Anhörung wegen Steuertricks: Apple-Chef sieht sein Unternehmen benachteiligt

Apple-Chef Cook vor dem Senatsausschuss: "Größer als vor vierzig Jahren" Zur Großansicht
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Apple-Chef Cook vor dem Senatsausschuss: "Größer als vor vierzig Jahren"

Tim Cook wird vor den US-Senat zitiert - und verteidigt dort sein Unternehmen Apple gegen den Vorwurf der Steuertrickserei: Der Konzern sei der größte Steuerzahler unter den amerikanischen Unternehmen. Gegenüber der ausländischen Konkurrenz sei man sogar benachteiligt.

Washington - Apple-Chef Tim Cook hat vor einem Senatsausschuss die Kritik zurückgewiesen, der iPhone-Hersteller nutze ein ausländisches Firmengeflecht zum Steuersparen. "Wir sind stolz darauf, ein amerikanisches Unternehmen zu sein und unseren Beitrag zur Gesellschaft zu leisten", sagte Cook am Dienstag in Washington. "Wir sind nicht auf Steuertricks angewiesen." Der Konzern habe Mitarbeiter in allen Bundesstaaten. "Wir haben uns dafür entschieden, das Design und die Entwicklung der Geräte hier in den USA zu lassen."

Apple Chart zeigen sei der größte Steuerzahler unter allen US-Unternehmen, sagte Cook. Er räumte aber auch ein, dass 70 Prozent der Geldreserven im Ausland lägen. "Wir nutzen das Geld, um unser Auslandsgeschäft zu betreiben." Es sei zu teuer, das Geld bei einem Steuersatz von 35 Prozent in die USA zu holen. "Unser Steuersystem benachteiligt uns gegenüber unseren ausländischen Konkurrenten."

Die Kritik der Politik richtet sich besonders gegen irische Tochtergesellschaften mit geringen oder gar keinen Steuerzahlungen. "Der Fakt, dass unsere Tochterfirmen in Irland nicht steuerpflichtig sind, hat keinen Einfluss auf unsere US-Steuern", sagte Finanzchef Peter Oppenheimer in der gleichen Anhörung. Die Firmenstruktur mache es schlicht einfacher, das Geschäft zu führen. "Unser Unternehmen ist etwas größer als das, was Steve Jobs vor vierzig Jahren in der Garage seiner Eltern gegründet hat", sagte Cook.

Der republikanische Senator Rand Paul bezeichnete die Vorladung von Cook als Fehler. "Ich denke, der Kongress sollte sich bei Apple entschuldigen", sagte er zu Beginn der Anhörung. "Sagen Sie mir, was Apple Illegales getan hat." Nicht nur Apple nutze Schlupflöcher. "Nennen Sie mir einen Politiker auf diesem Podium, der nicht Steuern spart."

Der Vorsitzende des zuständigen Senatsausschusses, Carl Levin, verteidigte hingegen die Vorladung. "Apple ist ein großartiges Unternehmen, aber kein Unternehmen sollte selbst entscheiden, wie viele Steuern es zahlt", erklärte er bei der Anhörung. "Wir werden uns nicht entschuldigen.

stk/dpa

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Hui
LorenzSTR 21.05.2013
Design und Entwicklung haben sie also gnädigerweise in den USA gelassen. Naja, wer mit dem Slogan "Designed in California" auf jedem Produkt aktiv Werbung und Imagebildung betreibt, sollte das auch. Die Verkäufe würden garantiert zurückgehen, wenn sich Apple aus den USA zurückziehen würde. Und dieser seltsame Senator erinnert wohl nicht nur namentlich an Ayn Rand.
2. Folge amerikanischer Klientelpolitik
keksguru 21.05.2013
je reicher bzw. je größer die Firma, desto geringer der effektive Steuersatz.... Apple hat nichts Illegales getan. Zwischen Legal und Illegal gibt es nichts - schließlich sind die Steuergesetze der USA nicht wie Schnee vom Himmel gefallen sondern sind die Folge einer einzigartigen Lobbytätigkeit, die in anderen Ländern als Korrpuption verboten ist. Und irgendeine hauchdünne Mehrheit hat sie ja schließlich beschlossen.
3. 2016
emmerot 21.05.2013
Soso. Rand Paul (R) verteidigt Apple. Will er bei den Präsidentschaftswahlen 2016 so die 55 Wahlmänerstimmen aus Kalifornien gewinnen? Pech, wenn er im Gegenzug 29 aus Florida und noch andere aus "Samsung"-Staaten verliert. Carl Levin (D) kommt ja bekanntlich aus einem Auto-Staat, dem kann das egal sein. Der kandidiert ja auch nicht....
4. GOPler springen Apple zur Seite
Stelzi 21.05.2013
Und natürlich auch jedem anderen Konzern der moralisch fragwürdig das von den GOPlern massgeblich durchlöcherte Steuersystem zu seinem Vorteil nutzt - und jetzt ist ja auch dem letzten klar wieso die GOPler seit Jahren jeden Versuch das System zu reformieren und die Schlupflocher für die Reichen, Reichsten und Konzerne stopfen, torpedieren.
5. Usa, usa
ponyrage 21.05.2013
An der dümmlichen Argumentation der Senatsmitglieder kann man schön sehen, wie dumm erst der amerikanische Wähler sein muss, und warum das politische System in diesem Land so unglaublich kaputt ist.
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