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Trotz Smartphone-Boom: Blackberrys verstauben als Ladenhüter

Der Handy-Markt brummt, doch Blackberrys bleiben in den Regalen liegen: Ein überraschend hoher Absatz- und Gewinneinbruch des Blackberry-Herstellers Research in Motion lässt die Aktie abstürzen. Das Unternehmen will nun mit frischen Modellen gegen die Touchpad-Konkurrenz punkten.

Blackberry im Einsatz: Die Aktie des Herstellers brach um mehr als 20 Prozent ein Zur Großansicht
REUTERS

Blackberry im Einsatz: Die Aktie des Herstellers brach um mehr als 20 Prozent ein

Waterloo - Blackberry-Hersteller Research in Motion Chart zeigen (RIM) hinkt seinen Konkurrenten Apple und Android hinterher: Der Konzern, ehemals führend auf dem Markt für Smartphones, hat es nicht geschafft, seine Dominanz aus dem Firmenkundengeschäft auf Privatnutzer zu übertragen. Die Auslieferungen schrumpften von Juni bis August auf 10,6 Millionen Smartphones - im Vorjahreszeitraum hatte RIM noch 12,1 Millionen Blackberrys verkauft. Auch von ihren Playbook-Tablets setzten die Kanadier nur 200.000 Stück ab.

Die Anleger reagierten schockiert auf den Quartalsbericht des Handykonzerns. Obwohl sich der Aktienpreis angesichts der Probleme seit Jahresbeginn bereits halbiert hat, ging es nun noch einmal kräftig nach unten: Zum Start des Börsenhandels in New York stürzte der Aktienkurs am Freitag um mehr als 20 Prozent ab. "Für das Management ist die Bilanz ein weiterer Sargnagel", sagte Branchenexperte Edward Snyder von Charter Equity Reseach. "Es hat noch nicht einmal seine bereits heruntergeschraubten Ziele erreicht."

Ältere Modelle verkaufen sich schlecht

Zum Vergleich: Konkurrent Apple Chart zeigen verkaufte im gleichen Zeitraum mehr als 20 Millionen iPhones und fast 9,3 Millionen iPads - und die Produktion läuft weiter auf Hochtouren. "Apple verkauft in zwei Tagen mehr iPads als RIM in einem ganzem Quartal", sagte Analyst Colin Gillis von BGC Financial.

Als Grund für die miese Lage erklärte Firmenchef Jim Balsillie, dass sich ältere Blackberry-Modelle schlechter verkauft hätten als erwartet. Nun hoffe er, mit frischen Geräten auf dem Markt zu punkten: Im August hatte das Unternehmen gleich fünf Neuheiten angekündigt, darunter Modelle mit Blackberry-typischer Tastatur wie auch ein reines Touchscreen-Modell. So will RIM im laufenden Quartal zwischen 13,5 und 14,5 Millionen Blackberrys verkaufen.

Der Gewinn des Unternehmens hat sich innerhalb eines Jahres halbiert: Im Ende August abgelaufenen Quartal verdiente RIM netto gerade mal 329 Millionen Dollar. Im Vorjahreszeitraum hatte der kanadische Konzern noch 797 Millionen Dollar Gewinn gemacht. Auch der Umsatz sank im Vergleich zum Vorquartal um 15 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar.

Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Gartner ist der Anteil von RIM am Smartphone-Markt im zweiten Kalenderquartal von 19 auf zwölf Prozent zurückgegangen. Neben der alternden Produktpalette machte Gartner dafür auch Lieferprobleme verantwortlich. RIMs Anteil am gesamten Handymarkt rutschte den Angaben zufolge von 3,2 auf 3,0 Prozent ab. Damit liegt das Unternehmen weltweit auf Platz sechs.

Altbackenes Blackberry gegen cooles iPhone

Das in die Jahre gekommene Blackberry-Betriebssystem könnte RIM zum Verhängnis werden: Denn auch die neuen Geräte sollen damit laufen. Es gilt als langsamer und ist weniger auf Videos, Musik und Spiele ausgelegt als die Konkurrenzsysteme.

Lange galten Blackberrys wegen ihrer speziellen E-Mail-Funktionen als Managers Liebling. Während die meisten Handynutzer noch vom mobilen Internet träumen konnten, tippten die stolzen Blackberry-Besitzer schon fleißig E-Mails.

Bis heute ist die Tastatur der Blackberrys legendär, weil sie trotz Minitasten schnelles Schreiben ermöglicht. Doch seit Apple 2007 mit dem iPhone den Markt revolutioniert hat, wirken die Business-Handys altbacken gegen ihre Touchscreen-Konkurrenz. Dieses Image hat der kanadische Hersteller RIM bis heute nicht abschütteln können - auch nicht mit alternativen Touchscreen-Modellen.

kpa/dpa/APD/Reuters

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1. .
Haio Forler 16.09.2011
Zitat von sysopDer Handy-Markt brummt, doch Blackberrys bleiben in den Regalen liegen: Ein überraschend hoher Absatz- und Gewinneinbruch des Blackberry-Herstellers Research in Motion lässt die Aktie abstürzen. Das Unternehmen will nun mit frischen Modellen gegen die Touchpad-Konkurrenz*punkten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,786636,00.html
Weil schon zuviele Konkurrenten dieses "Alleinstellungsmerkmal" in ihre Geräte aufgenommen haben. nur 1 Beispiel: der Nokia Communicator bietet seit mindestens 5 Jahren Blackberry-Funktionen an. Und 5 Jahre sind eine Welt in der Branche.
2. Bb
Umbriel 16.09.2011
Die einzigen wichtigen Vorteile der BB sind: - längere Akkulaufzeit - fallweise geringfügig höhere Verfügbarkeit des Maildienstes - bessere Funktionen zur zentralen Administrierung der Zugangsberechtigungen
3. missing concept
Carsten S., 16.09.2011
Betriebssystem hin oder her... BB war und ist fuer Business Einsatz und kontrollierte, secure email distribution die beste Wahl, imo. Leider haben sie bei den devices den Anschluss verloren, dem stimme ich grundsaetzlich zu. Ich persoenlich mag eine BB tatstatur deutlich lieber als ein touch-keyboard, insbesondere bei so kleinen devices wie BB oder iphone. Kann mich an die tipperei auf diesem virtuellen keyboard einfach nicht gewoehnen. Aber, touch ist very convenient, schneller, und erlaubt deutlich mehr Interaktion und Moeglichkeiten. Deswegen war ich "begeistert" als RIM den Torch rausgebracht hat. Full Touch screen, den man nach oben schieben kann, und siehe da, ein separates Qwerty-keyboard erscheint dahinter. Perfect liason. Nur leider ist der Nachfolger, Torch 2, jetzt als weiteres reines touch OHNE keyboard auf den Markt gekommen... und konkurriert da nun mit dutzenden aehnlicher Geraete. Der Torch war ein Alleinstellungsmerkmal, ich fand das Konzept perfekt, aber entweder haben die bei RIM falsche Berater, oder ich bin nicht repraesentativ. Auf jeden Fall schade fuer mich.
4. <->
silenced 16.09.2011
Das kommt davon, wenn man sich auf dem eigenen Erfolg ausruht und nicht mit der Zeit geht.
5. Schade
Suppenelse 16.09.2011
Ich kann einen Teil der Kritik an RIM nachvollziehen, wundere mich aber auch sehr über den Geschmack und die Prioritäten der Kunden. Offenbar ist eine Touchscreen-Bedienung wichtiger als das, was man wohl "Kernkompetenzen" nennen würde: Dass ein BlackBerry jedes HTC, iPhone oder sonstetwas in puncto Akkulaufzeit um Längen schlägt; dass man mit der BB-Tastatur seine Mail schon fertiggetippt hat, während das Android-Telefon immer noch bootet; dass die Empfangsleistung eines BlackBerry um Klassen besser ist als der eines HTC Desire (ich trage beides immer mit mir herum und habe so ständig den A/B-Vergleich) - alles scheinbar wurscht, solange es nur genügend Apps zum Spielen gibt. Aber so ist das Leben, und RIM hätte das wissen müssen. Insofern wünsche ich RIM, dass sie nochmal die Kurve kriegen, aber bitte nicht zu sehr an iPhone, HTC & Co. orientieren, sondern die bisherigen Qualitäten behalten. ---Zitat--- Der Konzern, ehemals führend auf dem Markt für Smartphones, hat es nicht geschafft, seine Dominanz aus dem Firmenkundengeschäft auf Privatnutzer zu übertragen. ---Zitatende--- Das scheint mir nur halb das Problem zu sein: Es geht eher darum, dass RIM im Business-Bereich - bislang unangefochtene BlackBerry-Domäne - mit Konkurrenz durch andere Smartphones zu kämpfen hat, die es früher nicht gab.
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