Trotz Krise RWE erzielt höchsten Jahresgewinn seiner Geschichte

Von Wirtschaftskrise ist bei RWE nichts zu spüren. Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern hat 2009 mit 7,1 Milliarden Euro den höchsten Betriebsgewinn der Unternehmensgeschichte erzielt. Die kommenden Jahre sieht das Management allerdings deutlich pessimistischer.


Essen - Die Ergebniseinbrüche im britischen Geschäft und der Ölpreisverfall im vergangenen Herbst hatten die Erwartungen zunächst gedämpft. Deshalb hatte RWE eigentlich nur ein ähnliches Ergebnis erwartet wie 2008. Doch dann liefen die Geschäfte unerwartet gut. Im vierten Quartal steuerte der erstmals konsolidierte niederländische Versorger Essent mit 141 Millionen Euro mehr bei als erwartet.

Zu den normalen Verkaufseinnahmen gesellten sich 2009 zusätzlich hohe Gewinne beim Stromverkauf. RWE Chart zeigen profitierte von niedrigen Preisen an der Strombörse. Sie lagen im Durchschnitt bei 39 Euro pro Megawatt. Wegen langfristiger Verträge konnte RWE 60 Euro von den Kunden einstreichen, dabei die eigene Produktion etwas herunterfahren und stattdessen günstigen Strom an der Börse zukaufen.

Ungünstige CO2-Bilanz

Entsprechend erfreulich präsentierte sich die Bilanz: Mit 7,1 Milliarden Euro erwirtschaftete der Essener Energiekonzern den höchsten Betriebsgewinn seiner Unternehmensgeschichte Der Nettogewinn wuchs um fast 40 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro. Der Vergleich zum Jahr 2008 fiel allerdings auch deshalb so erfreulich aus, weil damals hohe Abschreibungen auf die inzwischen komplett verkaufte US-Wassertochter American Water das Ergebnis belastet hatten.

Ein wenig durchwachsener fiel der Blick nach vorn aus. Der jährliche Ergebnisanstieg soll nur noch bei fünf Prozent liegen, bislang waren fünf bis zehn Prozent angestrebt. "Wir erwarten, dass es mehrere Jahre dauern wird, bis die europäische Wirtschaft wieder das Niveau von 2008 erreicht", sagte Vorstandschef Jürgen Großmann. Denn 2013 kommen Zusatzkosten für CO2-Zertifikate auf die Wirtschaft zu. Nach heutigem Stand müsste RWE für rund 100 Millionen Tonnen Zertifikate bezahlen. Das wären mehr als eine Milliarde Euro.

Der Konzern will deshalb vordringlich seine CO2-Bilanz verbessern. Große Anstrengungen gelten den Erneuerbaren Energien mit jährlichen Investitionen von 1,4 Milliarden Euro.

Längere Laufzeiten für Atomkraftwerke gefordert

Außerdem fordert RWE längere Laufzeiten für Atomkraftwerke. "Im Jahr 2025 sollen 75 Prozent unserer Stromerzeugung CO2-frei beziehungsweise CO2-arm sein: 30 Prozent Erneuerbare, 30 Prozent Gas, 15 Prozent Kernenergie", sagte Großmann. "Wir brauchen die Kernenergie, um die Stromversorgung sicherzustellen." Sollte die Laufzeit nicht verlängert werden, müsste RWE noch in diesem Jahr sein Atomkraftwerk Biblis A in Hessen abschalten. Biblis A soll aber zunächst am 20. März wieder ans Netz gehen. RWE will dann versuchen, Strommengen anderer Kernkraftwerke auf Biblis zu übertragen, um die Laufzeit auszudehnen.

Die 3,5 Millionen Stromkunden müssen bis Jahresmitte nicht mit Preiserhöhungen rechnen. Der Gaspreis für die 500.000 Kunden galt bei RWE nach deutlichen Senkungen im vergangenen Jahr bis Februar als stabil.

Nach Angaben des Verbraucherportals Toptarif wollen nach ersten Gaspreis-Erhöhungen zu Jahresbeginn im Frühjahr weitere Versorger nachziehen. Für März und April hätten 41 Firmen Anhebungen von durchschnittlich 6,8 Prozent angekündigt, teilte das Portal am Donnerstag mit. Beim Strom hätten bereits über 90 Versorger Preiserhöhungen zum Frühjahr angekündigt, um durchschnittlich 5,6 Prozent.

mik/dpa-AFX/apn



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