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Großer deutscher Fleischbetrieb: Mediator soll Familienstreit bei Tönnies klären

Robert Tönnies (l.) und sein Onkel Clemens Zur Großansicht
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Robert Tönnies (l.) und sein Onkel Clemens

Die Familie Tönnies braucht einen Schlichter: Die zerstrittenen Eigner des großen Schlachtereibetriebs wollen ihren Zwist mithilfe eines Mediators beilegen. Zwei hochrangige Ex-Politiker sind dafür im Gespräch.

Ein Mediator soll den Streit um die Macht bei Deutschlands größtem Fleischbetrieb Tönnies schlichten. Vor dem Landgericht Bielefeld einigten sich am Montag die beiden Gesellschafter Clemens Tönnies und sein Neffe Robert Tönnies auf den Einsatz eines neutralen Vermittlers. Beide halten jeweils 50 Prozent an dem Unternehmen.

Seit Jahren gibt es in der Familie Auseinandersetzungen um die Ausrichtung und Führung des Unternehmens. Das Landgericht wird jetzt gemeinsam mit den Streitparteien die Regeln für ein Mediationsverfahren festlegen und auch die Suche nach einem Kandidaten für diese Aufgabe begleiten. Beide Seiten erklärten sich damit einverstanden.

Zuletzt waren Versuche für eine außergerichtliche Einigung mehrmals kurz vor dem Ziel gescheitert. Hintergrund des Streits ist die Forderung von Robert Tönnies, eine frühere Schenkung von Firmenanteilen an seinen Onkel Clemens wieder rückgängig zu machen. Dadurch würde Robert eine Mehrheit an dem Unternehmen erlangen.

Clemens Tönnies schlägt Clement oder Herzog vor

Der Vorsitzende Richter Jörg Schröder hatte bereits zu Beginn einer weiteren mündlichen Verhandlung am Montag bei den Streitparteien die Chancen auf eine Einigung ausgelotet. Als beide Seiten Bereitschaft signalisierten, schlug das Gericht ein Mediationsverfahren vor.

In einem ersten Schritt sollen die Anwälte mithilfe des Gerichts die Regeln für das Verfahren abstimmen und sich dann auf einen Kandidaten einigen. Allerdings war im Herbst 2015 und erneut Anfang 2016 eine Einigung mithilfe eines neutralen Notars in Hamburg kurz vor den Unterschriften noch gescheitert. Beide Seiten geben sich gegenseitig die Schuld daran.

Den Einsatz eines Mediators hatte Clemens Tönnies bereits in den vergangenen Wochen vorgeschlagen. Er hatte die Namen des ehemaligen NRW-Ministerpräsidenten und Bundeswirtschaftsministers Wolfgang Clement sowie Ex-Bundespräsident Roman Herzog (CDU) ins Spiel gebracht.

ade/dpa

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1.
bronstin 07.03.2016
Mit einem solch bockigem Verhalten kann man eine Firma auch zugrunde richten... ein Mediator kann eine Lösung sein, um die Gegensätze zu überbrücken und Gemeinsamkeiten zu finden
2. Tönnies
Pless1 07.03.2016
Natürlich ist es besser, eine gütliche Einigung herbeizuführen. Ich muss allerdings schmunzeln ob der Namen, die Tönnies da vorschlägt. Solche Kaliber wie einen ehemaligen Ministerpräsidenten holt man bei verfahrenden Tarifverhandlungen aus dem Köcher, Altbundespräsidenten stehen selbst dafür meist nicht zur Debatte. Das zeigt das Selbstverständnis, welches C. Tönnies hat. Er scheint jede Bodenhaftung verloren zu haben.
3. Nicht hochkarätig genug...
schlaumischlumpf 07.03.2016
... Bei dem Fall sollte schon eher Ban Ki-Moon ran, ein ehemaliger Bundespräsident scheint da etwas zu tief gegriffen. Fraglich ist auch, ob Persönlichkeit alleine hilft. Mediation ist ein durchaus anspruchsvoller Prozess, den sicherlich viele Politiker und Juristen eben nicht beherrschen.
4. Firmenanteile verschenken und dann einen Patt haben
kasam 07.03.2016
zu 50-50- So kann man auch eine Firma langsam kaputt machen. Da steckt der Wurm drin, denn warum gab er Firmenanteile ab-------
5.
Pless1 07.03.2016
Zitat von kasamzu 50-50- So kann man auch eine Firma langsam kaputt machen. Da steckt der Wurm drin, denn warum gab er Firmenanteile ab-------
Weil der Onkel behauptet hat, dass sein Bruder Bernd (Vater von Robert) ihm diese auf dem Sterbebett versprochen habe. Clemens Tönnies hat dann diese Schenkung in Verbindung mit Mehrfachstimmrechten dazu genutzt, allein zu entscheiden und den Neffen quasi kaltzustellen. Die Mehrheitsstimmrechte haben die Gerichte mittlerweile gekippt. Robert beklagt, dass Clemens Tönnies dadurch mit Geld aus dem Konzern die Zur-Mühlen-Gruppe (u. a. Böklunder) übernehmen konnte, die er aber privat hält, an der also der Neffe nicht beteiligt ist. Hätte er die Einwilligung anderer Mitgesellschafter gebraucht, hätte nicht Clemens Tönnies privat diese Unternehmen kaufen können sondern nur der Konzern, sodass diese Firmen heute anteilig auch Robert gehören würden. Robert Tönnies argumentiert daher, dass Clemens die Schenkung Roberts dazu genutzt habe, Robert zu schaden und will die Schenkung wegen "groben Undanks" rückgängig machen. Nach allem, was öffentlich bekannt ist, ist Clemens Tönnies schon auf sehr ungewöhnlichen Wegen an die Macht im Tönnies-Konzern gekommen, den ja eigentlich sein Bruder Bernd gegründet hatte. Das begann schon mit der Beteiligung von 40% durch seinen Bruder, bei der allem Anschein nach auch ein erheblicher Druck seitens Clemens ausgeübt wurde.
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