Frankreich Total plant Deal mit russischem Ölkonzern

Der Zeitpunkt ist pikant: Der französische Ölkonzern Total ist laut "Financial Times" in Gesprächen mit dem russischen Wettbewerber Lukoil - trotz Krim-Krise und Sanktionen des Westens. Beide Konzerne verhandeln über eine gemeinsame Förderung von Schieferöl in Westsibirien.

Total-Raffinerie bei Paris: Haltung der Wirtschaft weicht von Politik ab
AFP

Total-Raffinerie bei Paris: Haltung der Wirtschaft weicht von Politik ab


Bangalore - Der französische Ölkonzern Total plant offenbar ein Joint Venture mit seinem russischen Konkurrenten Lukoil. Ziel der Kooperation sei die gemeinsame Förderung von Schieferöl in Russland, schreibt die "Financial Times" ("FT") unter Berufung auf Insider. Lukoil Chart zeigen erkunde derzeit die sogenannte Baschenow-Formation in Westsibirien, wo sich möglicherweise die weltweit größten Vorkommen an Schieferöl befinden.

Der Zeitpunkt ist angesichts der Krim-Annexion Russlands pikant. Allerdings seien die Verhandlungen eingeleitet worden, bevor die Europäische Union Sanktionen gegen Russland beschlossen habe, hieß es weiter. Auch der Ausgang der Gespräche sei offen.

Ein Deal mit Total Chart zeigen würde einen Strategiewechsel für den größten privaten Energiekonzern Russlands bedeuten, der bislang eine Kooperation mit einem ausländischen Unternehmen abgelehnt habe, schreibt die "FT". Eine Stellungnahme der beiden Ölkonzerne lag zunächst nicht vor.

Die Gespräche zwischen Total und Lukoil verdeutlichen, wie sehr die Haltung der westlichen Wirtschaft von der offiziellen Politik der EU abweicht. Erst am Mittwoch hatte Siemens-Chef Joe Kaeser Russlands Präsident Wladimir Putin und Eisenbahnchef Wladimir Jakunin einen Besuch abgestattet. Jakunin steht ´höchstpersönlich auf der Sanktionsliste der USA. Auch Bahn-Chef Rüdiger Grube plant, demnächst nach Russland zu reisen. Zunächst soll Logistik-Vorstand Karl-Friedrich Rauch kommende Woche nach Russland reisen, Grube selbst will demnächst folgen und dort seinen Kollegen von der russischen Staatsbahn treffen.

Ost-Ausschuss verteidigt Reise des Siemens-Chefs

Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft verteidigte unterdessen die Reise von Siemens-Chef Kaeser. "Mit einem Abbruch von Gesprächen und einer weiteren Isolierung Russlands lösen wir keine Probleme, im Gegenteil", sagte der Vorsitzende Eckhard Cordes der "Süddeutschen Zeitung". "Deshalb ist es gut und richtig, dass deutsche Unternehmen in Abstimmung mit der Bundesregierung geplante hochrangige Treffen weiter wahrnehmen." Allen Seiten werde dadurch bewusst, wie eng sie wirtschaftlich miteinander verbunden seien.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass Wladimir Jakunin auf der Sanktionsliste der EU steht. Das ist nicht korrekt. Tatsächlich steht Jakunin auf der Sanktionsliste der Vereinigten Staaten. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

yes/Reuters



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insgesamt 40 Beiträge
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micromiller 28.03.2014
1. beruhigend, dass die wirtschaft die interessen der menschen
westeuropas ueber die der konkurrierenden mafiagruppen in kiev stellt.
robbyy 28.03.2014
2. Seht ihr,.....
Business as usual... ...alles nur Geplänkel um die Öffentlichkeit alarmiert zu halten und um die Nationalisten zu besänftigen. Der ganze Krim-Anschluß ist ein abgemachter Deal und der Preis für die Westanbindung der Rest-Ukraine....
petro23 28.03.2014
3. Hallo Wutbürger?
Anti-Fracking Community, wo seid ihr? Schon jemand wach? Oder ist die Umwelt in Sibirien etwa weniger schützenswert? Ich vermute eher, dass man hierzulande etwas überdreht.
r.muck 28.03.2014
4. Wirtschaft
Die europäische Wirtschaft ist einer der wenigen Lichtblicke in der causa Krim. Die Transatlantiker in Regierungen und Mainstream-Medien begreifen noch nicht mal im Ansatz welch böses Spiel Obama mit ihnen treibt.
bolshii 28.03.2014
5. Zeit gutes zu tun ...
Herr Hollande! Und bitte: Reißen Sie das Ruder nicht in die falsche Richtung. Aber vielleicht sind Sie ja linker als man allgemein annimmt.
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