Gaspedal-Panne Toyota muss in den USA Milliardenstrafe zahlen

Die Rückrufaktion wegen defekter Gaspedale verfolgt Toyota noch immer. In den USA stimmte der japanische Autobauer jetzt einer Zahlung von 1,2 Milliarden Dollar zu. US-Justizminister Holder bezeichnete Toyotas Verhalten in der Pannenserie als "schändlich".

Toyota-Händler in Virginia: "Es ist ein beispielloser Fall"
DPA

Toyota-Händler in Virginia: "Es ist ein beispielloser Fall"


Washington - Um ein Strafverfahren wegen defekter Gaspedale abzuwenden, hat Toyota in den USA der Zahlung von 1,2 Milliarden Dollar zugestimmt. Damit zieht die US-Justiz den japanischen Autobauer für eine Pannenserie bei Gaspedalen zur Rechenschaft. Toyota Chart zeigen wird vorgeworfen, das Ausmaß der Mängel vertuscht und die Öffentlichkeit wiederholt belogen zu haben. Bei Unfällen sollen zahlreiche Menschen zu Tode gekommen sein.

"Toyotas Verhalten war schändlich", sagte Justizminister Eric Holder am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Washington. Das Fehlverhalten rechtfertige "die höchste Strafe, die je gegen eine Autofirma in der US-Geschichte verhängt worden ist".

Autobesitzer in den USA hatten berichtet, ihre Wagen hätten von selbst beschleunigt. Toyota startete daraufhin 2009 und 2010 einen Massenrückruf wegen klemmender Gaspedale und rutschender Fußmatten, welche die Pedale blockieren konnten. Die Verkäufe brachen in der Folge ein.

Über Monate waren die US-Medien voll mit schrecklichen Unfallbildern. Am bekanntesten ist das Schicksal des Polizisten Mark Saylor und seiner Familie. Als die Fußmatte das Gaspedal ihrer Lexus-Limousine blockierte und der Wagen mit mehr als 160 Stundenkilometern von der Fahrbahn abkam, starben der 45-Jährige, seine Frau, seine Tochter und sein Schwager. Ein Mitschnitt des Handynotrufs hielt das Geschehen fest.

Der bei den Ermittlungen federführende Generalstaatsanwalt von Manhattan, Preet Bharara, warf Toyota vor, die technischen Mängel nur auf Druck von außen und häppchenweise eingeräumt zu haben. "Toyota hat mehrfach versichert, dass die Probleme gelöst seien", sagte er. "Das war falsch." Toyota-Manager hätten zudem versucht, Spuren ihres Verhaltens zu verwischen. "Es ist ein beispielloser Fall."

"Ein großer Schritt vorwärts"

Toyota hat bereits mehr als 66 Millionen Dollar an Strafen an die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA gezahlt. Zudem verklagten Hinterbliebene von Unfallopfern den Autokonzern auf Wiedergutmachung. Darüber hinaus verlangten Autobesitzer eine Entschädigung für den Wertverlust ihrer Wagen. Mit letzterer Gruppe einigte sich Toyota Ende 2012 auf die Zahlung von 1,1 Milliarden Dollar.

Toyotas Chefjustiziar Christopher Reynolds erklärte in einer Mitteilung, es sei schwergefallen, den jetzigen Vergleich einzugehen. Es sei aber "ein großer Schritt vorwärts, um dieses bedauernswerte Kapitel hinter uns zu bringen".

Bei etlichen Unfällen bestehen heute Zweifel daran, ob tatsächlich technische Mängel Schuld daran waren. So hatten Elektronikspezialisten der Raumfahrtbehörde Nasa den Autobauer entlastet. Viele der gemeldeten Unfälle seien auf Fehler der Fahrer zurückzuführen, lautete das Ergebnis einer Anfang 2011 vorgestellten Studie im Auftrag der NHTSA.

Der Toyota-Vergleich kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der US-Autokonzern General Motors Chart zeigen (GM) sich ähnliche Vorwürfe wegen eines verschleppten Rückrufs anhören muss. Bei 1,6 Millionen älteren Wagen kann wegen fehlerhafter Zündschlösser der Motor während der Fahrt ausgehen. GM bringt zwölf Tote mit dem Defekt in Verbindung, Verbraucherschützer gehen von weit höheren Opferzahlen aus.

Der US-Kongress hat bereits Anhörungen angekündigt, laut US-Medien ermitteln auch Staatsanwälte. Das wollte Justizminister Holder zwar weder bestätigen noch dementieren. Auf den Fall General Motors angesprochen, sagte er jedoch: "Wir nehmen diese Sachen sehr ernst. Unternehmen werden zur Verantwortung gezogen."

dab/dpa



insgesamt 9 Beiträge
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Andreas-Schindler 19.03.2014
1. Merkwürdig
Es hieß doch das ALLE Unfälle auf Fehler der Fahrer zurückzuführen sind. Warum soll Toyota eine Strafe dafür Bezahlen das US-Fahrer zu Blöde zum Autofahren sind? Vielleicht braucht die USA bessere Fahrschulen, damit die Leute Wissen das ein loser Teppich auch hinter den Pedalen sich schieben lassen kann. Vor allem stellt sich die Frage was GM zahlen muss bei über 300Toten wegen Fehlerhaften Zündschloss.
acitapple 19.03.2014
2.
moment mal, ist nicht bei der nachuntersuchung, NACHDEM sich die presse beruhigt hatte, rausgekommen, dass alle 20 unfälle auf fehler der fahrer zurückzuführen waren und toyota damit komplett unschuldig war ? sorry, aber so hab ich das in erinnerung...
karx11erx 19.03.2014
3. Schändlich?
Schändlich ist es, Produkthersteller für jede Dummheit der Konsumenten verantwortlich zu machen, statt Verantwortung zu übernehmen, wenn sie einem zufällt? Na, wie sagte doch mal jemand: Man sollte in den USA einfach überall die Warnhinweise entfernen, dann hätte sich das Problem mit der Dummheit in einem Jahr von selbst gelöst ...".
TimmThaler 19.03.2014
4.
Zitat von acitapplemoment mal, ist nicht bei der nachuntersuchung, NACHDEM sich die presse beruhigt hatte, rausgekommen, dass alle 20 unfälle auf fehler der fahrer zurückzuführen waren und toyota damit komplett unschuldig war ? sorry, aber so hab ich das in erinnerung...
Was die Amerikaner trotzdem nicht hindern würde, die Japaner zu verklagen. Und vor einem amerikanischen Gericht Recht zu bekommen... Meine Firmenhaftpflicht haftet weltweit. Exclusive USA und Kanada. Noch Fragen?
quark@mailinator.com 19.03.2014
5. Ach
Nachdem die US-Regierung die schon fast bankrotten Autogrößen gerettet hat (war das kein Eingriff in den Markt ?), holt sie sich nun das Geld bei den ausländischen Autobauern wieder. Bei den Banken passiert das Gleiche. Immer wieder schön, wenn man Supermacht ist.
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