Trotz Jobabbau ThyssenKrupp zahlt Anlegern Millionen-Dividende

ThyssenKrupp zieht seine Anleger den Mitarbeitern vor: Obwohl der Stahlkonzern 20.000 Stellen abbauen will und Milliardenverluste einfährt, schüttet er Dividenden aus. Schon im kommenden Geschäftjahr will das Unternehmen wieder Gewinne machen.

ThyssenKrupp-Chef Schulz: "Die wirtschaftliche Entwicklung ist fragil"
dpa

ThyssenKrupp-Chef Schulz: "Die wirtschaftliche Entwicklung ist fragil"


Essen - Der von der Wirtschaftskrise stark gebeutelte Stahlkonzern ThyssenKrupp Chart zeigen steht vor tiefen Einschnitten. Im laufenden Geschäftsjahr solle sich die Zahl der Beschäftigten um 20.000 auf 167.000 verringern, sagte Vorstandschef Ekkehard Schulz laut Redemanuskript an diesem Freitag auf der Bilanz-Pressekonferenz der Dax-Gesellschaft in Essen.

Der Großteil des Rückgangs basiert auf Verkäufen von Geschäftsfeldern. Zudem will der Konzern 5000 Stellen durch einen Umbau der Verwaltung streichen. In Brasilien und den USA sollen dagegen 3000 Mitarbeiter in den neuen Stahlwerken eingestellt werden. Auch die erfolgreiche Aufzug-Sparte Elevator sucht laut Schulz neue Mitarbeiter.

Der Konzern hat vor zwei Wochen seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2008/09 vorgelegt,das am 30.9. endete. ThyssenKrupp fuhr einen Vorsteuerverlust von 2,4 Milliarden Euro ein. Der Umsatz fiel auf 40,6 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es 53,4 Milliarden Euro. Die Aktionäre sollen dennoch eine Dividende von 30 Cent je Aktie erhalten. 2008 bekamen sie noch 1,30 Euro. In der Summe dürfte sich die ausgeschüttete Dividende auf etwa 140 Millionen Euro belaufen. Dass der Konzern eine Dividende auszahlt ist auch eine Vorsichtsmaßnahme, um zu verhindern, dass die Aktienkurse abstürzen.

Vorstand erwartet dank Sparkurs Gewinn

Das Unternehmen rechnet mit einer nur allmählichen Erholung der Lage. "Die sich aktuell abzeichnende wirtschaftliche Erholung sehen wir noch als fragil an und gehen von einer eher langsamen Verbesserung aus", sagte Schulz. "Das Niveau von 2008 wird frühestens im Jahr 2012 wieder erreicht." Es bleibe zudem das Risiko, dass es 2010 noch einmal vorübergehend zu einem Rückschlag komme.

Dank des drastischen Sparkurses erwartet der Vorstand im laufenden Jahr wieder einen Gewinn. Er peilt einen um Sondereffekte bereinigten Vorsteuergewinn in "niedriger dreistelliger Millionen-Euro-Höhe" an. Schulz sagte, mittelfristig solle der Umsatz bei 50 bis 60 Milliarden Euro liegen und das Vorsteuerergebnis bei mehr als vier Milliarden Euro. Der Konzern wolle künftig stärker in Märkten wie Indien, China und Brasilien wachsen. Die wirtschaftliche Entwicklung sei fragil, sagte Konzernchef Schulz.

Zum 1. Oktober dieses Jahres hatte der Konzern einen grundlegenden Umbau durchgesetzt. Allein dadurch sollen nachhaltig 800 Millionen Euro eingespart werden. Insgesamt will der Vorstand vom Geschäftsjahr 2010/11 an die Kosten um bis zu zwei Milliarden Euro drücken.

Zudem trennt sich ThyssenKrupp von Unternehmensteilen. Zuletzt hatte der Konzern den Verkauf seiner Gerüstbau-Tochter Safway an den US-Finanzinvestor Odyssey bekanntgegeben. Im Oktober gelang der Verkauf der Industrieservice-Sparte mit rund 9000 Vollzeitstellen an den Frankfurter Industrie- und Immobiliendienstleister Wisag. Außerdem zieht sich der Konzern weitgehend aus dem Handelsschiffbau zurück. Dagegen stoppte der Konzern den Verkauf der Dienstleistungstochter Xervon. Auch bei der verlustreichen Edelstahlsparte hat ThyssenKrupp die Partnersuche aufgegeben und will den Bereich nun allein weiter betreiben. Ende September hatte ThyssenKrupp noch 187.000 Beschäftigte, rund 12.000 weniger als ein Jahr zuvor.

fro/dpa/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 54 Beiträge
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Seite 1
ich schon wieder 27.11.2009
1. ach was ?....
Zitat von sysopThyssenKrupp zieht seine Anleger den Mitarbeitern vor: Obwohl der Stahlkonzern 20.000 Stellen abbauen will und Milliardenverluste einfährt, schüttet er Dividenden aus. Schon im kommenden Geschäftjahr will das Unternehmen wieder Gewinne einfahren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,663779,00.html
... machen das nicht alle so ? Anleger gehen immer vor bei den Managern der Großkonzerne. Was ist schon 'nen Mitarbeiter? Lustig wird's erst dann, wenn es quasi nur noch Anleger, aber keine Mitarbeiter mehr gibt... also die Entwicklung mal ein paar Jahre weitergedacht. Jahrelang bei den Mitarbeitern entwickeltes KnowHow wird für nen paar Euro verschenkt. Nachhaltige Wirtschaft ! Erinnert mich irgendwie an: „Meine wichtigste Erfahrung als Manager ist die Erkenntnis, dass die Mitarbeiter das wertvollste Gut eines Unternehmens sind und damit auch das wichtigste Erfolgskapital. Es sind nie Computer, Roboter, technische Einrichtungen, die zu einem Ziel führen, sondern immer Menschen, die Konzepte zustande bringen." Werner Niefer (1928-93), dt. Topmanager, 1989-93 Vorstandsvors. Mercedes Benz AG
Neurovore 27.11.2009
2. Dividende et impera!
Zitat von sysopThyssenKrupp zieht seine Anleger den Mitarbeitern vor: Obwohl der Stahlkonzern 20.000 Stellen abbauen will und Milliardenverluste einfährt, schüttet er Dividenden aus. Schon im kommenden Geschäftjahr will das Unternehmen wieder Gewinne einfahren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,663779,00.html
Irgendwo muß das Geld ja hin, daß man sich durch die Kurzarbeit gespart hat ... insofern sollten sich die Aktionäre beim Steuerzahler bedanken, der finanziert ja schließlich die Dividende...
Rainer Daeschler, 27.11.2009
3. "Griff in die Ladenkasse"-Mentalität
Zitat von ich schon wieder... machen das nicht alle so ? Anleger gehen immer vor bei den Managern der Großkonzerne. Was ist schon 'nen Mitarbeiter? Lustig wird's erst dann, wenn es quasi nur noch Anleger, aber keine Mitarbeiter mehr gibt... also die Entwicklung mal ein paar Jahre weitergedacht. Jahrelang bei den Mitarbeitern entwickeltes KnowHow wird für nen paar Euro verschenkt. Nachhaltige Wirtschaft ! Erinnert mich irgendwie an: „Meine wichtigste Erfahrung als Manager ist die Erkenntnis, dass die Mitarbeiter das wertvollste Gut eines Unternehmens sind und damit auch das wichtigste Erfolgskapital. Es sind nie Computer, Roboter, technische Einrichtungen, die zu einem Ziel führen, sondern immer Menschen, die Konzepte zustande bringen." Werner Niefer (1928-93), dt. Topmanager, 1989-93 Vorstandsvors. Mercedes Benz AG
Nur wenn den Aktionären ein entsprechendes Dividendengeschenk gemacht wird, unterbleiben Diskussionen über Vorstandsvergütungen. Vorstandsvermögensbildung ist heute die zentrale Aufgabe eines Unternehmens dieser Größenordnung. Um die auch bei schlechter Geschäftslage aufrecht zu erhalten, ist die Dividendenausschüttung ein wichtiges Instument. Das würde noch einige Jahre dauern, auf jeden Fall länger als die Vertragslaufzeiten aktiver Vorstände und Aufsichtsräte. Die Ironie ist, dass die Konzerne Thyssen und Krupp nie entstanden wären, wenn ihre Geschäftsführungen in der Aufbau- und Wachstumsphase diese "Griff in die Ladenkasse"-Mentalität gepflegt hätten.
dibexxx 27.11.2009
4. Trotz?
Zitat von sysopThyssenKrupp zieht seine Anleger den Mitarbeitern vor: Obwohl der Stahlkonzern 20.000 Stellen abbauen will und Milliardenverluste einfährt, schüttet er Dividenden aus. Schon im kommenden Geschäftjahr will das Unternehmen wieder Gewinne einfahren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,663779,00.html
Was heisst hier immer "trotz"? Gerade weil sich ThyssenKrupp von Personal trennt, dass nichts zum Profit beiträgt oder diesen wegen der Lohnkosten sogar schmälert, ist man zuversichtlich bald wieder Gewinne zu machen und kann eine schöne Dividende zahlen. Das Wort "trotz" suggeriert immer, dass hier widersinnig oder falsch gehandelt wird. In der Marktwirtschaft läuft es aber nun mal genau so. Da sollte man sich keinen Illusionen hingeben.
JensSchmidt 27.11.2009
5. jeder wie er's versteht
Was die Aktionäre (mit ihrem Eigentum machen (und die müssens ja auf der Hauptversammlung beschliessen), ist ihre eigene Sache. Die sollen dann aber gefälligst, wenn ihr Unternehmen Verluste einfährt und sie trotzdem meinen es sei so überkapitalisiert, dass sie in so einer Situation Geld rausziehen müssen, nicht angesch... kommen und über ne Kreditklemme jammern, oder zu hohe Löhne oder zu hohe "Lohnnebenkosten", oder die ganz dreiste Nummer mit der Bettelei beim Steuerzahler abziehen, oder auch so'ne typische Nummer, rumjammern wenn der Staat ihrem Unternehmen in einer Notsituation nicht nur hilft, sondern sie dafür selbstverständlich von ihrem selbste entwerteten Eigentum entbindet.
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