der Schäden sei bislang noch nicht klar. Das Unternehmen importiere nun über andere Häfen Fahrzeuge, um die Auswirkungen für die Kunden gering zu halten.

Auch der japanische Elektronikkonzern Panasonic lässt die Arbeiten in seiner Fabrik in Tianjin vorübergehend ruhen. Am Montag sei dort wegen Sicherheitsüberprüfungen nicht gearbeitet worden, sagte eine Sprecherin. Es gebe "kleine Schäden" wie zerbrochene Fenster. Ob die Arbeiten am Dienstag wieder aufgenommen werden könnten, sei noch nicht entschieden.

Auf dem Hafengelände stand eine Lagerhalle für Gefahrgüter. Bislang ist unklar, welche Chemikalien zu den Explosionen führten. Mehr als 200 Spezialisten des Militärs versuchen derzeit, die Ursache vor Ort zu klären.

Den Angaben der Behörden zufolge liegt die Belastung der Luft mit giftigen Gasen unterhalb der gesundheitsgefährdenden Schwelle. Dennoch bleibt in der Millionenstadt 140 Kilometer südöstlich von Peking die Sorge vor einer Gefährdung der Bevölkerung.

Bei dem Unglück wurde das Industriegebiet am Hafen weitflächig verwüstet. Zahlreiche Neuwagen, Schiffscontainer und Gebäude wurden völlig zerstört. Tianjin ist der zehntgrößte Hafen der Welt, hier werden mehr Container bewegt als in Hamburg oder Rotterdam.

brk/AFP



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