Trotz hoher Nachfrage Viele Fachkräfte sind arbeitslos

Eine gute Ausbildung schützt nicht vor Jobverlust: Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Demnach sind Akademiker von Umwälzungen am Jobmarkt stärker bedroht als bislang angenommen.

Logo der Bundesagentur für Arbeit: Rund 110.000 Akademiker meldeten sich 2011 arbeitslos
ddp

Logo der Bundesagentur für Arbeit: Rund 110.000 Akademiker meldeten sich 2011 arbeitslos


Berlin - Da können die Unternehmen so so sehr über den Fachkräftemangel klagen - auch höherqualifizierte Arbeitskräfte sind vom Jobverlust bedroht. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls der Deutsche Gewerkschaftsbund ( DGB) in einer Untersuchung des Arbeitsmarktes im ersten Halbjahr 2011. Demnach verloren in dieser Zeit rund 908.000 betrieblich Ausgebildete und rund 110.000 Akademiker ihre Arbeit.

Trotz der Klagen der Unternehmen dürfe die Gefahr des Arbeitsplatzverlusts für Fachkräfte auch bei derzeit anziehender Konjunktur und insgesamt sinkender Arbeitslosigkeit "keinesfalls klein gerechnet werden", heißt es in der Analyse für den DGB-Bundesvorstand. Dies gelte außer für die Angestellten mit einer betrieblichen Ausbildung auch für Akademiker. Für diese Berufsgruppe habe das Risiko des Jobverlusts ebenfalls "größere Bedeutung als vielfach vermutet".

Offensichtlich "können oder wollen" die Unternehmen viele qualifizierte Arbeitskräfte derzeit nicht halten. Es stelle sich die Frage, ob bei der Ausbildung in Betrieben und Schulen in den vergangenen Jahren ausreichend auf Zukunftsfelder und langfristige Anforderungen des Arbeitsmarkts gesetzt worden sei, heißt es in dem Bericht.

Im ersten Halbjahr haben auch die gut ausgebildeten Fachkräfte vom allgemeinen Aufschwung am Arbeitsmarkt profitiert. Laut der Studie ist die Arbeitslosenquote in dieser Gruppe um 8,6 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor.

Geringeres Risiko als Geringqualifizierte

Insgesamt sehen sich Fachkräfte, insbesondere Akademiker, nach Angaben des DGB trotz der vorliegenden Erkenntnisse weiterhin mit einem wesentlich niedrigeren Arbeitslosigkeitsrisiko konfrontiert als Geringqualifizierte. Während in der Gruppe der Menschen ohne Berufsabschluss im ersten Halbjahr 2011 exakt 10,2 Prozent der Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verloren, waren es unter denen mit betrieblichem beruflichen Abschluss statistisch lediglich 5,7 Prozent

Die Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone ist im Juni unverändert geblieben. Wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Montag mitteilte, betrug sie saisonbereinigt wie im Mai 9,9 Prozent. Im Juni 2010 hatte sie 10,2 Prozent betragen. Nach Schätzungen der Statistiker waren im Juni 15,64 Millionen Menschen im Euroraum arbeitslos, 346.000 weniger als ein Jahr zuvor.

dis/AFP

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