Lira-Verfall US-Großbank warnt Türkei vor Finanzierungsproblemen

Investmentbanken und Rating-Agenturen sehen wegen des Lira-Verfalls große Risiken für die türkische Wirtschaft. Das Land könne bald seine Schulden nicht mehr bezahlen.

Bankenviertel in Istanbul
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Bankenviertel in Istanbul


Finanzexperten schlagen wegen der wirtschaftlichen Risiken und des Lira-Verfalls in der Türkei Alarm. Allein bis Mitte nächsten Jahres werden nach einer Schätzung der US-Investmentbank JP Morgan umgerechnet rund 153 Milliarden Euro an Auslandsschulden fällig. Das entspricht fast einem Viertel der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes.

Der Großteil der in den nächsten zwölf Monaten anstehenden Rückzahlungen entfällt auf den Privatsektor, insbesondere auf Banken, schreiben Experten des Bankhauses in einer Studie. Nur umgerechnet 3,7 Milliarden Euro seien Schulden von öffentlichen Stellen. "Der Finanzierungsbedarf in den nächsten Monaten ist groß und der Zugang zu den Märkten ist problematisch geworden".

Rund 27 Milliarden Euro müssen nach Berechnungen von JP Morgan bereits bis Ende 2018 zurückgezahlt werden. Bei Verbindlichkeiten von etwa 93 Milliarden Euro, die bis Juli 2019 beglichen werden müssten, bestehe ein Finanzierungsrisiko.

Lira-Verfall, Inflation und Co.

Die Rating-Agentur Moody's senkte zudem die Bonitätsnoten für 20 türkische Geldhäuser, darunter einige der größten Banken wie die Isbank. Die Rating-Agentur kommt zu dem Schluss, dass sich die Risiken für die Türkei erhöht haben. Von den dortigen Banken ausgegebene Dollar-Anleihen gaben an diesem Mittwoch in Folge der Warnung nach. Die Lira fiel weiter, ein Dollar kostete mit 6,49 Lira 3,6 Prozent mehr als am Dienstag.

Die türkische Regierung sieht dagegen keine Konjunkturrisiken. Finanzminister Berat Albayrak begründete dies in einem Bericht der Zeitung "Hürriyet" damit, dass die Verschuldung von Staat und Haushalten gering seien und das Finanzsystem zudem stabil.

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Seit Wochen steht die türkische Währung unter Druck. Sie hat seit Januar zum Dollar fast 40 Prozent an Wert verloren. Um die Liquidität der heimischen Banken zu sichern, hat die türkische Notenbank Mitte August den Instituten eine ausreichende Liquiditätsversorgung zugesichert.

hej/Reuters

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bandelier 29.08.2018
1. Nein, die Türkei muss sich
nicht sorgen. Die einen haben den Dollar, die Türken haben Allah, und der wird es schon richten. Wahrscheinlich wirft er jetzt die Geldpresse an. Es wird sicherlich spannend, wie lange die Sultanfans die Märchen glauben. Der Glaube wird oft erheblich beeinträchtigt, wenn das Portemonnaie dünner wird.
herrschläfer 29.08.2018
2. Angst und Bange
... kann einem da werden. Zum Glück wird es ja massive Unterstützung aus Deutschland geben. Alle Erdoganwähler können ihre Loyalität mit Stützungskäufen Lira für Gold und Devisen unter Beweis stellen. Und ihre Familien öfter besuchen, wenn sie in Zukunft regelmäßig Lebensmittel liefern , die im Land für viele unerschwinglich werden.
carahyba 29.08.2018
3.
Zitat von bandeliernicht sorgen. Die einen haben den Dollar, die Türken haben Allah, und der wird es schon richten. Wahrscheinlich wirft er jetzt die Geldpresse an. Es wird sicherlich spannend, wie lange die Sultanfans die Märchen glauben. Der Glaube wird oft erheblich beeinträchtigt, wenn das Portemonnaie dünner wird.
Zitat aus dem Artikel: "Der Großteil der in den nächsten zwölf Monaten anstehenden Rückzahlungen entfällt auf den Privatsektor, insbesondere auf Banken, schreiben Experten des Bankhauses in einer Studie. Nur umgerechnet 3,7 Milliarden Euro seien Schulden von öffentlichen Stellen." Die 3,7 Milliarden sind kein Problem für den Staat. Der Rest sind Schulden der Banken und der privaten Wirtschaft, d.h. Risikokapital. Dieses Risiko wird der Staat vielleicht tragen, vielleicht auch nicht, je nach Wichtigkeit. Wenn nicht war es halt Risiko der Anleger, meist einigt man sich aber, sollte ein Ausfall drohen. Die Banken werden von der Zentralbank gestützt, die Pumpen Geld in das System, tut sie jetzt schon. Die Dollargläubigen müssen halt warten oder abschreiben. Deshalb werden die türkischen Banken nicht kaputt gehen, nur deren Guthaben werden in den USA und England eingefroren und können da keine Geschäfte mehr machen. Das Geschäft macht dann ein anderer. In der Türkei gibt es über 7000 deutsche Firmen oder mit deutscher Beteiligung, nochmals soviele französische, spanische usw. Deren Kredite lauten auf EUROs. Da wird es Lösungen geben. Alles halb so wild, keine Panik, ausser bei SpOn.
ArnoNym 29.08.2018
4. Das ist schade für die Türken
Wenn die Türkei einen Staatsbankrott hinlegt, ist das zwar ziemlich blöd für die dort lebenden Leute, aber es dürfte wohl die einzige Möglichkeit sein, den Möchtegern-Sultan zeitnah loszuwerden und die Demokratie wieder einzuführen. Insofern läuft alles gut. Je schneller es passiert desto besser!
C.Rainers 29.08.2018
5. Möchtegerne aus dem Traumland
Kommen jetzt wieder in der Realität an und merken, daß immer und überall irgendwann payday ist. Mist ist, wenn man sich in Devisen verschuldet und nur eine Weichwährung zur Rückzahlung hat
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