Oslo - Die Entrüstung über die Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko ist gewaltig - die weltweite Energiegier zügelt sie nicht: Nach Brasilien hat nun auch Norwegen den Grundstein für neue riskante Förderungen gelegt. Am Mittwoch schrieb die Regierung in Oslo weitere Offshore-Ölbohrungen aus. Die Regierung will die Zuschläge im Frühjahr 2011 erteilen.
Insgesamt handelt es sich um 94 Erkundungs-Blöcke, einige davon liegen in der Tiefsee. Eine Ausbeutung wäre also nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Auch die im Golf von Mexiko explodierte und gesunkene Bohrinsel "Deepwater Horizon" stand in der Tiefsee, was das Stopfen des Lecks nun erheblich erschwert.
Umweltschützer kritisierten die Entscheidung der norwegischen Regierung daher scharf. Der Ölminister ignoriere die Warnungen von Experten und rolle der Ölindustrie den roten Teppich aus, erklärte Lars Haltbrekken, Vorsitzender von Friends of the Earth in Norwegen. Der Verkauf von Öl und Gas trägt rund ein Viertel zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) Norwegens bei. Seit mehreren Jahren ist aber keine bedeutende neue Quelle entdeckt worden.
Die Regierung dagegen teilte mit, die Ausschreibung werde "im Lichte der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko" erfolgen.
Brasilien startet gigantisches Förderprogramm
Am Dienstag hatte schon Brasilien den Grundstein für ein gewaltiges Förderprogramm gelegt. Der halbstaatliche Energieriese Petrobras soll bis 2014 sagenhafte 224 Milliarden Dollar in die Erkundung und Förderung neuer Tiefsee-Ölfelder investieren. Bis zu 2000 Meter unter dem Meeresspiegel will sich der Konzern durch eine kilometerdicke Salzschicht bohren, manche Vorkommen liegen 7000 Meter tief.
Um sich das nötige Kapital dafür zu beschaffen, plant der Konzern eine Kapitalerhöhung in Höhe von bis zu 84 Milliarden Dollar. Am Dienstagabend hatte das Unternehmen mitgeteilt, diese um zwei Monate aufzuschieben. Der zuständigen Aufsichtsbehörde werde erst Ende August eine unabhängige Bewertung der Ölbestände des Konzerns vorliegen.
Auch in den USA könnten schon bald neue Tiefseebohrungen gestartet werden. Ein Gericht hatte Dienstagabend die US-Regierung zurückgepfiffen und das geplante Verbot von Tiefseebohrungen gestoppt. Innenminister Ken Salazar kündigte an, er werde sofort einen zweiten Offshore-Bohrstopp verfügen. Die Energieindustrie lief dagegen Sturm.
Am 20. April 2010 war die BP-Ölplattform "Deepwater Horizon" explodiert. Zwei Tage später versank sie im Meer. Elf Menschen starben bei dem Unglück. Seit Wochen strömen jeden Tag gigantische Mengen Öl ins Meer.
ssu/AFP
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