Währungskrise in der Türkei Deutsche Konzerne fürchten den Lira-Absturz

Deutsche Unternehmen mit Niederlassungen und Produktionsstätten in der Türkei beunruhigt die wirtschaftliche Situation vor Ort. Besonders diese zehn Konzerne haben Grund zur Sorge - ein Überblick.

Daimler

Von Felix Sommerfeld


Die Türkei droht in eine handfeste Wirtschaftskrise zu rutschen. Das zumindest prognostizieren führende Ökonomen. Die Abwärtsspirale aus steigenden Inflationsraten und massiven Wechselkursverlusten hat in den vergangenen Tagen weiter an Dynamik gewonnen. Auch deutsche Unternehmen betrachten die Entwicklung mit Sorge - im Jahr 2017 sind Waren im Wert von mehr als 21,4 Milliarden Euro in die Türkei verkauft worden. Für die deutsche Wirtschaft ist die Türkei mit ihren fast 80 Millionen Einwohnern ein wichtiger Absatzmarkt.

Die derzeitige Situation beunruhigt allerdings nicht nur all jene Unternehmen, die befürchten, dass ihre Exporte durch die Abwertung der Lira und die damit verbundene schwächere Kaufkraft der Türken weiter einbrechen könnten, sondern auch die, die mit Niederlassungen und Produktionsstandorten vor Ort vertreten sind.

Das sind nicht wenige. In der Türkei sind mehr als 7000 deutsche Unternehmen aktiv - insgesamt haben sie mehr als 13 Milliarden Euro dort investiert. Niemand hat so viele Niederlassungen und Produktionsstätten in der Türkei wie deutsche Firmen.

Die Auswirkungen der derzeitigen Situation können für die Unternehmen durchaus unterschiedlicher Natur sein. Zunächst eint alle, dass die schwache Lira dazu führt, dass vor Ort weniger Ausgaben für Gehälter und Produktion notwendig sind. Die Unterschiede zeigen sich beim Ziel der Waren. Die Unternehmen, die in erster Linie für den türkischen Markt produzieren, müssen Umsatzeinbrüche befürchten, weil die Kaufkraft im Land sinkt. Werden die Produkte hingegen außerhalb der Türkei verkauft, in Länder, in denen mit Euro oder Dollar bezahlt wird, dann kann sich der Wechselkurs auch durchaus positiv auf die Umsätze auswirken.

Zweifelsohne hätte eine umfassende Wirtschaftskrise langfristig aber negative Auswirkungen auf alle in der Türkei produzierenden Unternehmen. Ihnen würde die Planungssicherheit genommen werden.

Welche deutschen Konzerne mit Engagement in der Türkei sind es also, die fürchten, dass sich die Situation weiter verschlimmert? Klicken Sie sich durch die Fotostrecke für einen Überblick.

insgesamt 66 Beiträge
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Ruhrsteiner 15.08.2018
1. Welche in der Türkei ansässigen Firmen oder Niederlassungen....
aus der Bundesrepublik fürchten den Absturz der Lira? In der Türkei für den Export produzierende doch wohl weniger, da sinken die Produktionskosten docht. Geht es um Importe und deren Absatz - da wird es natürlich teurer durch rückläufige Kaufkraft. Und wegen der eskalierenden Zoll- und Boykottierungsspirale macht sich … niemand Sorgen? (Vielleicht etwas differenzierter in einem kommenden Artikel vorstellen, die Thematik?).
handundfuß 15.08.2018
2. 7000 Unternehmen
haben insgesamt 13 Mrd EUR investiert und heute kam die Nachricht, dass Katar 15 Mrd Direktinvestition zugesagt hat. Ich bin sehr zuversichtlich, dass es mit der türkischen Wirtschaft aufwärts geht.
mimoun74 15.08.2018
3. Keine Nachrichten?
Heute hat die Lira zum Euro 7% dazugewonnen ist das keine Nachricht wert? Bei kurzzeitig-20% war doch die Schadenfreude so groß im Forum und bei den ganzen Experten in Deutschland. Das die Türkei Touristenrekorde feiert oder die Arbeitslosigkeit gesunken ist geht auch unter. Warum so selektiv ? Passen positive Erfolgsnachrichten nicht ins Weltbild ? Und das in einer globalisierten Weltwirtschaft alle Zusammenhängen gilt auch für die Türkei, auch wenn viele denken von dort kommen nur Haselnüsse und Feigen.
mweldag 15.08.2018
4. Auf welche Seite muss man nun als deutscher stehen?
Weiter die Wirtschaftskrise gutheissen damit der Erdogan weg ist wie man es sich seit gefühlten 10 Jahren wünscht oder doch der Schmusekurs mit dem Diktator der die europäische Wirtschaft nicht gefährden soll und mit irgendwas unterstützen (werden Kredite oder Subentionen sein)? Weiss da einer Rat? Ich komme grad nicht mit bei dem Tempo.
snof 15.08.2018
5. #3
Sie sind mir ja ein Schlauberger, der auf die Tagesschwankungen schaut und nicht auf den Trend und der ist nun mal aussagekräftiger hinsichtlich des Kursverfalls der Lira...
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