Transit-Blockade: Weißrussland stoppt Gaslieferung in die EU
Der Gasstreit zwischen Weißrussland und Russland eskaliert - und gefährdet jetzt die Energieversorgung von EU-Ländern: Nachdem der russische Konzern Gazprom seine Lieferungen drosselte, hat Minsk den Transit Richtung Westen unterbrochen. Auch Deutschland ist von der Blockade betroffen.
Minsk - Nun bekommt auch die Europäische Union den Streit zwischen Weißrussland und Russland zu spüren: Die Regierung in Minsk hat angeordnet, den Gastransit in die EU zu stoppen. Der russische Konzern Gazprom hatte am Morgen die Lieferung an Weißrussland abermals um 15 Prozent auf nunmehr 70 Prozent der üblichen Liefermenge gedrosselt. Über Weißrussland laufen 10 bis 20 Prozent der gesamten russischen Gaslieferungen an die EU.
Noch am Montag war die EU-Kommission davon ausgegangen, dass die Mitgliedsländer keine Auswirkungen des Streits zu befürchten hätten. Am Dienstagmorgen teilte dann der Vertreter der EU-Kommission in Russland, Michael Webb, mit, der stellvertretende russische Ministerpräsident Igor Setschin habe die EU über mögliche Lieferunterbrechungen informiert.
Die Mitgliedstaaten der EU spüren den Transitstopp in unterschiedlichem Ausmaß. Litauen etwa wird zu 100 Prozent über diesen Weg versorgt. Deutschland wäre ebenso wie Polen "indirekt" betroffen, hieß es seitens der EU-Kommission. Beide Länder füllen im Sommer ihre Speicher mit Gas aus Weißrussland auf. Unmittelbare Auswirkungen auf die Kunden befürchtet EU-Vertreter Webb vorerst nicht - in den warmen Monaten ist der Gasverbrauch gering. Auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) rechnet daher nicht mit einem akuten Versorgungsengpass. Zudem stünden Deutschland alternative Liefermöglichkeiten zur Verfügung.
Trotzdem ist Brüssel an einer schnellen Beilegung der Auseinandersetzung gelegen. "Wir erwarten, dass die Gasversorgung nach Westeuropa nicht beeinträchtigt wird und dass die Verträge erfüllt werden", sagte die Sprecherin von EU-Energiekommissar Günther Oettinger, Marlene Holzner, am Dienstag in Brüssel. "Wir beobachten weiterhin die Situation." Russland habe zugesichert, im Fall von Sperrungen auf das ukrainische Transitsystem auszuweichen.
"Wir werden sicher nicht zwei Wochen warten"
Hintergrund der Auseinandersetzungen sind offene Gasrechnungen Weißrusslands über 192 Millionen Dollar. Russlands Präsident Dmitrij Medwedew hatte deshalb angeordnet, die Gaslieferung in das Nachbarland schrittweise um bis zu 85 Prozent zu senken, bis die Schulden beglichen sind. Das finanzschwache Weißrussland hatte seine Schulden zunächst zwar anerkannt und zwei Wochen Zahlungsaufschub erbeten, um das Geld aufzutreiben. "Wir werden aber sicher nicht diese zwei Wochen warten", sagte Gazprom-Sprecher Sergej Kuprijanow. Eine angebotene Zahlung in Naturalien hatte der russische Präsident im Staatsfernsehen brüsk abgelehnt.
Deswegen tritt das weißrussische Regime nun die Flucht nach vorn an. Man werde die Weiterleitung von Gas nach Europa unterbrechen, solange der russische Gasriese Gazprom "nicht den Transit seines Gases bezahlt", sagte der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko am Dienstag bei einem Treffen mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow, das im Fernsehen übertragen wurde. "Die Aussagen der russischen Führer erniedrigen das weißrussische Volk."
Minsk wirft Moskau jetzt vor, nicht Weißrussland schulde Russland Geld für Gas, sondern Russland habe Transitgebühren für das Weiterleiten des Gases in Richtung Westen nicht bezahlt. Somit seien es die Russen, die die Verträge nicht eingehalten hätten, sagte Lukaschenko.
Russische Medien sehen in dem Konflikt ein Druckmittel, um Weißrusslands Widerstand gegen eine von Russland angestrebte Dreier-Zollunion mit Kasachstan zu brechen.
Der Streit erinnert an den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine in den vergangenen Jahren. Der Kreml hatte der Regierung in Kiew ebenfalls vorgeworfen, Gaslieferungen nicht bezahlt zu haben. Auch in diesem Fall kam es zu einer Unterbrechung des Gastransits in Richtung Westen.
fdi/AFP/dpa-AFX/Reuters/apn
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- Dienstag, 22.06.2010 – 14:14 Uhr
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Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.
Bevölkerung: 142,958 Mio.
Fläche: 17.098.200 km²
Hauptstadt: Moskau
Staatsoberhaupt:
Wladimir Putin
Regierungschef: Dmitrij Medwedew
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