Umfrage zu Freihandelsabkommen Zustimmung zu TTIP sinkt auf neuen Tiefstand

Die Menschen in Deutschland sehen das Freihandelsabkommen TTIP zunehmend skeptisch: Laut einer Emnid-Umfrage sinkt die Zustimmung zu der geplanten Partnerschaft auf einen neuen Tiefstand.

Personifizierte Amerika-Karikatur Uncle Sam auf Anti-TTIP-Plakat: "Ich will Europa"
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Der Widerstand gegen TTIP wächst. Bei einer Großdemo am vergangenen Samstag machten Kritiker gegen die geplanten Freihandelsabkommen mit den USA und Kanada mobil. Jetzt zeigt auch eine aktuelle Umfrage, dass die Zustimmung zu TTIP in der Bevölkerung weiter gesunken ist.

46 Prozent der Bürger halten TTIP inzwischen für "eine schlechte Sache", ergab eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts TNS Emnid, die im Auftrag der Organisationen Foodwatch und Campact durchgeführt wurde - beide entschiedene TTIP-Gegner. Nur noch 34 Prozent hielten TTIP demnach für "eine gute Sache". Dies sei der niedrigste Wert seit Februar 2014. Damals bewerteten den Angaben zufolge noch 55 Prozent das Handelsabkommen als "gute Sache" und 25 Prozent als "schlechte Sache". Die Umfrage wurde seither sechs Mal mit identischer Fragestellung durchgeführt, um die Haltung der Bevölkerung in Deutschland gegenüber dem Abkommen abzufragen.

Die Frage lautete: "Wie Sie wahrscheinlich wissen, verhandeln die USA und die Europäische Union über ein Freihandelsabkommen, auch bekannt als die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft. Ist dieses Handelsabkommen Ihrer Ansicht nach eine gute oder eine schlechte Sache für Deutschland?"

Am vergangenen Samstag gingen in Berlin nach Polizeiangaben 150.000 Menschen gegen TTIP und das geplante europäisch-kanadische Abkommen CETA auf die Straße. Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte in Anzeigen für TTIP geworben. Dies stößt laut der Umfrage auf Kritik in der Bevölkerung. Demnach glauben sechs von zehn Befragten, dass der SPD-Vorsitzende damit seiner eigenen Partei schade.

Die Frage zu Gabriels Vorgehen lautete: "Der Bundeswirtschaftsminister und SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel verteidigte das Freihandels-Abkommen TTIP am Wochenende in großformatigen Zeitungsanzeigen. Glauben Sie, dass dies der SPD eher nützt oder eher schadet?"

Wie die Emnid-Umfrage weiter ergab, meinen etwa zwei Drittel der Befragten, dass TTIP den Umwelt- und Verbraucherschutz (69 Prozent) und die Arbeitnehmerrechte (62 Prozent) "eher verschlechtern" werde. 73 Prozent glaubten, dass sich der Vertrag negativ auf das Datenschutzniveau in Deutschland auswirken werde. Vier von zehn Befragten (40 Prozent) gingen davon aus, dass TTIP schlecht für die Beschäftigungssituation und das Wirtschaftswachstum wäre.

bos/dpa

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insgesamt 116 Beiträge
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malcom1 16.10.2015
1. Endlich...
interessieren sich die Menschen in Deutschland für TTIP und erkennen die negativen Seiten. Wie war das noch mit dem Handelsabkommen mit Kenia? Auslöser war sicher die Demo in Berlin.
sarkosy 16.10.2015
2. Ja,das ist ja wunderbar,
aber unterschrieben wird es doch.Vielleicht sogar entwässert im offiziellen Text,aber der Hammer steht dann im vertraulichen,geheimen Teil.Alles,was mit Finanzen auf Kosten der Kleinen zu tun hat,ist dafür.Also auch Gabriel,der auch schon lange nicht mehr weiss,wie es in Dt.zugeht.Und Schröder hat ihm ja gezeigt,was Unternehmernähe so einbringt.
mischamai 16.10.2015
3. Demokratie wird mit Füßen getreten
Selbst wenn 100 % der Menschen gegen TTIP sind so stemmen sich Lobby und ihre Marionetten in Berlin dagegen.Was interessiert es die Politik was das dumme Volk so möchte,die Menschen meckern nur,von der Lobby aber gibt es Privilegien die nicht nur in baren Euros glänzen.Hier zeigt sich die verdeckte Korruption an bester Stelle.
molchy 16.10.2015
4. Zustimmung?
Wen interessiert das schon, die USA wollen das Abkommen haben und basta. Unsere willfährigen Politiker können nicht nein sagen.
lemmy 16.10.2015
5. 46 plus 34
Was ist mit den restlichen 20 % ? Hatten die keine Meinung ? Immer wieder fällt mir in letzter Zeit bei Umfragen eine erhebliche "Dunkelziffer" auf, die an den 100 % fehlt, und zwar jedes mal.
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