Magnetschwebebahn Bayerische Firma reaktiviert Transrapid - als S-Bahn

Der Transrapid gilt als einer der größten Technologieflops der deutschen Geschichte. Ein mittelständisches Bauunternehmen setzt nun wieder auf die Magnetschwebebahn - im Nahverkehr.

Modell des alten Transrapids (2012)
picture alliance / dpa

Modell des alten Transrapids (2012)


Die Magnetschwebebahn Transrapid war ein Prestigeprojekt der deutschen Wirtschaft: innovativ, umweltschonend, bis zu 500 Kilometer in der Stunde schnell. Den Durchbruch schaffte der Zug allerdings nie, auch wegen der extrem hohen Kosten.

Dieses Problem glaubt die Firma Max Bögl aus der Oberpfalz nun gelöst zu haben. Das mittelständische Bauunternehmen betreibe in Bayern eine 800 Meter lange Teststrecke für eine fahrerlos verkehrende Magnetschwebebahn, berichtet das "Handelsblatt".

Anders als der Transrapid soll das "Transportsystem Bögl" (TSB) allerdings nicht auf großen Distanzen und mit hohen Geschwindigkeiten eingesetzt werden, sondern im Nahverkehr, auf Entfernungen von 5 bis 30 Kilometern. Nach Angaben des Unternehmens würden die Kosten durch die niedrigere Reisegeschwindigkeit von bis zu 150 Kilometern pro Stunde deutlich geringer ausfallen als beim Transrapid. Die Kosten für einen Kilometer Strecke taxiert das Unternehmen auf etwa 50 Millionen Euro.

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Transrapid: Letzte Fahrt nach Nortrup

Max Bögl war bereits als Zulieferer beim Bau des ursprünglichen Transrapids mit an Bord. Die neue Magnetschwebebahn könne bei der Anbindung von Flughäfen oder Messegeländen an die Innenstadt zum Einsatz kommen. Das Unternehmen plane in der Provinz Chengdu den Bau einer 3,5 Kilometer langen Teststrecke, zusammen mit einem chinesischen Partner.

"Ich bin mir sicher, dass die Magnetschwebetechnik angepasst auf den Personennahverkehr weltweit zukunftsweisend ist", zitiert das "Handelsblatt" Firmenchef Stefan Bögl. Ähnlich optimistisch waren allerdings auch die Entwickler des Transrapids.

Mehr zum Thema: Was wurde eigentlich aus dem Transrapid?

beb



insgesamt 133 Beiträge
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Flauschie 09.07.2018
1. Ein klassisches Beispiel zeitgenoessischer ...
... deutscher Kultur. Der Transrapid wurde sprichwoertlich totdiskutiert - wie so vieles andere auch (Gentechnik etc. pp). Wer so ein bisschen rumgekommen ist, der weiss, dass Japan der Goldstandard in Sachen Bahnqualitaet ist. Wieso wird dort gerade die Infrastruktur fuer den SCMaglev gebaut, waehrend das Konzept in Deutschland fuer undurchfuehrbar gehalten wurde?
Kassalla! 09.07.2018
2. Die Irrtümer des Herrn Bögl
Messegelände und Flughäfen sind üblicherweise heute schon exzellent über U-Bahnen, S-Bahnen oder reguläre Zugverbindungen mit den Innenstädten verbunden. Messegelände leiden zudem darunter, daß der Sinn von solchen Großausstellungen mittlerweile hinterfragt wird und die Besucherzahlen eher zurückgehen, weil man sich über neue Produkte und Dienstleistungen auch bequem im Internet informieren kann. Wo da ein sinnvoller Einsatzzweck für ein weiteres Transportgerät sein soll, ist mir schleierhaft. 50 Millionen Euro pro Kilometer erscheinen mir außerdem weit überteuert.
olivergarch 09.07.2018
3. Mit dem Porsche zum Briefkasten
Einen Zug, der erst auf langen Strecken seine Vorzüge entfaltet, auf einer Kurzstrecke einsetzen? Wo liegen die Vorteile gegenüber klassischen Verkehrsmitteln? Ist die Beschleunigung derart viel besser?
Ein_denkender_Querulant 09.07.2018
4. leise und hohe Steigfähigkeit
Die Vorteile des Konzeptes sind vor allem, dass es leise ist und hohe Steigungen überwinden kann. Beides ideal für den bergigen Nahverkehr. Konkurrenzfähig zur Bundesbahn konnte der Transrapid nie werden, da er keinen Schwerlastgüterverkehr ermöglicht. Sind es allerdings Strecken durch unsere Mittelgebirge, würde man horrende Kosten für Tunnel und Brücken sparen. Eine Strecke Hamburg Berlin war immer schon absurd. Da war schon der Schienenzeppelin schnell genug.
Prinzen Paule 09.07.2018
5. Fachkräftemangel in der Politik !
Was die CSU nicht geschafft hat schafft Max Bögl. Hier zeigt sich wieder das Politiker eben keine Erfahrung und Know-how haben in der Wirtschaft! Beste Beispiel BER. Da muss ein kleiner Bauunternehmer aus der Oberpfalz kommen und es so richtig den Verantwortlichen zeigen. Ich werde sofort Aktien von diesen Unternehmen kaufen sollten Sie welche haben. Dieses Konzept kann auch unser Transport Problem über die Alpen Lösen da unbemannte Kabinen mit Güter durch die Alpen transportieren können! Aber darüber hatte noch keiner dieser Verkehrsexperten in der Politik nachgedacht . Zeigt sich halt immer wieder das sie nichts auf der Pfanne haben... Max Bögl go for this project and I will support you
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