Trotz Euro-Krise Deutsche Exporteure knacken Billionen-Marke

Alle sprechen von der Krise - doch an der deutschen Wirtschaft geht sie bisher vorbei. Die Unternehmen werden in diesem Jahr erstmals Waren im Wert von mehr als einer Billion Euro exportieren. Das gelang nicht einmal im Boomjahr 2008.

Containerfrachter im Hamburger Hafen: Deutsche Produkte sind gefragt
dapd

Containerfrachter im Hamburger Hafen: Deutsche Produkte sind gefragt


Berlin/Nürnberg - Die Konjunkturaussichten für die Euro-Zone und für Deutschland haben sich deutlich verschlechtert - doch aktuell läuft es für die deutschen Unternehmen noch sehr gut. Ihre Produkte sind im Ausland gefragt wie nie zuvor. Noch im laufenden Jahr werde bei den Exporten die Marke von einer Billion Euro geknackt, teilte der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) mit. An dieser Marke war die deutsche Wirtschaft im Boomjahr 2008 knapp gescheitert.

Laut BGA stiegen die Ausfuhren im laufenden Jahr um zwölf Prozent. Auch 2012 rechnet der Verband mit einem Zuwachs. Für das kommende Jahr prognostiziert er ein Exportplus von mindestens sechs Prozent auf 1139 Milliarden Euro. Deutsche Ausfuhren machen nach BGA-Angaben derzeit 9,5 Prozent des Welthandels aus. "Stürmische Zeiten an den Finanzmärkten gehen mit bemerkenswert stabilen Fahrwassern bei der Realwirtschaft einher", sagte BGA-Präsident Anton Börner.

Auch beim Arbeitsmarkt kann Deutschland bisher seine Stellung als Insel der Seligen behaupten. In deutschen Unternehmen gab es im November trotz wachsender Rezessionsängste so viele freie Stellen wie noch nie. Nach einer vorübergehenden Flaute im September und Oktober sei die Arbeitskräftenachfrage der Wirtschaft wieder auf Rekordhöhe geklettert, berichtete die Bundesagentur für Arbeit (BA). Dabei sei jede dritte Stelle ein Zeitarbeitsjob. "Die Unternehmen in Deutschland wollen offensichtlich trotz zahlreicher Unsicherheiten auf den internationalen Finanzmärkten weiter einstellen", hieß es.

Für die vielen freien Stellen gebe es zwei zentrale Gründe: Zum Ersten wechselten in wirtschaftlich guten Zeiten mehr Beschäftigte ihren Job als in Konjunkturkrisen. Zum Zweiten dauere es oft lange, bis für eine freie Stelle die passende Kraft gefunden sei. Die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt hebt auch die Konsumlaune der Deutschen. Sie kaufen derzeit gegen die Krise an.

Verbandschef warnt vor Scheitern des Euro

Trotz solch guter Nachrichten und Export-Boom sei keine Euphorie angebracht, sagte Handelsverbandschef Börner. Denn sollte es durch die Schuldenkrise zu einer Kreditklemme kommen, könne das sehr schnell auf die Realwirtschaft durchschlagen. Zudem hängt der Erfolg der exportabhängigen deutschen Wirtschaft vom Schicksal der Gemeinschaftswährung ab. Börner warnte vor den wirtschaftlichen und politischen Folgen, falls der Euro scheitern sollte. "Es bedeutet nichts weniger, als die Schleusen zu fluten zur Renationalisierung und Protektionismus. Am Ende steht die Balkanisierung und Marginalisierung Europas", sagte Börner.

Wie angespannt die Lage in der Euro-Zone ist, zeigt ein Barometer der EU-Kommission. Der Economic Sentiment Index (ESI) sank im November von 94,8 Punkten im Vormonat auf 93,7 Punkte. Abgefragt werden die Stimmung in der Industrie, bei Dienstleistern, im Handel, in der Baubranche und bei Verbrauchern.

Insgesamt hat sich die Wirtschaftsstimmung im Euro-Raum etwas stärker eingetrübt als erwartet. Am heftigsten fiel der Rückgang in Frankreich aus (-3,7). Dahinter folgen die Niederlande (-1,8). In den kriselnden Ländern Italien (+0,8) und Spanien (+0,2) verbesserte sich die Stimmung dagegen. Für Deutschland blieb die Lageeinschätzung nahezu unverändert (-0,1). Nur noch in der Bundesrepublik befindet sich der Indikator über dem langfristigen Durchschnitt.

mmq/Reuters/dpa-AFX

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Ganzgeber 29.11.2011
1. Grüße von der Blechtrommel
Der Euro ist jetzt ja auch viel weniger wert, natürlich kann man da - in Euro gerechnet - mehr exportieren. In USD, RMB u.a. gerechnet exportieren wir natürlich VIEL als vor der Krise. "Börner warnte vor den wirtschaftlichen und politischen Folgen, falls der Euro scheitern sollte. "Es bedeutet nicht weniger, als die Schleusen zu fluten zur Renationalisierung und Protektionismus. Am Ende steht die Balkanisierung und Marginalisierung Europas", sagte Börner." Wieso müssen Schweden, Schweiz, Japan, Korea usw. ihre Währungen nicht mit wirtschaftsschwachen Nachbarländern vereinigen, um zu überleben? Warum stehen andere Länger Schlange, um in eine Freihandelszone mit USA gelassen zu werden, während Deutschland dafür bezahlen muss, in solch fabelhafte Länder wie ES, GR exportieren zu dürfen? Je lauter die Propaganda, desto blecherner und unglaubwürdiger wird sie.
KannNix 29.11.2011
2. Deflation braucht ein Beatmungsgerät
Inflation machts möglich. Bei dem Tempo des Anstiegs der bisherigen ungeschönten Geldentwertung kann der exportierte Warenwert ja fast nur nach oben gehen. Wird richtig brummen, wenn die Euro-Bonds rauskommen und die EZB den Dreck selber unbegrenzt aufkauft.
mattotaupa 29.11.2011
3. Volk, blödes :-)
Zitat von sysopAlle sprechen von der Krise - doch an der*deutschen Wirtschaft geht sie bisher vorbei. Die Unternehmen werden in diesem Jahr*erstmals Waren im Wert von mehr als einer Billion Euro exportieren. Das gelang nicht einmal im Boomjahr 2008. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,800616,00.html
Kann gar nicht sein, uns geht es furchtbar schlecht. Heute sah ich einen Zahnarzt, der wusch seinen Porsche mit der Hand: alleine! Dann die armen Kinder die ich sah, wurden von der Mutti nur bis vor die Schule gefahren, im neuen X5. Keiner hat die frierenden Kleinen trocken in das Schulgebäude getragen, die mussten selber laufen. Erschreckend und deprimierend ist das und ich denke, dass das der nahende Untergang ist. Diese doofen Jubelmeldungen sollen uns nur ablenken!
Progressor 29.11.2011
4. Fail!
Was wie ein toller Erfolg für die deutsche Wirtschaft aussieht, ist auf lange Sicht die größte Bedrohung unseres Wohlstands. Unsere Exportüberschüsse werden in Kausalitätsablauf letzten Endes als Verlustabschreibung zu uns zurückkommen.
JohnBlank, 29.11.2011
5. Und die Bürger verdienen nicht mehr
Ach, super Exporte ohne Ende, dank Euro. Und die Euro-Vorteile, ach die streichen die Aktieninhaber von den Dax-Konzernen ein. Und die Manager natürlich, und unsere Politiker. Nur der normale Bürger, der verdient seit der Euroeinführung sogar real weniger Geld. Und dann noch die Tatsache, dass Produkte massiv kurz vor Euroeinführung teurer gemacht wurden, ja dann muss man schon sagen, der Euro hat nur Vorteile, für die Elite, nicht für die Bürger.
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