Milliarden verzockt: JP Morgan trennt sich von Top-Bankern

Nach den milliardenschweren Spekulationsverlusten bei JP Morgan zieht die Bank erste Konsequenzen. Eine hochrangige Managerin muss den Konzern verlassen. Laut US-Zeitungen sollen noch in dieser Woche zwei weitere Top-Leute folgen.

Lobby im Hauptsitz der US-Bank JP Morgan: Spitzenmanager vor Abgang Zur Großansicht
REUTERS

Lobby im Hauptsitz der US-Bank JP Morgan: Spitzenmanager vor Abgang

New York - Der milliardenschwere Spekulationsverlust von JP Morgan Chase, zieht erste Konsequenzen nach sich. Wie das "Wall Street Journal" und die "New York Times" am Sonntag unter Berufung auf eingeweihte Personen berichten, wird der Abgang von drei ranghohen Bankmanagern erwartet. Sie alle arbeiten im sogenannten Chief Investment Office. Die Sparte hatte mit ihren Finanzwetten binnen sechs Wochen rund zwei Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro) verloren und damit die Reputation der größten US-Bank schwer beschädigt.

Das erste Opfer des Skandals wurde am Montag bereits namentlich: Nach mehr als 30 Jahren bei JP Morgan habe Ina Drew entschieden, die Bank zu verlassen, erklärte das Unternehmen. Drew führte seit 2005 das Chief Investment Office. Die 55-Jährige war eine der mächtigsten Frauen an der Wall Street. Im vergangenen Jahr kassierte sie noch ein Gehalt von 15,5 Millionen Dollar und damit mehr als so mancher Bankchef. Laut "New York Times" hatte Drew JP Morgan-Chef Jamie Dimon bereits mehrfach ihren Rücktritt angeboten, seit das Ausmaß der Fehlspekulationen Ende April deutlich wurde. Doch Dimon hatte sie bislang nicht ziehen lassen.

Die beiden weiteren genannten Banker arbeiten unter Drew im Londoner Wertpapierhandel von JP Morgan, wo die Verluste aufgelaufen sind. Die Bank selbst äußerte sich zu diesen Namen nicht.

Drew gilt als eine der engsten Vertrauten von JP Morgan-Chef Jamie Dimon. Sie hatte mit ihrem Team dazu beigetragen, dass JP Morgan glimpflich durch die Finanzkrise kam und die Bank of America als größtes Kreditinstitut der Vereinigten Staaten überholte.

Auf der Abschussliste steht angeblich auch Börsen-Bösewicht Bruno Iksil

Nach Angaben des "Wall Street Journal" dürfte auch Bruno Iksil die Bank verlassen. Iksil, der ebenfalls in London handelte, erlangte mit seinen risikoreichen Geschäften in der Szene die Spitznamen "Wal von London" und "Voldemort" - nach dem Bösewicht aus den weltberühmten "Harry-Potter"-Büchern von J.K. Rowling. Für den nun eingefahrenen Verlust soll der französischstämmige Iksil angeblich der Hauptverantwortliche sein.

JP Morgan-Chef Jamie Dimon hatte das Debakel am späten Donnerstag eingeräumt, am Freitag war der Aktienkurs um rund neun Prozent eingebrochen. Nach US-Medienberichten schauen sich nun die Finanzaufseher die schiefgegangenen Geschäfte an. "Es gibt dafür eigentlich keine Entschuldigung", sagte der mächtigste Banker des Landes in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview mit den Sender NBC.

Für eine Bank von der Größe JP Morgans ist der Verlust des Geldes nicht das Problem. Das Problem ist der Imageschaden. Dimon ist unter den Wall-Street-Größen der wortgewaltigste Gegner einer strengeren Bankenregulierung. "Das ist eine ziemlich unglückliche Zeit für einen solchen Fehler", räumte Dimon in dem Interview ein. Politiker in Washington forderten übers Wochenende mit Nachdruck strengere Auflagen für die Branche.

bos/AFP/dapd

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Herr Dimon versucht noch
lakechamplainer 14.05.2012
Man kann nach dem Lesen von dieser Artikel sehr leicht denken, dass Herr Dimon energisch versucht, seinen Job zu halten.
2. Ich halte meinen Atem nicht
lakechamplainer 14.05.2012
Man würde denken, Herr Dimon, der einen Director von dem NY Fed ist, wird von dieser Position bald zurücktreten. Aber ich werde nicht meinen Atem halten.
3. Das ist unmenschlich
Pandora0611 14.05.2012
In (Dumm)Deutschland können Gierbankster ihre Millionenboni und Abfindungen vor Geriocht einklagen und bekommen auch noch Recht. Und hier sollen sie einfach auf die Straße gesetzt werden; das ist "unmenschlich".
4.
Kaworu 14.05.2012
Natürlich erfolgt die Trennung von den "Top-Bankern" wohl erst nach Zahlung einer entsprechenden Prämie. War bisher ja fast immer so - und wenn nicht, dann hatten diese "Top-Banker" noch geklagt.
5. das ist erst der Anfang vom Ende ...
Communities in Victory 14.05.2012
... einer Hierarchy und der "Money Changers" Die Wahl in den USA ist nicht nur wichtig fuer die US sondern auch fuer die gesamte welt. Warum? Wir brauchen ein Neues Finanz-system weltweit. Loesungen gibt es, sind erprobt und es funkioniert. Nur die Eliten wollen es verhindern. Financial World Solutions (http://findgreat.info/usa-election-2012/item/102-financial-world-solutions) So JP Morgan ist auf den Weg ins "nie mehr wiedersehen" ...
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