Luftfahrtkonzern EADS will Rüstungssparte profitabler machen

Der Luftfahrtkonzern EADS will in seiner Rüstungssparte stark sparen: Unternehmenschef Tom Enders kündigt laut "Süddeutscher Zeitung" bereits "harte Maßnahmen" an. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, werde man die Ausgaben kürzen und die Zahl der Mitarbeiter reduzieren müssen.

EADS-Chef Tom Enders: Rüstungssparte soll noch profitabler werden
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EADS-Chef Tom Enders: Rüstungssparte soll noch profitabler werden


München - Beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS stehen offenbar scharfe Einschnitte bevor. "So viel steht jetzt schon fest: ohne harte Maßnahmen wird es nicht gehen", sagte Vorstandschef Tom Enders, der "Süddeutschen Zeitung". "Um weitere Kosten- und Personalreduzierungen werden wir nicht umhinkommen". Im Dezember werde er Konkretes sagen können.

Grund für den Sparkurs sei vor allem, dass in den vergangenen Jahren gerade in Deutschland "erkleckliche Auftragsvolumina" verloren gingen. "Hier handelt es sich um Milliardenbeträge! Das reicht vom Transportflugzeug A400M über Hubschrauber bis hin zum berühmten 'Euro-Hawk'", sagte Enders weiter. "Was an den deutschen Standorten passiert, hängt im Wesentlichen von der Auftragslage in Deutschland ab. Exportaufträge helfen natürlich, ändern dieses Bild aber nicht grundsätzlich."

Ziel sei die nachhaltige Steigerung der Ertragsfähigkeit, sagte Enders. "Und wir müssen wettbewerbsfähiger werden, vor allem auf den europäischen Märkten." So sei die Rüstungssparte Cassidian zwar am Umsatz gemessen die profitabelste im Konzern. "Aber da ist noch erheblich Luft nach oben. An der Zehn-Prozent-Marke kratzen auch die noch nicht."

Beim Großraum-Flugzeug A380 sei nach wie vor das Ziel, 2015 die Gewinnschwelle zu erreichen. "Das ist auch weiter realistisch", sagte Enders. Auf die Frage, ob er im Streit mit der Bundesregierung über einen 600-Millionen-Euro-Kredit für den Bau des neuen A350 Hoffnung habe, dass das Thema zu den Akten komme, sagte Enders: "Für uns ist das Thema erledigt. Wir haben mit der Bundesregierung leider keine Einigung erzielen können."

Die Firma hat sich einen Umbau verordnet. Dafür werden unter anderem die Rüstungs- und Raumfahrtsparten Airbus Military, Astrium und Cassidian zu dem neuen Unternehmen Airbus Defence & Space zusammengelegt. Künftig soll der Konzern zudem den Namen seiner wichtigsten Tochter Airbus tragen.

nck/dpa/Reuters

insgesamt 20 Beiträge
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Käpten Ahab 28.10.2013
1. Genau die falsche Entscheidung
trifft Herr Enders hier. Gerade Projekte wie der 400M zeigen doch genau, wo die Probleme liegen, nämlich dass EADS nicht in der Lage ist solche Projekte zu managen. Herr Enders sollte also die Qualifikationen der EADS-Militärsparte in allen Bereichen prüfen und verbessern, dann klappt das auch mit den Aufträgen. Den Politikern durch die Blume mit Arbeitsplatzverlusten "zu drohen" ist inzwischen langweilig und in der momentanen wirtschaftlichen Situation eher lächerlich.
alexander001 28.10.2013
2. 10%!
Welche kalkulierbare Anlage bringt 10%? In der Elektro kalkulierten wir in guten Zeiten mit Margen von 4 bis 6%, hier werden Menschen entlassen, um noch mehr Profit zu machen! Naja, Menschen und nachlassende Kaufkraft interessieren in dieser Branche eben überhaupt nicht, in anderen wenig. Die liebe Gier!
Reinhardt Gutsche 28.10.2013
3. Semantik
Zitat von sysopDPADer Luftfahrtkonzern EADS will in seiner Rüstungssparte stark sparen: Unternehmenschef Tom Enders kündigt laut "Süddeutscher Zeitung" bereits "harte Maßnahmen" an. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, werde man die Ausgaben kürzen und die Zahl der Mitarbeiter reduzieren müssen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/tom-enders-will-eads-ruestungssparte-profitabler-machen-a-930305.html
Der Beitrag hat mit seiner gewählten Terminologie einen begrüßenswerten Vorteil: Selten hat man in einem Leitmedium so unverblümt klargestellt, daß es sich bei den Vokabeln „Wettbewerbsfähigkeit“ und „Profitabilität“ schlicht um Synonyme handelt. Aus der Sicht deutscher Investoren von Frankreich mehr „Wettbewerbsfähigkeit“ zu fordern, heißt demnach unverschlüsselt, die dortige Regierung möge doch, bitte schön, durch eine durchgreifende Austeritätspolitik endlich dafür sorgen, daß die Rendite unserer Anleger stimmt. 10% sind dabei doch wohl das Mindeste, was man erwarten darf. Wenn der Preis dafür darin besteht, im gleichen Rhythmus Massenkaufkraft, Rentenniveau usw. abzusenken, da dann tant pis...
eine-Meinung-unter-Vielen 28.10.2013
4. Hat da jemand den Stein der Weisen gefunden?
... und hat die Entdeckung gemacht, wie Innovation und Ingenieurleistung ohne Mitarbeiter erbracht werden kann? Es scheint immer mehr Konzernspitzen zu geben, die an diesen Mythos glauben. Aber möglicherweise ist es ja auch nur wieder das alte Erpressungsspiel. Entweder die Politik fügt sich einer Lobby, oder es droht die Belastung des Sozialsystems.
wibo2 28.10.2013
5. Qualitätsprobleme ohne Ende, Major Tom versucht die Politik unter Druck zu setzen!
Zitat von sysopDPADer Luftfahrtkonzern EADS will in seiner Rüstungssparte stark sparen: Unternehmenschef Tom Enders kündigt laut "Süddeutscher Zeitung" bereits "harte Maßnahmen" an. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, werde man die Ausgaben kürzen und die Zahl der Mitarbeiter reduzieren müssen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/tom-enders-will-eads-ruestungssparte-profitabler-machen-a-930305.html
EADS erhielt von der Bundesregierung und der Europäischen Union umfangreiche Zuwendungen für Forschungsvorhaben. Deren Ergebnisse darf die Firma selbst verwerten. Derweil hören wir die Lobgesänge der Militärs, die über all diese Produkte schwärmen, die EADS für sie herstellt. Weil die sozialen Gegensätze wegen der Eurokrise sich massiv verschärfen, wird gleichzeitig an einer Militarisierung der Innenpolitik gearbeitet. Um gegen Proteste und Aufstände gut gerüstet energisch vorgehen zu können. Drohnen sollen beispielsweise innerhalb der EU zur Überwachung des gemeinen Volkes eingesetzt werden. Gleichzeitig wird auch die aggressive Außenpolitik noch weiter verstärkt. Der Verschärfung der finanziellen Krise folgt so die Steigerung des Militarismus alsbald nach. Eigentlich sollten es gute Zeiten für EADS sein! Wenn nicht die Qualitätsprobleme wären, die Folge von Managementfehlern und falschem Personaleinsatz sind.
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