Milliardäre Charles und David Koch Großspender der US-Republikaner finanzieren Übernahme des "Time"-Magazins

Die US-Milliardäre Charles und David Koch gelten als eingefleischte Finanziers der Republikaner. Nun spielen die Industriellen eine Schlüsselrolle beim Verkauf des angesehenen Magazins "Time".

"Time"-Cover mit Donald Trump
REUTERS/ Time Magazine

"Time"-Cover mit Donald Trump


Das politische Netzwerk, das die beiden Milliardärsbrüder Charles und David Koch unterhalten, gilt als eines der einflussreichsten in den USA. Die beiden Industriellen - ihr Vermögen wird jeweils auf etwa 40 Milliarden Dollar geschätzt - engagieren sich stark mit Spenden in Wahlkämpfen.

Sie gelten als eingefleischte Unterstützer der Konservativen in den USA: Koch-Spenden gehen fast ausschließlich an Kandidaten der Republikaner - auch wenn Donald Trump eine Ausnahme war. Die Koch-Brüder hatten 2016 keinen Hehl daraus gemacht, dass sie den Aufstieg Trumps gern verhindert hätten.

Nun machen die Brüder wieder Schlagzeilen: Ihr Name fällt im Rahmen der aufsehenerregenden Übernahme des US-Verlags Time, der unter anderem das "Time"-Magazin und die Zeitschrift "Fortune" herausgibt. Das schwächelnde Unternehmen wird für 1,8 Milliarden Dollar an den US-Rivalen Meredith verkauft.

Umsatzeinbruch beim Time Verlag

Das Unternehmen aus dem Bundesstaat Iowa wird dabei finanziell von Charles und David Koch unterstützt. Inklusive aller Schulden wird Time mit 2,8 Milliarden Dollar bewertet, wie die Firmen am Sonntag mitteilten. Durch die Übernahme erreichen die Titel beider Unternehmen zusammen 135 Millionen Leser. Der Deal soll in den ersten drei Monaten 2018 abgeschlossen werden.

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Time wurde 2014 vom Medien- und Unterhaltungskonzern Time Warner abgespalten. Das Unternehmen hat aber Probleme, weil die Auflage schrumpft und sich Werbekunden umorientieren. Im dritten Quartal war der Umsatz um fast zehn Prozent auf 679 Millionen Dollar eingebrochen. Das Time-Management reagiert darauf mit Kostensenkungen, einer neuen Digital-Strategie und erwägt Verkäufe einzelner Titel. Meredith rechnet mit Einsparungen von 400 bis 500 Millionen Dollar in den ersten beiden Jahren nach der Transaktion.

Kein Mitspracherecht für die Kochs

Die Übernahme ist ein Coup für den Medienkonzern. Meredith war dieses Jahr und auch 2013 schon mit Verhandlungen über einen Time-Kauf gescheitert. Meredith teilte zudem mit, die Industriellenfamilie Koch fungiere als Geldgeber, bekomme aber kein Mitspracherecht bei journalistischen Fragen und Management-Entscheidungen. In der Vergangenheit hatten die Kochs, die zu den reichsten Menschen der Welt gehören, Interesse am Kauf der Zeitungen "Los Angeles Times" und "Chicago Tribune" erkennen lassen.

Meredith vertreibt unter anderem Magazine für Eigenheimbesitzer und Gartenfans sowie zu Familienthemen. Der Konzern kommt an der Börse auf einen Wert von 2,7 Milliarden Dollar. Time-Aktien kosteten an der Wall Street zuletzt 16,90 Dollar. Meredith wird nun je Anteilsschein 18,50 Dollar in bar zahlen.

US-Präsident Trump hatte das "Time"-Magazin Ende vergangener Woche zum wiederholten Male angegriffen: Trump schrieb auf Twitter, die Zeitschrift habe ihn "wahrscheinlich" erneut zur "Person des Jahres" küren wollen. Er habe jedoch abgesagt, weil ihm dies zu unsicher sei. Die Redaktion dementierte die Behauptung deutlich.

beb/Reuters



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