Tod von Theo Albrecht: Aldi trauert um Gründerlegende

Von Susanne Amann und Janko Tietz

Aldi-Nord-Gründer Theo Albrecht ist tot. Einer der reichsten Menschen der Welt hinterlässt ein Milliarden-Imperium. Nun hat der Discounter seine Führungsriege offiziell mit einem Brief informiert, der dem SPIEGEL vorliegt. Die Firma lobt die große persönliche Bescheidenheit des Verstorbenen.

Aldi: Die Brüder, die Erben, das Imperium Fotos
manager magazin

Hamburg - Es ist ein Schreiben, das selbst für die Vertrauten im Konzern überraschend kam: Der engste Führungszirkel des Discounters Aldi-Nord hat am Mittwochvormittag seine Geschäftsführer im In- und Ausland über den Tod des legendären Unternehmensgründers Theo Albrecht informiert. In dem Brief, der dem SPIEGEL vorliegt, heißt es: "Als Unternehmensgründer und Pionier im Discount-Handel prägte Theo Albrecht jahrzehntelang die Geschicke unserer Unternehmensgruppe." Er habe die Unternehmensphilosophie "auf Basis klassischer Kaufmannswerte" entwickelt und mit dem Aldi-Prinzip "tief greifende Innovationen im deutschen Einzelhandel" initiiert.

Der Gründer des Discount-Riesen Aldi war am Samstagnachmittag gestorben. Der 88-Jährige wurde am Mittwochmorgen im engsten Familienkreis beigesetzt. Der Unternehmer war seit längerer Zeit schwer krank. Im Sommer vergangenen Jahres brachte er nach einem Sturz mehrere Wochen im Alfried-Krupp-Krankenhaus in seiner Heimatstadt Essen zu, erholte sich aber bis zum Schluss nicht von den Folgen und war zuletzt pflegebedürftig.

Das Unternehmen trauere um "einen Menschen, der gegenüber seinen Geschäftspartnern und Mitarbeitern bescheiden auftrat und sie immer mit großem Respekt behandelte". Man verliere mit ihm "unseren hoch geschätzten Unternehmensgründer und aufrichtigen Menschen". Gleichzeitig machte das Unternehmen klar, dass sich am bisherigen Geschäftskonzept nichts ändern werde. "Seit einigen Jahren wird die Unternehmensgruppe durch erfahrene Aldi-Manager geführt, die unabhängig von Theo Albrecht und seiner Familie alle operativen Entscheidungen treffen."

Der Aldi-Äquator teilte Deutschland auf

Aldi Nord und Aldi Süd bilden heute einen Milliardenkonzern, der die deutsche, aber auch die internationale Handelslandschaft nachhaltig veränderte. Den Grundstein für das Unternehmen legte Theo gemeinsam mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Karl im Jahr 1946, als er den kleinen Lebensmittelladen seiner Mutter übernahm. Ab 1961 wurde daraus Albrechts Discount - kurz Aldi. Binnen eines halben Jahrhunderts wurden sie damit zum unangefochtenen Marktführer.

Todesmeldung im Wortlaut
Wie Aldi-Nord von seinem Gründer Abschied nimmt: Klicken Sie auf die Überschrift, um den Wortlaut zu lesen...
"Wir trauern um Theo Albrecht"
Wir trauern um unseren Unternehmensgründer Theo Albrecht

Die Unternehmensgruppe ALDI NORD gibt bekannt, dass ihr Gründer, Theo Albrecht, am vergangenen Samstag, 24. Juli 2010, im Alter von 88 Jahren in seinem Geburtsort Essen verstorben ist.

Als Unternehmensgründer und Pionier im Discounthandel prägte Theo Albrecht jahrzehntelang die Geschicke unserer Unternehmensgruppe, entwickelte eine Unternehmensphilosophie auf Basis klassischer Kaufmannswerte und initiierte mit dem ALDI-Prinzip „Qualität ganz oben – Preis ganz unten“ tief greifende Innovationen im deutschen Einzelhandel. Dem in den 60er Jahren von ALDI eingeführten Discountsystem ist es zu verdanken, dass hochwertige Lebensmittel und Konsumgüter für alle Verbraucher in Deutschland erschwinglich wurden.

Theo Albrecht entstammte einer traditionellen Kaufmannsfamilie. Nach einer Lehre im elterlichen Feinkostgeschäft in Essen-Schonnebeck übernahm er gemeinsam mit seinem Bruder Karl 1946 das Geschäft und baute es innerhalb kurzer Zeit zu einem der erfolgreichsten Einzelhandelsunternehmen in Deutschland aus. Anfang der 60er Jahre teilten die Brüder die Vertriebsgebiete unter sich auf: Theo übernahm den Norden Deutschlands und sein Bruder Karl den Süden. Durch ihre Familien blieben die beiden Unternehmensgruppen als wettbewerbliche Einheit im ALDI-System aber miteinander verbunden. Dank des durchschlagenden Erfolgs des Discountprinzips, expandierten beide ALDI-Gruppen innerhalb von kurzer Zeit national und international.

Theo Albrecht trieb die Internationalisierung seiner Unternehmensgruppe ALDI NORD dabei stets mit Bedacht, Weitsicht und klaren Zielsetzungen voran: Nach Belgien, Dänemark, den Niederlanden und Luxemburg folgten Frankreich, Spanien, Portugal und Polen. Parallel wurde in den USA der im dortigen Markt überaus erfolgreiche Premium-Discounter „Trader Joe’s“ weiterentwickelt. In den 90er Jahren folgte, im Zuge der deutschen Einheit, ein kontinuierliches Wachstum von ALDI NORD auch in den Neuen Bundesländern.

Das ALDI-Prinzip als Grundstein des Erfolgs zeichnet sich durch die Konzentration auf das Wesentliche aus: Eine begrenzte Auswahl an Artikeln des täglichen Bedarfs, eine effiziente Struktur mit niedrigen Systemkosten bei der Ladengestaltung und Warenpräsentation sowie eine kontinuierliche Optimierung der Logistik. ALDI steht für einen kompromisslosen Qualitätsanspruch bei dauerhaft niedrigen Verkaufspreisen. Eine Unternehmensphilosophie, die sich über Jahrzehnte bewährt hat und der vier von fünf Haushalten in Deutschland regelmäßig vertrauen.

Theo Albrecht setzte seit Beginn seines unternehmerischen Handelns auf uneingeschränkte finanzielle Solidität. Aus diesem Grund hat die Unternehmensgruppe ALDI NORD bis heute keinerlei Verbindlichkeiten. Auch hat unser Firmengründer bereits zu Lebzeiten über eine vorausschauende Nachfolgeregelung die Zukunft der Unternehmensgruppe ALDI NORD und, damit verbunden, die Arbeitsplätze von weltweit über 50.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, abgesichert. Seit einigen Jahren wird die Unternehmensgruppe durch erfahrene ALDI-Manager geführt, die unabhängig von Theo Albrecht und seiner Familie alle operativen Entscheidungen treffen. Das Unternehmensvermögen ist in Stiftungen gebunden, die nicht auflösbar sind. Damit ist eine auf Dauer angelegte unternehmerische und vermögensmäßige Kontinuität garantiert, welche auch zukünftig den Ausbau und die Fortentwicklung von ALDI NORD sicherstellt.

ALDI trauert um einen Menschen, der gegenüber seinen Geschäftspartnern und Mitarbeitern bescheiden auftrat und sie immer mit großem Respekt behandelte. Wir verlieren mit ihm unseren hoch geschätzten Unternehmensgründer und aufrichtigen Menschen. Wir danken Theo Albrecht für sein stets vorbildliches, engagiertes und mutiges Handeln. Wir werden sein Vermächtnis in seinem Sinne respektvoll fortsetzen.

Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt seiner Familie.

Gesellschafter, Verwaltungsrat und Geschäftsführungen der Unternehmensgruppe ALDI NORD
Grund dafür war vor allem das Credo der beiden Brüder, das sich streng nach der Maxime richtete: "Beste Qualität zum günstigsten Preis". Die beiden gelten als Erfinder der sogenannten Discount-Strategie: Aldi bietet bis heute ein überschaubares Sortiment an Lebensmitteln und Haushaltswaren, verzichtet aber auf umfangreiche Marketingaktionen und repräsentative Filialen. Mit diesem Konzept sind die beiden zu den reichsten Männern Deutschlands geworden, Theos Privatvermögen wird auf 16,7 Milliarden Dollar beziffert. Der Konzern selbst setzt jährlich rund 25 Milliarden Euro um und gilt trotz der Konkurrenz durch Nachahmer wie Lidl und Netto als die Nummer eins der Discounter.

Berühmt wurde der Handelsriese durch den sogenannten Aldi-Äquator, da sich die beiden Brüder kurz nach der Umbenennung nicht nur ihr Unternehmen, sondern auch Deutschland aufgeteilt haben. Theo Albrecht übernahm den Norden, Karl Albrecht den Süden. Formaljuristisch sind die beiden Unternehmen, die jeweils in rund 30 Regionalgesellschaften untergliedert sind, unabhängig. Branchenkennern zufolge arbeitet man aber trotzdem eng zusammen, wenn es etwa um die Weiterentwicklung des Angebots, Produktion und Einkauf geht. Die Gewinne fließen in zwei Familienstiftungen.

Die letzten Zitate stammen aus dem Jahr 1971

Auch in einem anderen Punkt waren sich die beiden Brüder immer einig: Wenn es um die absolute Verschwiegenheit ging - sowohl bei Fragen zum Unternehmen als auch zum Privatleben. Von wohl kaum einem Unternehmensgründer ist so wenig bekannt wie von den Aldi-Brüdern, die letzten Zitate der beiden stammen aus den Jahren 1953 und 1971, die letzten Bilder wurden - gegen deren Willen - in den achtziger Jahren aufgenommen.

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Als Grund dafür wird gemeinhin die Entführung Theo Albrechts angegeben, der im Jahr 1971 von einem Düsseldorfer Rechtsanwalt und einem Kleinkriminellen 17 Tage lang gefangengehalten - und erst nach der Zahlung von sieben Millionen Mark freigelassen wurde. Es war damals die höchste Lösegeldsumme, die je in der Bundesrepublik gezahlt wurde. Bis heute fehlt die Hälfte der Summe, die damals von dem Essener Ruhrbischof Franz Kardinal Hengsbach übergeben wurde.

Das war kein Zufall - denn wie sein Bruder Karl war Theo streng katholisch und seit Jahrzehnten mit seiner Frau Cäcille, genannt Cilly, verheiratet. Die beiden haben zwei Söhne, Theo junior und Berthold, die ebenfalls bei Aldi Nord arbeiten - allerdings in keiner hervorgehobenen Position. Das Unternehmen wird seit dem offiziellen Ausscheiden Theos vor einigen Jahren von externen Managern in seinem Sinne geführt.

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Forum - Wie Aldi ist die Republik?
insgesamt 731 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
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1.
jjh 28.07.2010
Von den ganzen Billigketten die nach ihr kamen hat Aldi die wenigsten Skandale, die sauberste Weste, was Mitarbeiterführung und Qualität betrifft. Zumindest im Medienecho. Fraglich ist, was daraus wird, wenn eine neue Chef- und Managergeneration das Sagen übernimmt.
2. Respekt!
Armenspeisung 28.07.2010
Die beiden Herren haben Großes geleistet, sie haben vielen Menschen in dieser Republik eine Menge Geld sparen helfen. Wem der schöne Schein und Schnick-Schnack nicht liegen, der kauft eben bei Aldi ein. Da, wo's günstig und langweilig-bieder ist. Groß und klein, Reiche wie Arme findet man bei Aldi, diesem absolut schranken- und klassenlosen Ladengeschäft. Respekt für diese einmalige Leistung, die sich mittlerweile ihren Weg quer über den Erdball gebahnt hat.
3.
takeo_ischi 28.07.2010
Zitat von sysopEs ist das Ende einer Ära: Aldi-Gründer Theo Albrecht ist gestorben. Er und sein Bruder Karl haben mit ihrem Discounter den Handel in Deutschland revolutioniert. Wie hat Aldi das Land verändert?
Im Bereich 'Geiz ist geil' und bei der Ausbeutung und Überwachung von Mitarbeitern hat man klar neue Standards gesetzt. Man hat quasi die Schattenseiten des Kapitalismus zum erstrebenswerten Normalzustand gemacht.
4.
Jay's 28.07.2010
Nun es war das erste Mal, dass man nicht unbedingt Markenwaren kauft etwas, an das man sich gewoehnen musste und wo man merkte, wie stark der Einfluss der Werbung ist. Uebrigens gehe ich auch in den USA in einen Laden, der den Aldi Bruedern gehoert, Trader Joe's. http://en.wikipedia.org/wiki/Trader_Joe%27s
5. +
harrold 28.07.2010
Zitat von sysopEs ist das Ende einer Ära: Aldi-Gründer Theo Albrecht ist gestorben. Er und sein Bruder Karl haben mit ihrem Discounter den Handel in Deutschland revolutioniert. Wie hat Aldi das Land verändert?
Ich würde nicht von Revolution sprechen. Jemand hat, um Profit zu machen, die Tante-Emma-Läden brutal verdrängt. Discounter waren, sind und werden überflüssig bleiben. Es ging nur um Profit, sprechen wir es doch aus.
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Discounter Aldi
Der Konzern
Aldi ist die unangefochtene Nummer eins der Lebensmittel-Discounter in Deutschland. Branchenexperten schätzen, dass Aldi Süd 2009 rund 28 Milliarden Euro Umsatz gemacht hat, Aldi Nord etwa 25 Milliarden Euro. Insgesamt betreibt der Marktführer in Deutschland etwa 4400 Filialen.
Aldi-Süd-Chef Karl Albrecht
  • Eigentümer von Aldi Süd
  • Vermögen: 17,35 Milliarden Euro
  • Platz eins der reichsten Deutschen


  • DPA
    Möglicherweise wurde Karl Albrecht am 20. Februar dieses Jahres 90 Jahre alt. Vielleicht aber auch nicht. Nur ganz wenige Menschen kennen das genaue Geburtsdatum des Geheimniskrämers. 1994 hatte Karl die Leitung von Aldi Süd familienfremden Managern übertragen; 2002 verließ er auch den Vorstand der Siepmann-Stiftung, in der die Firmenanteile der Familie gebündelt sind.
    Karl Albrecht hat einen Sohn und eine Tochter - Karl junior, 62, und Beate, 58. Der Junior sollte eigentlich dem Vater an die Konzernspitze nachfolgen, es stellte sich aber heraus, dass der Jurist nicht das Zeug zum Unternehmensführer mitbrachte. Schließlich zog er sich aus der Firma zurück. Karl blieb kinderlos.
    Im Gegensatz zum Bruder hat Beate nicht im Konzern gearbeitet. Ihrem Ehemann Peter Heister, 62, war der Senior nie gewogen. Er überließ dem promovierten Juristen zwar seine Tochter, nicht aber seine Firma. Heister leitete eine Papierfabrik, die Karl junior und Beate gehörte. Der Betrieb wurde verkauft.
    Beate und ihr Sohn Peter Max Heister, 34, vertreten die Familie im Stiftungsrat, der als eine Art Aufsichtsrat fungiert. Peter Max hat Betriebswirtschaft studiert und war wissenschaftlicher Mitarbeiter am Münchener KfW-Stiftungslehrstuhl für Entrepreneurial Finance. Ob er oder eines seiner fünf Geschwister irgendwann die Unternehmensleitung in Mülheim übernehmen wird, ist offen.
    Aldi-Nord-Chef Theo Albrecht
  • Eigentümer von Aldi Nord
  • Vermögen: 16,75 Milliarden Euro
  • Platz zwei der reichsten Deutschen


  • Theo Albrecht, 1971
    DPA

    Theo Albrecht, 1971

    Karls jüngerer Bruder Theo, 88, ist am Nachmittag des 24. Juli 2010 gestorben. Bis vor drei Jahren hat er sich noch jeden Tag in die Essener Zentrale seines Nordreichs chauffieren lassen - aus Sicherheitsüberlegungen immer auf unterschiedlichen Routen. In den vergangenen Jahren aber war er so schwach und krank, dass er firmeninterne Unterlagen nur noch zu Hause las. Im Unternehmen wurde der Senior von seinen beiden Söhnen Theo junior, 59, und Berthold, 55, vertreten. Sie sitzen sowohl im Verwaltungsrat, dem obersten Leitungsgremium, als auch im Vorstand der Markus-Stiftung, bei der große Teile des Familienvermögens liegen. Trotz ihrer Doppelfunktion griffen sie bislang kaum in das operative Geschäft ein. Theo junior - ein eher schwieriger Charakter - verfügte über keinerlei direkte Zuständigkeiten. Berthold, der als "netter Kerl" beschrieben wird, kümmert sich um die Aldi-Immobilien.

    Fotostrecke
    "Forbes"-Liste: Die reichsten Amerikaner