Trasse für Stuttgart 21 Eisenbahn-Bundesamt verweigert Baufreigabe

Die Bahn bekommt neuen Ärger im Zusammenhang mit Stuttgart 21. Laut einem "Stern"-Bericht hat das Eisenbahn-Bundesamt den Bau der zu dem Projekt gehörenden Schnelltrasse von Wendlingen nach Ulm nicht genehmigt. Die Kosten seien zu niedrig angesetzt.

Stuttgart-21-Gegner auf dem Parteitag der CDU: Mehrkosten und Zeitverzögerungen
dpa

Stuttgart-21-Gegner auf dem Parteitag der CDU: Mehrkosten und Zeitverzögerungen


Hamburg/Bonn - Neuer Ärger für die Bahn und ihren milliardenschweren Umbau rund um den Stuttgarter Bahnhof: Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) hat offenbar den Bau der zu dem Mammut-Vorhaben gehörenden Neubaustrecke von Wendlingen nach Ulm nicht genehmigt. Die neue Strecke durch die Schwäbische Alb soll die Fahrzeit vom Stuttgarter Hauptbahnhof nach Ulm von 54 Minuten auf 28 Minuten verkürzen. Wie das Magazin "Stern" berichtet, hat die oberste Kontroll- und Aufsichtsbehörde jedoch die Notbremse gezogen.

In Absprache mit dem Verkehrsministerium würden "vorläufig keine Baufreigaben in finanzieller Hinsicht erteilt", heißt es in einem Schreiben der Bonner Behörde an die Deutsche Bahn vom 7. September 2010. Unter anderem befürchteten die EBA-Beamten, dass beim Bau zweier Tunnel auf die Schwäbische Alb "Mehrkosten in Höhe von ca. 280 Millionen Euro zu verzeichnen sind".

Aus der Erfahrung mit anderen Projekten sei "nicht zu erwarten, dass derart hohe Mehrkosten (...) kompensiert werden können", heißt es laut dem Magazin. Das EBA vertritt demnach die Auffassung, dass "die Gesamtfinanzierung des Vorhabens zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesichert" sei. Die Bahn beziffert die Kosten von Stuttgart 21 offiziell auf 2,89 Milliarden Euro. Intern werde aber längst mit einer "höheren Gesamtsumme" gerechnet als "öffentlich kommuniziert".

Nach Informationen des SPIEGEL erwartet die Bahn längst Kosten in Höhe von rund vier Milliarden Euro - und das auch nur, weil nachträglich der Rotstift an die genehmigten Pläne angesetzt wurde, um 900 Millionen Euro zu sparen. So soll beispielsweise bei Tunnelbauten auf der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm weniger Stahlbeton eingesetzt werden als ursprünglich vorgesehen. "Wir sollen sichere Tunnel bauen, aber keine Bunker", sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube.

"Der Gesamtterminplan ist nicht mehr realistisch"

Genehmigt sind die dünneren Tunnelwände und die weiteren Sparvorschläge allerdings noch nicht. Wie auch: Die Bahn teilte im Oktober mit, dass die entsprechenden Anträge beim EBA noch nicht gestellt seien. Bevor es Ausführungsplanungen gebe, müssten die Aufträge für die Tunnelarbeiten vergeben werden. Damit rechnet die Bahn erst 2011.

Das führt zu Verzögerungen: Laut "Stern" ist es auch fraglich, ob die Zeitpläne eingehalten werden können. Das Magazin zitiert ein Bahn-internes Dokument, in dem es heißt: "Der Gesamtterminplan ist unter den aktuellen Randbedingungen nicht mehr realistisch und der Inbetriebnahmetermin 2019 nicht mehr zu halten." Die Deutsche Bahn halte indes an den Finanz- und Zeitplänen fest, sagte ein Sprecher laut "Stern". Der Terminplan sei zwar "ambitioniert", aber es sei "weiterhin möglich, ihn einzuhalten".

ore/dapd



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 88 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
orion4713 17.11.2010
1. .
Zitat von sysopDie Bahn bekommt neuen Ärger im Zusammenhang mit Stuttgart 21. Laut einem "Stern"-Bericht hat das Eisenbahn-Bundesamt den Bau der zu dem Projekt gehörenden Schnelltrasse von Wendlingen nach Ulm nicht genehmigt. Die Kosten seien zu niedrig angesetzt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,729605,00.html
der ganze Vorgang zeigt deutlich, dass wir nur noch ein Abnickerparlament haben, das nur als Alibi dafür dient, den S21-Gegnern entgegenzuhalten, dass ja alles demokratisch beschlossen sei! Was beschließen eigentlich die Parlamente?
Boandlgraber 17.11.2010
2. Titelverweigerer
Zitat von orion4713der ganze Vorgang zeigt deutlich, dass wir nur noch ein Abnickerparlament haben, das nur als Alibi dafür dient, den S21-Gegnern entgegenzuhalten, dass ja alles demokratisch beschlossen sei! Was beschließen eigentlich die Parlamente?
Stets die verbrecherische Bereicherung der Eliten.
abstinent 17.11.2010
3. Fehler im Text
In dieser nachricht gehen verschiedene dinge durcheinander. lediglich die Stern-nachricht wird richtig wiedergegeben, alles andere vermischt aussagen über die neubaustrecke mit solchen über stuttgart 21. das sind aber zwei paar stiefel.
Eberschmidt 17.11.2010
4. Irrelevant
Zitat von sysopDie Bahn bekommt neuen Ärger im Zusammenhang mit Stuttgart 21. Laut einem "Stern"-Bericht hat das Eisenbahn-Bundesamt den Bau der zu dem Projekt gehörenden Schnelltrasse von Wendlingen nach Ulm nicht genehmigt. Die Kosten seien zu niedrig angesetzt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,729605,00.html
Ich traue meinen Augen kaum: Das Schreiben vom EBA ist vom 7. September - geht die Post so langsam, daß die DB es jetzt erst bekommen hat? Oder haben sie es etwa verheimlicht - äh - ich meine, seine Wichtigkeit unterschätzt? Wenn Deutschland gut funktioniert, sollte es allerdings wirklich nicht wichtig sein, daß die Gesamtfinanzierung und der Terminplan sowie die Baugenehmigungen bei Baubeginn nicht vorliegen. Denn sonst könnte in Deutschland *nie wieder ein Großprojekt verwirklicht werden, *und Sie wissen ja - das ist ein Argument, das immer sticht. Ich liebe dieses Land - es ist wie im Irrenhaus, und das hat mir schon immer gut gefallen.
Baikal 17.11.2010
5. In diesem Fall..
Zitat von BoandlgraberStets die verbrecherische Bereicherung der Eliten.
.. der Immobilienspekulanten, der Beratungsmafia, der Großkanzleien für das Aufsetzen und Hintergehen der Verträge und wahrscheinlich auch der Parteikassen. Parlament eben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.