Defekte an der Lenkung: Toyota ruft 2,7 Millionen Autos zurück

Schon wieder muss Toyota eine gigantische Rückrufaktion verkünden: Wegen Problemen mit der Lenkung und den Wasserpumpen müssen Millionen Autos überprüft werden. Betroffen sind vor allem die Hybridmodelle des weltgrößten Autobauers.

Toyota-Logo auf Pariser Automobilsalon: Erneute Rückrufaktion

Tokio - Bereits zum dritten Mal in drei Monaten muss der japanische Autobauer Toyota Chart zeigen Millionen Fahrzeuge zur Überprüfung in die Werkstatt zurückrufen. Weltweit sollen mehr als 2,7 Millionen Autos zur Inspektion. Grund dafür seien Probleme mit den Wasserpumpen und mit der Lenkung, teilte der Konzern am Mittwoch mit. Vor allem Hybridfahrzeuge des bei dieser Technik erfolgreichen Herstellers sind betroffen.

Allein in Japan erstreckt sich die erneute Rückrufaktion auf 1,5 Millionen Fahrzeuge, in den USA müssten 670.000 Autos überprüft werden, europaweit fast eine halbe Million.

In Deutschland seien knapp 61.000 Fahrzeuge betroffen - 40.400 Avensis aus dem Produktionszeitraum August 2002 bis Oktober 2008, 4000 Corolla aus dem Zeitraum von Juli 2001 bis März 2004 und 16.500 Prius II aus dem Zeitraum Juni 2003 bis März 2009. Bei diesen Modellen muss ein Bauteil der Lenkung ausgetauscht werden, teilte Toyota Deutschland mit. Beim Prius II bestehe zudem die Möglichkeit, dass eine elektrische Wasserpumpe für die Kühlung des Hybridsystems versagen könne.

In Unterlagen für das japanische Verkehrsministerium hieß es, mehrere hundert Fehler seien festgestellt worden, allerdings gebe es keinen Unfall, der auf die Mängel zurückzuführen sei.

Imageschaden durch Rückrufaktionen

Zuletzt hatten sich die Rückrufaktionen bei dem weltweit größten Autohersteller gehäuft. Im Oktober mussten 7,5 Millionen Fahrzeuge der Modelle Corolla, Yaris und Camry wegen Mängeln bei elektrischen Fensterhebern zur Inspektion gerufen werden. Davon waren allein in Deutschland 136.000 Fahrzeuge betroffen. Im August hatte es bereits eine Überprüfungsaktion der Spurstangen an der Hinterachse bei weltweit 1,5 Millionen Toyota-Fahrzeugen gegeben.

Toyota ist seit einigen Jahren äußerst sensibel bei Fehlern und hat bereits mehrfach freiwillig Rückrufe gestartet. Hintergrund ist die bisher größte Rückrufaktion des Konzerns in den Jahren 2009 und 2010, bei der mehr als zwölf Millionen Autos wegen klemmender Gaspedale und rutschender Fußmatten in die Werkstätten beordert wurden.

Obwohl sich die meisten der gemeldeten Vorfälle damals als Fehler der Fahrer herausstellten, litt der Ruf des Autobauers erheblich.

fdi/AFP

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insgesamt 45 Beiträge
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1. Rückruf Toyota nur konsequent
marsmachtmobil 14.11.2012
Für mich ist diese Rückrufaktion nur konsequent und autofahrerfreundlich! Das sollten unsere deutschen Autohersteller ebenfalls befolgen, anstatt den Imageschaden zu fürchten, werden Fehler verschwiegen und der Autofahrer ist zum Schluss der Dumme! Wie bei den fehlerhaften Steuerketten bei VW Touran!
2.
Hafenschiff 14.11.2012
Das mit den Rückrufaktionen bei Toyota ist eine gute Sache. Das zeigt, dass dort Wert auf Sicherheit und Qualität gelegt wird, selbst noch wenn die Fahrzeuge schon längst verkauft und beim Kunden im Einsatz sind. Ich glaube, es sollten sich lieber diejenigen Sorgen machen, deren Autohersteller nie Rückrufaktionen durchführen. Denn fehlerfrei oder von besserer Qualität sind deren Fahrzeuge mit Sicherheit auch nicht, eher im Gegenteil. Und die Tatsache, dass diese Hersteller dennoch keinerlei Rückrufaktionen oder zusätzliche Inspektionen durchführen, sollte die Fahrer dieser Fahrzeuge eigentlich nachdenklich stimmen.
3. Unverstaendlich
tanenui76 14.11.2012
Ich kann mich nicht entsinnen, dass Toyota jemals Rueckrufaktionen vor der Jahrtausendwende gehabt hatte. Koennte es daran liegen, dass Toyota Teile aus China importiert? Ich kann mich erinnern, wie in den Anfeangen der 90'er viele deutsche Autohersteller und andere Industrien, Teile von Osteuropa importiert haben und sich beschwerten, wie lausig die Qualitaet war.
4. optional
_luxus_ 14.11.2012
Ist doch super, andere Automarken halten diesen Schritt nicht für notwendig obwohl Korrekturen notwendig wären bzw. Fehler vorhanden sind. Für mich ein Zeichen der guten Qualität. Nicht nur das Produkt verkaufen sondern auch die Weiterbetreuung ist wichtig.
5. Hmm...
Jonny_C 14.11.2012
Fensterheber sind ja nicht Sicherheitsrelevant, aber Spurstangen und Lenkung schon. Was ist los bei Toyota zuviel "Kaizen" ?!
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Toyota-Historie: Ein Autohersteller mit IQ

Große Rückrufaktionen
Autohersteller mussten schon oft Fahrzeuge wegen möglicher Sicherheitsgefahren in die Werkstätten zurückrufen. Mehrfach waren mehr als eine Million Wagen betroffen - eine Übersicht.
Oktober 2009
Ein kleiner Schalter beschert dem US-Autobauer Ford die größte Rückrufaktion seiner Geschichte. Weil ein defekter Geschwindigkeitsregler Feuer auslösen kann, muss der Hersteller in den USA 4,5 Millionen ältere Modelle zurückrufen. Von dem seit langem bekannten Defekt des Tempomat-Schalters sind damit seit 1999 insgesamt rund 16 Millionen Fahrzeuge betroffen. Die Modelle stammen aus den Jahren 1992 bis 2003.
Januar 2009
Der japanische Autobauer Toyota ruft mehr als 1,35 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten, weil es Probleme bei den Sicherheitsgurten und der Abgasanlage gibt. In Japan betrifft der Rückruf rund 526 000 Kleinwagen. Weitere 830 000 Fahrzeuge wurden im Ausland verkauft, vornehmlich in Europa und Nordamerika.
Dezember 2007
Ford ordert 1,17 Millionen Fahrzeuge wegen eines defekten Motorsensors zurück. Es handelt sich um Lastwagen, Geländewagen und Vans der Baujahre 1997 bis 2003.

April 2005
Wegen möglicher Sicherheitsmängel sollen mehr als zwei Millionen Fahrzeuge des US-Autobauers General Motors in die Werkstatt. Darunter sind 1,5 Millionen Kleinlaster und Geländewagen, bei denen es Problemen bei den Sitzgurten gibt. Von dem Rückruf sind hauptsächlich Fahrzeuge in den USA betroffen, darunter der Cadillac Escalade, der Yukon und der Hummer H2.

März 2005
DaimlerChrysler ruft weltweit 1,3 Millionen Mercedes-Personenwagen zur Überprüfung von Elektronik und Bremsen in die Werkstätten zurück. Bei bestimmten Modellen vom Baujahr 2001 an werden Spannungsregler der Lichtmaschine, die Software der Stromversorgung sowie Bremsanlagen geprüft.
November 2004
In Nordamerika sollen fast 1,5 Millionen von General Motors gebaute Fahrzeuge überprüft werden. Rund 947 000 Geländewagen müssen wegen einer schadhaften Heckleuchte repariert werden. Bei anderen Autos gibt es Probleme mit dem Gaspedal.
Januar 2004
Die Chrysler Group ruft 2,7 Millionen Autos der Modelljahre 1993 bis 1999 wegen möglicher Probleme mit dem Automatikgetriebe zurück.
Oktober 2003
Wegen eines Motordefekts ordert der japanische Autobauer Nissan weltweit 2,56 Millionen Fahrzeuge zurück. Betroffen sind 25 Modellreihen, die zwischen April 1998 bis September 2003 hergestellt wurden. In Deutschland und Europa sind die Modelle Almera, Almera Tino, Primera und der Geländewagen X-Trail betroffen. In den USA werden etwa 700 000 Fahrzeuge und in Japan 1,02 Millionen Wagen zurückgerufen. ssu/dpa